10 Jahre deutsch-russischer Schüleraustausch - Das Glück ist nicht hinter den Bergen

Dieses Sprichwort durften zehn Schüler und zwei Lehrerinnen des "Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 Gera" persönlich erleben. In dem Zeitraum vom 26.08. - 06.09.2014 fand diese kleine Gruppe eine zweite Heimat fernab von Deutschland in Perm, einer Millionenstadt am Fuße des Urals. Der seit 2004 bestehende Austausch zwischen dem Goethe-Gymnasium und der offiziellen Staatlichen Mittelschule No. 122 jährte sich in diesem Jahr zum zehnten Mal. Ein großer Dank geht dabei auch an die Stiftung Deutsch-Russischer Austausch, welche uns bei den Austauschen unterstützt.

Die 12 tägige Reise begann am 26. August in aller Frühe am Hauptbahnhof in Gera mit der Zugfahrt nach Berlin. Nach dem Flug von Berlin nach Moskau ging die Reise mit einem Schlafwagen 24 Stunden lang durch Birkenwälder, Dörfer und die endlose Weite der russischen Landschaft. Die anfängliche Angst und die Befürchtungen bezüglich des Unbekannten waren schnell verflogen. Grund dafür war die russische Gastfreundschaft und Großherzigkeit, die man überall zu spüren bekam. Egal, ob es um Kleinigkeiten oder größere Verständigungsprobleme ging, es konnte immer eine Lösung gefunden werden. Langweile suchte man vergeblich.

In den verbleibenden Tagen der ersten Woche ging es von Perm aus zu verschiedenen regionalen Kulturstätten. Mit dabei waren das Museumsdorf Hochlovka, die Eishöhlen von Kungur und die Duma von Perm. Mit dem Beginn der neuen Woche ging es für die Austauschschüler, genau wie in Deutschland, wieder zur Schule. Ein ganz besonderes Erlebnis war dabei der 1. September, welcher in Russland auch "Tag des Wissens" genannt wird. An diesem Tag werden die Schulanfänger festlich begrüßt und in die Schule aufgenommen. Dies geschieht mit einem Appell des Schulleiters und einem kleinen Programm der Schüler der Abschlussklasse. In den verbleibenden drei Tagen besuchte die Gruppe aus Deutschland jeweils die ersten vier Unterrichtsstunden der russischen Gastschüler. Unabhängig von den Unterrichtsfächern wurde alles aufmerksam verfolgt, auch wenn hier und da nicht alles verstanden wurde. Trotzdem wurden die Gäste herzlich von ihren russischen Mitschülern aufgenommen und die sprachlichen Stolpersteine beseitigt. Die Nachmittage waren geprägt von vielen Metern Laufweg, da eine Lieblingsbeschäftigung der russischen Jugendlichen das Spazieren quer durch die Stadt ist. Dadurch war man nie alleine und es entstand eine sehr gesellige Atmosphäre. Eins ist sicher, in Russland ist man selbst als Fremder nie allein!

Nach Empfinden aller Beteiligten verging die Zeit viel zu schnell. Kaum war man angekommen und hatte sich eingelebt, so musste man seine neu gewonnene Familie und zweite Heimat auch schon wieder verlassen. Am letzten Tag trafen sich Gastschüler und Familien am Morgen vor dem Bahnhof in Perm. Als dann alle anwesend waren, ging es auf den Bahnsteig. Nachdem der Zug eingefahren war, hieß es Abschied nehmen. Unter Tränen wurden die Gasteltern und Gastgeschwister verabschiedet, man bedankte sich für die Gastfreundschaft, die wundervolle, gemeinsame Zeit und die unvergesslichen Erinnerungen. Es wurden Versprechen gegeben, sich wieder zu besuchen, die neu gewonnene Freundschaft zu erhalten und in Kontakt zu bleiben. Allen Beteiligten war klar, dass dies nicht der letzte Austausch gewesen sein wird. Um sein Glück zu finden, muss man nicht erst hinter Bergen suchen, am Fuße des Urals ist dies genauso möglich.

Von Julia Bajorat und Alexander Rückriem