Von Leipzig oder Berlin nach Gera: "Freundschaft ist der Kleber, Musik der Anlass"
In Gera das Gymnasium besucht und die Musik lieben gelernt: Nach dem Abi zieht es acht junge Leute in die Ferne. Als "Voces 1608" kehren sie regelmäßig zurück und sorgen für Aufsehen. Über Gera hinaus.
Noch stecken zwei junge Leute im Stau auf der Autobahn. Der Termin des Abends jedoch steht. Wenig später in der Heimat angekommen, packt das Duo seine Notenblätter aus, gesellt sich zu den zwei Wartenden. Als Quartett ist man diesmal komplett. Konzentriert sprechen die Vier das Programm durch, singen Lieder an, wiederholen Tonlagen, proben die Aufstellung. Nur noch wenige Minuten, dann werden die ersten Neugierigen erscheinen.
An diesem Donnerstag ist es ein heimeliges Konzert: Beim Lebendigen Adventskalender in Gera-Untermhaus wollen Joana Czekalla, Sarah Trautmann, Lars Degenkolb und Theodor Herold von „Voces 1608“ das 11. Kalendertürchen und die Herzen der Besucher öffnen.
Beeindruckende Handschrift, faszinierende Schauplätze
Für „Voces 1608“ stehen insgesamt acht Alumni der Spezialklassen für Musik am Gymnasium Rutheneum seit 1608 unter der Leitung von Christian K. Frank. Neben den bereits erwähnten vier Talenten gehören Anna Walther, Josephine Falk, Yannick Albert und Justin Schmoginski zum Ensemble. Mit großartigen Stimmen, einzigartigen Programmen und oft an faszinierenden Schauplätzen, hinterlässt jenes eine beeindruckende musikalische Handschrift in Gera. So beispielsweise geschehen am 23. November in der St. Johanniskirche mit den Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.
Harmonie schon in der Schulzeit
Mit großer Hingabe widmen sich die acht Absolventen dreier Abi-Jahrgänge weiterhin ihrer Leidenschaft, dem Singen, welches einst im Konzertchor des Rutheneums seinen Anfang nahm. Dabei haben alle längst ihren eigenen beruflichen Weg eingeschlagen. Sie studieren in Erfurt, Dresden, Berlin oder in Leipzig, unter anderem Lehramt, BWL, Jura, Germanistik, Geografie oder absolvieren eine Ausbildung. „Wir haben bereits zu Schulzeiten immer zusammengehockt, fanden uns beim Chorgesang, probten gemeinsam und harmonierten gut miteinander“, erzählt Joana Czekalla.
2022 verwirklichten sie miteinander - personell in leicht anderer Konstellation - das erste Projekt - eine Klanginstallation zu Schütz‘ Exequien in den Geraer Höhlern in Zusammenarbeit mit Hendrik Schnöke, Soloklarinettist und Kammermusiker des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera. „Dabei haben wir gemerkt, dass es sehr gut funktioniert. Aus Spaß an der Musik und dem Musizieren wollten wir uns dann ein nächstes Mal treffen. Und so ging es immer weiter“, erzählt Joana Czekalla und schmunzelt dabei.
Name mit Bedacht ausgewählt
Am Totensonntag im November 2023 traten die Talente erstmals unter dem Namen „Voces 1608“ auf. Jener ist mit Bedacht gewählt: Die Zahl verweist auf den musikalischen Ursprung, das Gymnasium Rutheneum seit 1608. Das lateinische Wort Voces bedeutet Stimmen - passend für das Vocalensemble. „Außerdem gibt es parallel zu uns den großen Chor namens vocAlumni, mit mehr als 30 ehemaligen Schülerinnen und Schülern des Rutheneums“, so Joana.
Und weil Leidenschaft und Wille groß sind, ist der Weg aus entfernten Ecken Deutschlands lediglich eine kleine Hürde für die Acht. Bei jedem Mitglied stehen die festen Auftrittstermine im Kalender. Die jeweils dafür gemeinsamen Probenwochenenden werden lange im Voraus geblockt und konsequent freigehalten. Eine gute Planung sei das A und O. „Bei einer solch kleinen Gruppe kommt es wirklich auf jeden an. Selbst wenn nur eine einzige Stimme fehlt, funktioniert das ganze Projekt nicht mehr. Aber bei uns herrscht großes Vertrauen untereinander. Zudem ist jeder mit viel Lust dabei und engagiert sich dafür“, meint Lars.
Von Romantik bis Pop
Das Kernstück von „Voces 1608“ sind die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz. Anlassbezogen erweitert das Ensemble aber gern sein Repertoire und wandelt zwischen den Stilen. Mit einem Mix aus kirchlichen und weltlichen Gesängen sei es vielfältig aufgestellt. Angefangen von Schütz-Stücken über romantische Lieder bis hin zu modernen Pop-Arrangements haben die Sängerinnen und Sänger schon eine Menge einstudiert.
Eine gute musikalische Basis mit Stücken, bei denen sie sich wohlfühlen, sei ihnen sehr wichtig, versichert Joana Czekalla. Dabei scheue das Ensemble aber auch nicht vor der ein oder anderen Herausforderung zurück. Die „Zigeunerlieder“ von Brahms beispielsweise, begleitet von Christian K. Frank am Klavier, vor anderthalb Jahren in der Aula des Rutheneums, sei eine solche gewesen. „An ihr sind wir als Ensemble noch einmal gewachsen“, sagt Degenkolb. Mittlerweile tritt „Voces 1608“ über die Grenzen Geras auf, gastierte schon in Altenburg, Jena, Schmölln und sogar in Franken.
Freundschaft ist der Kleber
Was die acht Ehemaligen trotz unterschiedlicher Lebenswege, Studium, Ausbildung und diversen Hobbys zusammenhält und immer wieder zusammenführt? „Es ist so wertvoll für mich, dass wir uns seit der Schule kennen und so gut verstehen und dabei immer noch einen schönen Grund haben, um uns wieder zu treffen. Wenn ich zu den Proben komme, vorher nicht selten unter etwas Stress stehe, bin ich mir aber sicher, hier gemeinsam eine gute Zeit zu erleben. Zusammen lachen, reden, singen, das ist einfach schön“, beschreibt es die 23-jährige Joana. „Freundschaft ist der Kleber, die Musik der Anlass“, bringt es Lars auf den Punkt.
Und dabei fühlt sich wohl nicht nur er von den „Voces 1608“ sich geehrt, dass Christian K. Frank, vielbeschäftigter Dirigent, Pianist, Komponist und seit langem Künstlerischer Leiter des Konzertchors vom Gymnasium Rutheneum, sich für dieses kleine Alumni-Ensemble engagiert und es auf seinem musikalischen Weg begleitet.
Mehr Infos auf Instagram: ensemble_voces1608; Kontakt über: Voces1608@gmail.com
