Nach Fund von Knochen eines toten Mädchens: Es kann in Gera weitergebaut werden
Bei Bauarbeiten in Gera entdeckten Experten Kinderknochen. Nach kurzem Baustopp kann das Bürgerprojekt fortgesetzt werden. Was nun alles über den Fund bekannt ist.
Die in der Baugrube gefundenen Knochen eines Kindes sind älter als anfangs angenommen. Gefunden wurden sie in der Grube, die für das neue Posthumus-Denkmal ausgehoben werden sollte. Gebuddelt wird auf der Wiese vor dem Campus Rutheneum. Hier stand bis 1958 das originale Denkmal des Reußensohnes. Es verschwand in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.
Ende August konnten die Arbeiten aufgenommen werden, um die notwendige Grube für das Fundament samt Treppenanlage auszuheben. Bereits kurze Zeit später musste das Vorhaben gestoppt werden. Nur wenige Schaufelstiche tief stieß der Baggerarm auf das Skelett eines Kindes. „Sofort wurde der Bau gestoppt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie kontaktiert“, erzählt Manfred Taubert, Initiator der Idee, Posthumus wieder nach Gera zu holen.
Kinderskelett jünger als anfangs vermutet
Nach ersten Erkenntnissen sollte es sich um ein Kind im Alter von sechs bis acht Jahren handeln, das im 17. Jahrhundert verstorben und dort ordnungsgemäß beerdigt worden war. Wir berichteten. Nun gibt es neue Erkenntnisse. „Ein in situ freigelegtes Grab gehörte zu einem vier- bis fünfjährigen Kind aus dem 14. oder 15. Jahrhundert“, so Ines Spazier, Gebietsreferentin beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.
Zeitgleich wurden Fundamentreste entdeckt, die zum spätmittelalterlichen Friedhof der Johanniskirche gehörten. Dabei handelte es sich um einen Anbau, der auf einer Fläche von drei mal zwei Metern zum Vorschein kam. Zur Kirche gehörte ein Friedhof, auf dem bis zur Reformation im 16. Jahrhundert Bestattungen stattfanden.
Bauvorhaben kann fortgesetzt werden
Nach gut einer Woche konnten die Arbeiten an Ort und Stelle fortgesetzt werden. „Der Frostschutz ist eingebracht, nun kommt das Grundfundament“, erklärt Manfred Taubert. Für den 17. September ist der Kran bestellt, der die Treppenanlage bringen soll. „Wenn alles klappt und das Wetter mitspielt, werden an diesem Tag die beiden Zeitkapseln eingelassen“, sagt der Initiator. Er hofft, dass es zu keinem weiteren Zwischenfall kommen wird.
Vor drei Jahren begann er, Menschen und finanzielle Unterstützung für das Vorhaben „Zurück mit dem Posthumus-Denkmal“ zu finden. Schnell wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, die zum einen selbst spendete und sich zum anderen dafür engagierte, dass dieses in den 1950er-Jahren verschwundene Denkmal nach Gera zurückkehrt. April 2027 soll, sofern alles nach Plan läuft, der Posthumus auf den Sockel gesetzt werden.
