Letzter Aufruf für die Schülergruppe aus dem Goethegymnasium Gera für den Flug LH 3016 nach Moskau

In den Russischstunden hatten wir viel über die Sprache, das Land, dessen Einwohner, Kultur und Traditionen gelernt. Darauf wollten wir es aber nicht beruhen lassen. So machten sich 10 Schüler sowie 2 Lehrer des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 Gera im Rahmen des seit 8 Jahren bestehenden Schüleraustauschs unserer Schule mit der Mittelschule Nr. 122 in Perm auf den Weg zum Ural. Am Montag, dem 27.08., begann unser Abenteuer. Ausgehend von Berlin-Tegel reisten wir mit dem Flugzeug nach Moskau-Vnukovo und am Abend ab Moskau in einem russischen Schlafwagen weiter nach Perm. Das Coupe war durch seine Größe eine wirkliche Herausforderung für 4 Personen, doch letztendlich arrangierten wir uns mit den Gegebenheiten. Der Tatsache geschuldet, dass in einem Samowar jederzeit heißes Wasser bereitgestellt wurde, konnten wir uns kleine Mahlzeiten zubereiten, aber auch einfach schlafen, uns unterhalten oder unser Abschlussprogramm üben. Nach 22 Stunden Fahrt und diversen Halts an Orten wie Nishni Novgorod und Kirov kamen wir endlich am Bahnhof Perm II an. "??????!" Das war wohl das erste Wort, welches wir herausbrachten, als uns nach gut einem Jahr die Gastgeschwister wieder in die Arme schlossen. Der Empfang war, wie zu erwarten, sehr herzlich. Doch nach der Übergabe der Gastgeschenke am Abend wollten wir nach diesen anstrengenden Reisetagen vor allem eins: eine Dusche, etwas zu essen und ein Bett. An den darauffolgenden Tagen machten wir unter anderem eine Schiffsfahrt auf dem durch Perm fließenden Fluss Kama, bei Starkregen eine Stadtrundfahrt im nostalgischen Autobus, besuchten die Gemäldegalerie der Stadt und wurden sogar in der Duma empfangen. Der 1. September ist ein besonderer Tag in ganz Russland, denn traditionell nimmt ein Abschlussklässler einen Schulanfänger an die Hand und der läutet mit einer kleinen Glocke das neue Schuljahr ein. Dieser Tag wird auch als "Tag des Wissens" bezeichnet. Es war uns eine Ehre, bei diesem Geschehen dabei zu sein und es war vor allem schön anzusehen, wie sich die kleinen Mädchen mit ihren Bantiki (große weiße Schleifen im Haar) herausgeputzt hatten. "Das kann ich euch in keinem Unterricht vermitteln, das müsst ihr selbst erleben - sei es die russische Fahrweise oder die urtümlichen Holzhäuser." Mit diesem Ausspruch unserer Lehrerin begann für uns der Sonntag, an dem wir mit dem Bus nach Hochlovka zu einem Museum aus altehrwürdigen Holzhäusern fuhren. Bei einer Führung erklärte man uns unter anderem, wie wichtig der Wald für die Bewohner der Permer Region war und ist und dass über die Jahrzehnte viele Dörfer in den angestauten Fluten der Kama versunken waren. In Thüringen begann das Schuljahr zufälligerweise zur selben Zeit wie in Russland. So wurden wir, jeweils vormittags, verschiedenen Klassen zugeordnet und folgten dem Unterrichtsgeschehen interessiert. An den Nachmittagen besuchten wir z.B. die Staatliche Universität in Perm, welche Platz für ca. 12000 Studenten bietet, eine Ballettaufführung im Theater der Stadt und packten schließlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge unsere Koffer, da sich die Woche dem Ende zuneigte. Für den letzten Tag in Perm, den 5. September, war die Abschlussveranstaltung geplant. Unser Kulturprogramm meisterten wir trotz Zeitverzögerung und dadurch bedingte Nervosität mit Bravour und ließen den Abend gemeinsam in gemütlicher Runde ausklingen. Unter Tränen verabschiedeten wir 8 Stunden später unsere neugewonnenen Freunde und unsere Gastfamilien, denen wir unglaublich dankbar für ihre große Gastfreundschaft sind. Sie hatten ihre eigenen Schlafmöglichkeiten geräumt, nur damit uns ein eigenes Zimmer zur Verfügung stand und lasen uns jeden Wunsch von den Lippen ab. Wenn wir eines aus Perm mitgenommen haben, dann sind es diese wunderbaren Erinnerungen und Erfahrungen, die uns keiner mehr nehmen kann.

Sophie Wallstabe (09.09.2012)