Förderverein Goethegymnasium: Campus in Gera sollen endlich Flügel wachsen

Seinen Jahresempfang gab am Freitag der Förderverein des Goethegymnasiums. Die Thüringer Finanzministerin Heike Taubert und Oberbürgermeisterin Viola Hahn zählten zu den Gästen


Gera. "Die Farbe für die Ziffern auf dem Scheck für den Campus muss erst noch angerührt werden." Damit stellte die oberste Finanzherrin des Landes, Heike Taubert (SPD)am Freitag im Hofgut klar, dass sie zwar ohne Geldgeschenk, aber gerne der Einladung nach Gera gefolgt ist. Sie würdigte vor den Mitgliedern des Fördervereins deren Anstrengungen, unermüdlich "die Werbetrommel zur rühren" für einen neuen Campus, um damit der Schule ein gutes Fundament zu geben.
Vereinsvorsitzender Michael?Uhlig sah in dem geselligen Beisammensein "eine Möglichkeit, dass unser Verein, der 1. Schulförderverein in Gera, der bereits 1991 gegründet wurde, auf sich aufmerksam macht und in der Politik im Gespräch bleibt." Kritisch fragte er nach 15 Jahren Kampf um den Campus-Bau: "Muss in unserer schnelllebigen Zeit wirklich alles so lange dauern?" Als drastisches Beispiel, Dinge voranzutreiben, bemühte er den Vergleich früherer Papstwahlen, wo die Kardinäle eingemauert wurden, um schneller zu einer Entscheidung zu kommen. Er erinnerte daran, dass der Verein es 2010 in sechs Wochen geschafft hatte, 90 000 Euro zu sammeln, um den Start des internationalen Architekturwettbewerbes zu ermöglichen.

Verein beteiligt sich am Sparkassenwettbewerb

Mit der Teilnahme am Wettbewerb der Sparkasse Gera-Greiz zu deren 111-jährigem Bestehen, kämpfe der Verein mit fünf anderen Mitstreitern um einen Anteil an den ausgelobten 11 111 Euro Preisgeld. "Gegenwärtig", teilte er mit, "bemühen wir uns um ein besseres Internat für die auswärtigen Schüler der Musikspezialklassen. Eltern wollen ihren Kindern die Bedingungen im Standort Maler-Fischer Straße in Bieblach-Ost nicht mehr weiter zumuten." Dazu habe der Verein die zwei Beamtenhäuser am Hofgut ins Visier genommen. "Schüler, die bei einem internationalen Chorwettbewerb an der Carnegie Hall in New York den ersten Preis erringen, sollen auch angemessene Bedingungen zum Wohnen, Lernen und Üben haben. Wir wollen dem Campus Rutheneum endlich Flügel verleihen!"
Für die internationale musikalische Botschafterrolle des erfolgreichen Chores, der so zum Ansehen Geras beitrage, dankte Oberbürgermeisterin Viola?Hahn (parteilos) Schülern, Pädagogen und dem Verein. Sie verwies auf den Erfolg, dass unter bundesweit 168 Bewerbungen im Programm "Nationale Projekte des Städtebaus" der Campus Rutheneum als Premiumprojekt ausgewählt und dafür 2,7 Millionen Euro vom Bund bewilligt wurden. "Aus dem Verkaufserlös der ehemaligen Landeszentralbank" so die OB , "haben wir eine Rücklage für den Campus gebildet, um den Eigenanteil für das Regierungsgebäude und die Turnhalle zu bestreiten." Den Fluss der "schönen Reden" stoppte mit einem Schild aus dem Hofgutinventar des "Fettnäppchens" der Maler und Kunsterzieher Frank?Lohse. Auf dem Schild war groß "Schweinerei" zu lesen. Lohse nutzte die Gelegenheit, den Umgang der Stadt mit Kultur und Kulturschaffenden anzuprangern.

Vernagelte Fenster und Lehrer-Dauerlauf

Dezenter kritisierten Goethegymnasiasten den baulichen Zustand am Standort Nicolaiberg. Ferdinand Kämpfer: "Die Fenster fallen bald raus, manche sind vernagelt. In Räumen, wo wir essen, grassieren Salpeter und Schimmel. Das Lernen ist abenteuerlich." Die Lehrer hasten von einem Schulstandort zum anderen. Oft bleibt ihnen keine Pause wegen des Hauswechsels, Gespräche mit Schülern müssen aus Zeitnot abgewürgt werden. Mit schwerer Tasche lege sie an einem Schultag fünf Kilometer zurück, sagte Kerstin Hensel, Lehrerin für Französisch und Deutsch.

Die Zusammenführung der Schulteile am historischen Ort und eine Verwandlung des blatternarbigen Regierungsgebäudes in eine moderne Bildungsstätte in historischem Kleid sei überfällig.
Bildunterschrift
Seinen Jahresempfang gab am Freitag, dem 25. September 2015, der Förderverein des Goethe-Gymnasium/Rutheneum seit 1608 Gera. Neben Mitgliedern des 350köpfigen Vereins und Geraer Stadtratsmitgliedern zählten auch die Thüringer Finanzministerin Heike Taubert (SPD) sowie Geras Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) zu den Gästen. Vereinsvorsitzender Michael Uhlig nannte dieses gesellige Beisammensein im Geraer Hofgut "eine Möglichkeit, dass unser Verein, der 1. Schulförderverein in Gera, der bereits 1991 gegründet wurde, auf sich aufmerksam macht."
Foto: Elke Lier