Ausstellung in Bad Köstritz: Im Spannungsfeld von Glück und Desaster

Der Geraer Maler, Grafiker und Kunstlehrer Frank Lohse stellt seit Freitagabend in der Kleinen Galerie "Gucke" in Bad Köstritz aus. „Frida!“ ist zuallererst eine Hommage an die Mexikanerin Frida Kahlo.


Bad Köstritz. Frida mit geradem, selbstbewussten, ja fast trotzigem Blick auf den Betrachter, Frida lächelnd und temperamentvoll, die Mexikanerin als Raucherin im Seitenblick, als Revolutionärin mit Waffe, im Halbporträt mit Totenmaske oder gar beim Tanz mit dem Tod... Facettenreich spannt Frank Lohse den Bogen zwischen Lebenslust und tragischem Schicksal seines künstlerischen Sujets, der mexikanischen Malerin Frida Kahlo.
Der Geraer Maler, Grafiker und Kunstlehrer im Rutheneum seit 1608 blickt intensiv auf Leben und Persönlichkeit dieser berühmten Frau und hat dies künstlerisch in Öl, Acryl sowie vor allem lithographisch verarbeitet.
Unter dem Titel "Frida!" wurde am Freitagabend in der Kleinen Galerie "Gucke" in Bad Köstritz eine Ausstellung mit rund 30 seiner Arbeiten eröffnet.

Frauenporträts als sinnliche Befindlichkeit

"Leider bin ich selbst noch nie in Mexiko gewesen. Den Ausschlag für diese Werke gab meine Arbeit an Porträts. Zuerst waren es Maler, Dichter, Musiker. Dann standen die Frauen im Mittelpunkt. Wobei die Liebe zu Frida Kahlo und zu ihrer Malerei schon immer da war. Und dies hat sich dann ein wenig verselbstständigt", erzählt Künstler Frank Lohse.
Dabei arbeite er an dem Thema Frida Kahlo aber nicht am Stück, sondern es komme immer mal wieder. Deren Faszination sieht der Geraer - wie in jeder guten Kunst - vor allem im Spannungsverhältnis zwischen Glück und Desaster begründet. Und bei Frida Kahlo kann er dabei natürlich aus dem Vollen schöpfen: Kinderlähmung im Alter von sechs Jahren, von der sie ein verkrüppeltes Bein zurück behielt, ein schrecklicher Busunfall, der die Mexikanerin in Folge immer wieder ans Bett fesselte, ihre Ehe mit Diego Rivera, dessen Untreue und ihre Affären. Darüber hinaus bestimmten revolutionärer Eifer und Engagement in der Kommunistischen Partei Frieda Kahlos Leben, das mit 47 Jahren viel zu früh endete. Der Nachwelt hinterließ sie 143 Bilder, von denen 55 Selbstbildnisse sind.
Infolge ihrer Krankheit häufig ans Bett gefesselt, begann Kahlo mit dem Malen. Es blieb nicht nur Zeitvertreib, sondern widerspiegelte schließlich ihre körperlichen und seelischen Qualen. "Sie fasziniert auch, weil sie selbst die Symbolkraft eines weiblichen Christus hat", so Lohse.
Dem Betrachter begegnet aber nicht nur Frida Kahlo im Porträt, sondern eben auch andere Frauen. Frank Lohse erklärt dazu: "Es gibt viele schöne Frauen und sehr viele, die der Mexikanerin ähneln." Für ihn war es vor allem ein sinnliches Herangehen, beschreibt der Künstler und betrachtet ein solches Frauenporträt als seelische Befindlichkeit. "Mal ist es eine spontane Variante, mal ein langes Ringen", erzählt er über den Arbeitsprozess. "Der Vorteil, wenn man sich dann mit dem Thema beschäftigt hat, ist aber auch, dass sich ein Motiv aus dem anderen ergibt."
"In der Gucke stelle ich das zweite Mal aus und finde es hier wundervoll. Der Raum ist wie gemacht für Kabinettausstellungen und eignet sich wunderbar für ein klar eingegrenztes Thema wie meine Arbeiten, die innerhalb eines Jahres entstanden sind."

Laudatio von Rainer Bartossek

"Frida Kahlo hat ihr Innerstes in ihren Bildern dargelegt. Und Frank Lohse?", so Rainer Bartossek in seiner Laudatio zur Vernissage. "Ich nehme an, er hat sich posthum in sie verknallt.
Das Verliebtsein bei Kunst passiert dem Künstler fast täglich. Man verliebt sich in das Bild, das man gerade malt. Das ist gefährlich. Weil Liebe blind macht. Und man übersieht dabei leicht eigene Fehler", so Bartossek in seiner launigen Rede. Er habe dafür einen Trick, verriet er den sehr zahlreich erschienenen Zuhörern. "Ich halte sie vor einen Spiegel, sehe sie seitenverkehrt und dabei fallen mir meine Fehler auf." Das brauche Frank Lohse nicht. Denn er habe die Drucktechniken für sich entdeckt, so der Laudator weiter. Diese seien sowieso spiegelverkehrt, womit sich der Spiegeltrick erübrige. Rainer Bartossek zeigte sich tief beeindruckt besonders von den Steindruck-Arbeiten des Geraer Künstlers. "Je sparsamer, gearbeitet, desto besser gefällt es mir eigentlich." Und diese wie auch die Öl- beziehungsweise Acrylwerke - wohlüberlegt gehängt - lassen sich in der feinen kleinen Ausstellung in Bad Köstritz bis 6.?Dezember genießen - und wer mehr möchte, auch käuflich erwerben.
Weitere "Frida"-Werke von Frank Lohse sind derzeit bei Jana Huster im "Steinwegerich" zu sehen.
Bildunterschrift
Der Geraer Frank Lohse vor einigen seiner Werke zu Frida Kahlo bei der Vernissage in der Kleinen Galerie "Gucke" in Bad Köstritz. Foto: Christiane Kneisel