Straßenbahn in Gera erinnert an Werner Simsohn

Informationstafeln und Straßenbahn-TV informieren über das Wirken und die Verdienste des Geraer Autors und Handballtrainers. Weitere Persönlichkeiten sollen auf diese Art geehrt werden.


Gera. Gestern sind die ersten Tafeln, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern, an die Geraer Verkehrsbetriebe übergeben worden. Zukünftig informieren sie in den Straßenbahnen, deren Namen sie bereits tragen, über Werner Simsohn, Heinrich Postumus und Auguste Zabel.
Damit werden die Straßenbahnen zu einem "Lernort für Geschichte", wie Olga Lange vom Interkulturellen Verein Gera formulierte. Ihr Verein betreut das Projekt gemeinsam mit den Geraer Verkehrsbetrieben (GVB) und Schulen.

Auch andere Triebwagen sollen Paten erhalten

Die Niederflur-Triebwagen sind seit 2006 im Einsatz. Neun der zwölf damals angeschafften Wagen sind nach bedeutenden Töchtern und Söhnen der Stadt benannt. Neben Simsohn,Zabel und Heinrich Postumus standen Berta Schäfer, Otto Dix, Otto Lummer, Clemens Weisker, Aenne Biermann und Thilo Schoder Pate. Dieter Nendel, Vorsitzender des Deutsch-Jüdischen Kulturvereins Gera im Interkulturellen Verein, hofft, dass auch die anderen einen Paten erhalten. "Wir haben genügend Namen im Stadtarchiv, die sich anbieten würden", sagte er.

Die Tafeln für Werner Simsohn, Autor der Bücher "Juden in Gera" und erfolgreicher Handballtrainer, wurden vom Interkulturellen Verein erarbeitet. Simsohn wurde 1924 geboren und kam im Alter von drei Jahren nach Gera. Seine Kindheit und Jugend war geprägt durch die Verfolgung jüdischer Familien. Nach dem Krieg arbeitete er als erfolgreicher Handballtrainer. Für seine Bücher machte Werner Simsohn in jahrelanger Arbeit viele Geraer Juden ausfindig, sammelte Dokumente und führte Interviews. Als Anerkennung seiner Verdienste als Autor wurde er 1998 Ehrenbürger der Stadt Gera. Er starb 2001.

Vinzent Schneider, Schüler der Ostschule, stellte die Tafel für Auguste Zabel zusammen. Sie wurde 1908 in Gera geboren und ist die Stifterin des Zabel-Gymnasiums. AntonioThiers und Richard Bassek vom Goethe-Gymnasium arbeiteten an der Tafel für Heinrich Postumus. Der bedeutendste Vertreter der "Jüngeren Linie Reuß" wurde 1572 geboren und hatte einen großen Einfluss auf Geras Entwicklung. Die Tafeln werden in den nächsten Tagen in den entsprechenden Straßenbahnen angebracht. Sie sollen an einer Stelle hängen, an der sie jeder beim Einsteigen sehen kann. .

Stadtgeschichte für Fahrgäste erlebbar.

Die Idee, Straßenbahnen als Ausstellungsräume für Stadtgeschichte zu nutzen, hat Dieter Nendel nach Gera gebracht. Er sah bei Besuchen in Darmstadt, dass in den dortigen Straßenbahnen Exponate zu Industriegeschichte der Stadt ausgestellt sind. Für Nendel, der auch Mitglied im Fahrgastbeirat der GVB ist, war das ein Anreiz, etwas Ähnliches auch in Gera zu machen. "Damit Stadtgeschichte für die Fahrgäste erlebbar wird", sagte er.

Auch Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) lobte das Engagement des Interkulturellen Vereins: "Das Projekt ist ein wichtiges Zeichen für das Stadtmarketing", sagte sie. Es sei eine schöne Tradition, dass Straßenbahnen den Namen berühmter Persönlichkeiten trügen.
Finanziert wird das Projekt über das Bundesprogramm "Demokratie leben".
Weitere Schulen und Einrichtungen sind aufgerufen, sich am Projekt zu beteiligen und Informationstafeln zu den anderen Persönlichkeiten zu erarbeiten, deren Namen die übrigen Straßenbahnen tragen.
Bildunterschrift
Straßenbahnen erinnern an bedeutende Persönlichkeiten und werden ein "Lernort für Geschichte". Foto: Julia Schäfer