Musiktalente aus Gera bringen Preise aus Hamburg mit

Beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" am Pfingstwochenende in Hamburg holten Geraer Schülerinnen und Schüler hervorragende zweite und dritte Preise.


Hamburg/Gera. Vom 22. bis 28. Mai traten in Hamburg 2514 musikbegeisterte Jugendliche zum 52. Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" an, die sich zuvor auf Landesebene als Beste auf ihrem Instrument durchgesetzt hatten. Darunter auch Schüler der Geraer Musikschule "Heinrich Schütz" und der Spezialklassen für Musik des Rutheneums Gera.

Ein Beispiel ist Sina Jander, Schülerin der Klasse 10m am Rutheneum Gera, deren Begeisterung den Zupfinstrumenten gilt. "Gitarre lerne ich schon seit dem Kindergarten. In der 1. Klasse durfte ich das erste Mal an einem Wettbewerb teilnehmen. Bis heute sind es mittlerweile sehr viele." In der 4. Klasse kam die Mandoline hinzu, dieses kleine, bauchige, etwas zarte Musikinstrument, das heute kaum noch zu hören ist, aber zu Vivaldis Zeiten durchaus ein Renner war, demzufolge ein Großteil der Literatur aus dieser Epoche stammt. Sina mag ihre Mandoline und kann sie auch so spielen, dass den Hörern deren Beliebtheit im Barock sofort begreiflich wird. "In anderen Bundesländern spielt das Instrument kaum eine Rolle, in Thüringen schon, da es hier noch Traditionen aus DDR-Zeiten gibt und vor allem gut ausgebildete Lehrer."

Deshalb qualifizierten sich in Hamburg nur 24 Teilnehmer zum Endausscheid, in Gitarre waren es immerhin 162. Mit 22 Punkten und einem 2. Preis können sie, ihr Begleiter am Klavier, Benjamin Stielau, Lehrer am Rutheneum Gera, und ihre Lehrerin an der Musikschule "Heinrich Schütz", Renate Warnstedt, also sehr stolz sein. Regelmäßig wirkt sie im Landeszupforchester Thüringen mit.

Ähnlich geht es Nico Sonack, ihrem Klassenkameraden, der eine vergleichbare Entwicklung nahm, offensichtlich mittlerweile mehr zur Gitarre findet, auf der er sein Programm in Hamburg auch präsentierte. Aber wie übt man zwei Instrumente, die doch sehr unterschiedlich sind? "Ich wechsle einfach innerhalb meiner täglichen Übungszeit zwischendurch die Instrumente. Das geht schon", sagt er.

In der Kategorie Klavier zu vier Händen hatten Lydia Rotter und Giulia Marie Schober (beide an der Musikschule in den Klassen von Astrid Steinhöfel und Renate Warnstedt) ihren Part ehrgeizig über ein dreiviertel Jahr vorbereitet. Unter 186 Teilnehmern des Klavierwettbewerbs präsentierten sie ihr Programm mit sehr gutem Erfolg und 19 Punkten.

"Wir sind schon am Donnerstag mit dem Auto angereist. Mama hat uns gefahren, sonst wären wir nicht rechtzeitig angekommen, immerhin streikte die Bahn! Meine Oma haben wir auch noch mitgenommen. Am Freitag mussten wir schon 11.50 Uhr in der Jugendmusikschule im Miralles-Saal in Hamburg spielen. Jeder Schüler durfte 40 Minuten vorher nur für 5 Minuten den Flügel anspielen und den Raum testen. Deshalb haben wir am Donnerstagabend bei Verwandten geprobt. Wir sind gut durchgekommen. Einen Punkt mehr und wir hätten einen 3. Preis. Aber es geht darum, dass wir Musik machen. Wir haben erreicht, was wir wollten, den anderen und uns Freude bereitet, was der Applaus zeigte", so Lydia mit strahlendem Gesicht. Sie erzählte mit Stolz von ihren Großeltern, die sie immer, vor allem musikalisch, fördern. "Meine Großmutter war Solokorrepetitorin am Theater, mein Opa Soloklarinettist. Ich gehe jeden Tag zur Oma in die Wohnung, um dort zu üben. Vor zwei Jahren stand da auch noch ihr Flügel, der aber dann 2013 in Untermhaus mit den Beinen nach oben auf dem Wasser schwamm. Jetzt gibt es nur noch ein Klavier, auf dem Lydia übt.

Die jüngsten der Geraer Vertreter waren Pia Kneisel und Jacob Werner (Klavierklassen Astrid Steinhöfel und Renate Kochendörfer) in der Kategorie Klavier zu vier Händen. Jacob wollte am Sonntag vor dem Wettbewerb sogar noch seine Konfirmation absolvieren, so dass ihm die Möglichkeit früher anzureisen, verwehrt blieb. Am Pfingstmontagmorgen fuhr er 8 Uhr nach Hamburg, 16 Uhr fand das Vorspiel statt, danach ging es sofort wieder nach Hause. Trotzdem errang das Duo mit 20 Punkten einen dritten Preis.

Aus Hobby soll mitunter auch Beruf werden

Älteste Teilnehmer sind Lucas Biegel (Blockflöte, 22 Punkte, 2. Preis), Paula Pietsch (Violine, Musikschule Klasse Peter Wiegand und Schülerin der Spezialklasse11, 23 Punkte, 2. Preis) und ihre Duopartnerin Elisa Werner (Klavierklasse Christian K. Frank, Spezialklassen, gleiche Wertung). Lucas absolviert gerade die letzten Abitur-Prüfungen. Er will Medizin studieren und parallel an der Musikhochschule Leipzig einen Kurs für Alte Musik belegen.

Paula und Elisa mussten lange auf ihre Ergebnisse warten. Elisa trat zwei Mal in Hamburg an, im Fach Klavier und Solo-Blockflöte, dort immerhin auch mit 20 Punkten und einem 3. Preis. Beide wollen aus ihrem Hobby einen Beruf machen.

Ralf Runge / 30.05.15 / OTZ
Bildunterschrift
Preisträger beim Bundessausscheid Jugend musiziert 2015 aus Gera: von links nach rechts: Sina Jander, Lydia Rotter, Benjamin Stielau, Lucas Biegel, Nico Sonack, Elisa Werner, Paula Pietsch Foto: Ralf Runge