Ostthüringer Konzertspektakel mit 400 Mitwirkenden


Das Geraer Theater wird Schönbergs hochromantisches Werk „Gurre-Lieder“ mit bis zu 400 Mitwirkenden aufführen

Pressefoto
Konzertauftritt im KuK Gera (Foto: privat)

„Man kriegt die Gelegenheit wohl nur einmal im Leben“, sagt Kay Kuntze. Der Generalintendant des Theaters Altenburg Gera meint die „Gurre-Lieder“, die sein Haus mit dem Chor des Rutheneums und Partnern aus Temeswar als riesiges Konzertereignis im heimischen Kultur- und Kongresszentrum plant. Das von Arnold Schönberg komponierte Oratorium gilt neben Mahlers 8. Sinfonie als Werk mit der größten Besetzung in der gesamten Orchesterliteratur. „In Thüringen war es noch nie zu erleben“, sagt der Intendant. Es werde wegen seines Aufwands extrem selten gespielt. Insgesamt werden bis zu 400 Leute an den Geraer Konzerten am 22. und 23. September mitwirken. Eine Woche später wird das Mammutwerk dann in Geras rumänischer Partnerstadt Temeswar (deutsch für Timișoara) weitere zweimal präsentiert, im Rahmen des dortigen Kulturhauptstadt-Jahres.

Arnold Schönberg ist zwar landläufig bekannt für atonale Klänge und die Zwölftonmusik. Die Gurre-Lieder jedoch entstanden noch vor seiner avantgardistischen Phase. Er schrieb dieses hochromantische Werk um 1902 als junger Mann. Der Reiz einer so großen Schar an Mitwirkenden liege vor allem in der Klangfärbung, sagt Kay Kuntze. „Es geht darum, sehr viele umeinander herum rankende Melodien entwickeln zu können.“

Schönberg misshagte der Erfolg

Da dem jungen Schönberg lange die Mittel fehlten, wurde das Werk erst 1913 uraufgeführt. Auch das Publikum damals erwartete dissonante Musik und war entsprechend überrascht, ja überwältigt. Es zeigte seine Begeisterung mit Riesenjubel. Dem schon weiter gereiften Schönberg schien der Erfolg jedoch zu misshagen. Zumindest soll er sich mit dem Rücken zu Publikum verbeugt haben.

Beim Konzertspektakel in Gera wirken insgesamt zwei Orchester und fünf Chöre mit. Hinzu kommen internationale Gastsolisten. Gefördert wird das Projekt mit mehr als 700.000 Euro: zur Hälfte aus dem Bundesprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ und zur Hälfte aus dem Kulturstadt-Topf der Stadt Temeswar. Die rumänische Großstadt ist 2023 Kulturhauptstadt Europas. Neben dem Philharmonischen Orchester Altenburg Gera und der Banater Philharmonie Temeswar beteiligen sich drei Chöre aus Temeswar sowie der Opernchor des Theaters Altenburg Gera und der Konzertchor des Geraer Gymnasiums Rutheneum.

Traurige Liebesgeschichte

Schönbergs Gurre-Lieder basieren auf einer dänischen Sage. König Waldemar, zu dessen Besitz der Jagdsitz Burg Gurre gehört, verliebt sich in die schöne Magd Tove. Doch seine Frau Helwig sinnt nach Rache. Sie sendet Vasallen aus, um die Nebenbuhlerin zu töten.

Die Aufführung ist ein Höhepunkt der Geraer Reihe „Zukunftsmusik Ostwärts“, die 2018 mit der Oper „Oedipe“ von George Enescu ihren Anfang nahm. Damals zog die Inszenierung von Kay Kuntze viele Zuschauer aus Rumänien an. Über die Förderung „Exzellente Orchesterlandschaft“ realisierte man dann 2019 unter anderem ein erstes Konzertgroßereignis mit Temeswar: Mahlers 3. Sinfonie. Die Gurre-Lieder werden das noch einmal deutlich übertreffen.

Termine: Freitag und Samstag, 22. und 23. September, jeweils 19 Uhr. Tickets: theater-altenburg-gera.de

Ulrike Merkel