Kinder-Skelett stoppt Bauvorhaben in Gera
Nur wenige Stunden nach dem ersten Spatenstich musste der Bagger stoppen. In der Fundamentgrube für das Posthumus-Denkmal vor dem Campus Rutheneum lag das Skelett eines Kindes:
Nur wenige Stunden nach dem ersten Spatenstich für das Posthumus-Denkmal musste der Bagger am Freitag, 21. August, stoppen. In der Fundamentgrube vor dem Campus Rutheneum lag das Skelett eines Kindes – bestattet vor rund 400 Jahren.
Baustart nach drei Jahren Planung und Vorbereitung
Endlich sollte es losgehen. Für die fünfeinhalb Meter hohe Statue des Heinrich Posthumus Reuß musste auf der Grünfläche vor dem Campus Rutheneum eine Grube ausgehoben und Frostschutz eingebracht werden – dort, wo das Denkmal einst stand. Doch schon nach wenigen Stunden kam der Bagger zum Stehen. „Es wurde das Skelett eines Kindes gefunden“, schildert Manfred Otto Taubert auf Nachfrage.
Die Arbeiten wurden sofort gestoppt, der Fund abgedeckt, das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie kontaktiert. „Am Montag, 24. August, wurde das Skelett geholt und nach Weimar zur weiteren Untersuchung gebracht. Es handelt sich um Kinderknochen aus dem 17. Jahrhundert. Das Kind war zum Zeitpunkt des Todes etwa sechs bis acht Jahre alt. Der Archäologe erkannte, dass noch Milchzähne vorhanden waren und es sich um eine ordentliche Bestattung handelte“, berichtet Taubert, der bei der Bergung dabei war.
Auf der Grünfläche vor dem Campus stand einst eine Kirche
Vor drei Jahren fing er an, Menschen und Gelder für das Vorhaben „Zurück mit dem Posthumus-Denkmal“ zu finden. Schnell war eine Interessensgemeinschaft gegründet, die zum einen selbst sponserte und zum anderen sich dafür engagierte, dass dieses in den 1950er Jahren verschwundene Denkmal wieder nach Gera zurückfindet.
Dass an dieser Stelle Gebeine liegen, ist kein Zufall: In unmittelbarer Nähe zum heutigen Schulgebäude stand die Pfarrkirche St. Johannis – Kirchen dieser Zeit waren regelmäßig von einem Friedhof umgeben. Beim großen Stadtbrand von 1780 brannte St. Johannis aus und blieb als Ruine zurück; Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie vollständig abgetragen. Der Name Johannisplatz erinnert bis heute daran.
Wann der Bau des Denkmals weitergehen kann, ist aktuell noch unklar. Eine Rücksprache mit der Leiterin der unteren Denkmalschutzbehörde Laura Kreisel steht aus.
