Schüler des Geraer Rutheneum zu Gast in acht Firmen

Aktion „Schule trifft Wirtschaft“ zeigt Schülern Studien- und Berufsmöglichkeiten in der Region. 125 Schüler des Goethegymnasiums / Rutheneum seit 1608 beteiligten sich.


Gera. Startschuss für den ersten Projekttag "Schule trifft Wirtschaft" des Gymnasiums Rutheneum Gera. In acht Gruppen besuchten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10 und 11 sowie 12 ausgewählte Unternehmen der Städte Gera und Bad Köstritz. "Junge Menschen sollen in unserer Stadt eine Perspektive finden - und die Wirtschaft braucht einen gut ausgebildeten Fachkräftenachwuchs. Das ist eine Zukunftsaufgabe für Gera. Und deshalb fördern wir, dass Schule und Wirtschaft enger zusammenrücken, auch über die Stadtgrenze hinaus", betont Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos).



Eindrücke im Chemiewerk gesammelt

Bei der CWK Chemiewerk Bad Köstritz GmbH hatte sich der Schulleiter des Gymnasiums Rutheneum, Joachim Hensel, gemeinsam mit 15 Jugendlichen angemeldet. Hauptgesellschafter Kurt Leopold und Geschäftsführer Volker Damrath informierten die Gymnasiasten über das Unternehmen und die beruflichen Perspektiven in der Chemiebranche. "Für die Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, sich einen Eindruck zu verschaffen, wie ein Produktionsbetrieb funktioniert. Damit formen sie ihre Vorstellungen des Berufsbildes, tragen die gesammelten Eindrücke in die Region hinaus und können so das positive Image der Firma als Arbeitgeber festigen," so Leopold. Er forderte die Jugendlichen auf, sich im Chemiewerk Bad Köstritz zu bewerben, weil es hier auch künftig Bedarf an qualifizierten Fachkräften gibt.
Insgesamt 237 Mitarbeiter und 18 Azubis, die für die drei Geschäftsfelder Kieselsäuren, Schwefelverbindungen und Molekularsiebe tätig sind, sorgen schon jetzt dafür, dass zirka 15?Lkw-Ladungen Chemieerzeugnisse pro Tag das Werk verlassen. Hergestellt werden zum Beispiel Kieselsol, das unter anderem in der Lebensmittelindustrie bei der Fruchtsaftklärung und Weinschönung Anwendung findet sowie Schwefelverbindungen, die in der Landwirtschaft in Düngemitteln und als Wachstumshilfen gebraucht werden.
Dass die Firma auch einen Forschungs- und Entwicklungsbereich hat, der stetig chemische Produkte auf Kundenwunsch entwickelt, beeindruckte Dustin?Beyer aus der elften Klasse, der im vergangen Jahr die landesweite Chemieolympiade gewann. Er möchte einmal Naturwissenschaften studieren und freut sich im Anschluss an sein Studium, eine berufliche Perspektive in seiner Heimat finden zu können. "Ich habe selbst hier im Unternehmen angefangen", sagt Lars Böttcher, Leiter des Geschäftsfeldes Kieselsäuren, der nach seinem Abitur am Gymnasium Rutheneum Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studierte und nach der Promotion vom Produktionsleiter Kieselsäuren den Aufstieg zum Geschäftsfeldleiter absolvierte. Das zeige, dass die Jugendlichen auch hier in Bad Köstritz gute Karrierechancen haben. Auch in den kommenden Jahren sucht die CWK junge Menschen für die Ausbildung zum Chemielaborant, Chemikant, Industriemechaniker und Industrieelektroniker. Max?Wenzel und andere Schüler können sich eine Ausbildung zum Chemikant im Chemiewerk gut vorstellen. "Generell sind praktische Erfahrungen der Jugendlichen eine wertvolle Lehrplanunterstützung für das Fach Chemie. Die Idee hingegen, den Abiturienten Berufsbilder zu veranschaulichen und Perspektiven in der Region aufzuzeigen, beruht auf dem Wunsch der Schüler, von denen nach dem Abitur etwa ein Drittel dual studieren oder eine Ausbildung aufnehmen möchte. Für diejenigen, die ein Hochschulstudium anstreben, den Großteil der Schüler, bieten diese Besichtigungen wertvolle Informationen für ihre Studienwahlentscheidung, denn sie helfen einen Eindruck von dem tatsächlichen Arbeitsalltag nach dem Studium zu erlangen." berichtet Schulleiter Joachim Hensel. 30 Schüler nutzten deshalb auf Einladung der TPT Theater und Philharmonie ThüringenGmbH die Chance, sich über Berufe wie Theatermaler, Sänger, Schauspieler, Musiker und Puppenspieler sowie über die Studienmöglichkeiten in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu informieren. "Da das Interesse unserer Schüler der Spezialklassen Musik an diesen Berufen groß ist, planen wir auch künftig, die Kontakte zum Theater zu festigen und weitere Besichtigungen durchzuführen", so Hensel weiter.

Tobias Werner, Leiter der Wirtschaftsförderung Gera, bietet für weitere Firmenbesuche des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 die Unterstützung der Geraer Wirtschaftsförderung an. Bei dem ersten Projekttag besichtigten 125 Schüler acht Unternehmen sowie einen Zweckverband, die nach verschiedenen Wirtschaftszweigen ausgewählt wurden, um allen Interessen der Schüler gerecht zu werden. Neben dem Chemiewerk in Bad Köstritz wurden unter anderem das SRH Wald-Klinikum, die Theater und Philharmonie Thüringen, das AfA Autohaus Gera-Nord, die Commerzbank, die TAG Wohnungsgesellschaft Thüringen, die Electronicon Kondensatoren, die Kommunale Wasser- und Umweltanalytik und der Zweckverband Wasser/Abwasser Mittleres Elstertalin Gera besucht.

Ähnliche Projekte auch in anderen Schulen

Ähnliche Projekte fanden bereits in anderen Schulen statt und sind Teil der Aktionen "Schule trifft Wirtschaft" des Arbeitskreises "Schule - Wirtschaft Gera". Diese Vorhaben dienen dem Ziel, eine stärkere Vernetzung von Unternehmen, Schülern und Lehrern herbeizuführen, um den Fachkräftebedarf in den Unternehmen zu sichern und die Jugendlichen in der Region zu halten.
Redaktion OTZ / 09.07.15 / OTZ
Bildunterschrift
Lars Böttcher, Geschäftsfeldleiter Kieselsäuren CWK, erläutert dem Schulleiter des Gymnasiums Rutheneum, Joachim Hensel (rechts), und Schülern den Ablauf der Produktion von Kieselsolen. Foto: Stadtverwaltung/Hebel