Probleme Europas im Goethe-Gymnasium Rutheneum seit 1608 diskutiert

"Lass die in Brüssel mal machen!" Das bekam Dr. Dieter-L. Koch, ein Europaabgeordneter (MdEP), zu Beginn seiner politischen Laufbahn immer wieder zu hören. Ist das die richtige Einstellung um Frieden, Freiheit und Wohlstand zu garantieren? Nein, ist es nicht! Zu diesem Schluss gelangten wir am Montag, dem 14.05.2012, durch eine lange Diskussion mit Dr. Dieter-L. Koch, Mitglied des Europa Parlaments (MdEP), und Mark Hauptmann, M.A. Politikwissenschaft in Jena. Denn diese machten uns darauf aufmerksam, dass wir das Privileg und die Pflicht haben Europa mitzugestalten. Wir, das sind, die 11. Klassen mit dem erhöhten Anforderungsniveau für Geschichte und Sozialkunde, sowie die 11m und 12m, besprachen mit ihnen aktuelle Probleme in Europa, wobei das interessanteste Thema die Krise in Griechenland war. Desweiteren unterhielten wir uns über Verträge wie den Lissabonner Vertrag, der als "geheime EU- Verfassung" gilt, und die Kopenhagener Kriterien, die uns halfen, zu verstehen, wie es zu der Krise in Griechenland kommen konnte. Die Lage in Griechenland ist heikel. Einerseits müssen sie mit Schulden in Milliardenhöhe kämpfen, weswegen sie mehr und mehr Kredite brauchen, welche aufgrund der instabilen bzw. nicht vorhandenen Wirtschaft nicht zurückgezahlt werden können. Ein Teufelskreis. Andererseits kriegen sie es auch nicht bewerkstelligt, eine vernünftige Regierung zu bilden. In Anbetracht dessen, dass Griechenland das Geburtsland der Demokratie ist, ist es traurig solch eine schlechte Entwicklung mit ansehen zu müssen. Herr Hauptmann ist der Meinung, dass es den Griechen schon am Grundfundament fehlt. Dies belegt er durch überzeugende Fakten: dass die Griechen schon mit 52 Jahren in Rente gehen können, dass die meisten Erwerbsfähigen im Staat angestellt sind - alles Beweise für eine aussichtslose Lage der Wirtschaft in Griechenland. Wie unsere Gäste meinten, haben die Griechen demnach nur zwei Optionen: Sie treten aus der Euro Zone aus oder sie nehmen die Reformvorschläge der EU an. Zu dieser Frage war die Schülerschaft geteilter Meinung: Könnte Griechenland mit einer eigenen Währung die Krise überstehen oder sollten sie doch dem Reformprozess zustimmen? Herr Koch ist der Meinung, dass die Griechen sich durchaus mit einer eigenen Währung von der Krise erholen könnten. Diese Meinung teilte Herr Hauptmann jedoch nicht. Hier stellte sich unter anderem auch die Frage, warum Griechenland überhaupt in die EU aufgenommen wurde. Hauptmann antwortete darauf, dass bei den Aufnahmekriterien (Kopenhagener Kriterien) falsche Angaben von Griechenland gemacht wurden. Leider wurde aber auch aufgrund nicht vorhandener Mehrheiten im Parlament keine Kündigungsklausel in den Lissabonner Vertrag aufgenommen und somit bleibt Griechenland erstmal ein finanzieller "Klotz" am Bein der Europäischen Union. Einig waren die Schüler sich in der Hinsicht, dass es nicht funktionieren wird, wenn die Griechen den Euro behalten, aber den Sparmaßnahmen nicht zustimmen. So sieht es momentan nämlich aus. Anhand der Krise in Griechenland kann man sehen, dass es nicht leicht ist, nach dem Leitspruch des Europäischen Parlamentes: "In Vielfalt geeint." zu arbeiten. Die Politiker müssen aber dennoch weiter versuchen, sich so gut wie möglich daran zu halten, um Akzeptanz und Einigkeit in Europa zu schaffen. An dieser Stelle möchten wir gerne dafür danken, dass wir die Gelegenheit dazu hatten mit Leuten zu diskutieren, die wirklich Ahnung von diesem Thema haben und die auch nicht gezögert haben uns jede Frage, die wir hatten zu beantworten.

von Juliane Schmieder und Linda- Sophie Großmann (11/2)