Hoffnung in Gera auf Campus-Förderung

Die Stadt bewirbt sich um Mittel aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" für den "Campus Rutheneum". Das wurde zum Tag der Städtebauförderung im Beisein von Bauministerin Birgit Keller angekündigt.


Gera. Der geplante "Campus Rutheneum" am Geraer Johannisplatz soll nach dem Willen der Stadt ein nationales Projekt des Städtebaus werden. Bis 20. Mai will die Stadt Fördermittel aus dem gleichnamigen Bundesprogramm für das Millionen-Projekt beantragen, verkündete Oberbürgermeisterin Viola?Hahn (parteilos) zum ersten bundesweiten Tag der Städtebauförderung am Sonnabend.

Nicht nur erfülle das Projekt alle Kriterien des 2015 insgesamt 50 Millionen Euro umfassenden Förderprogramms für "Städtebauprojekte von besonderer nationaler Bedeutung und Qualität", so Hahn. Auch gebe es die Chance, den geforderten Eigenanteil der Kommune an den Gesamtkosten von 33 auf zehn Prozent zu reduzieren, wenn das Land der Stadt eine "Haushaltsnotlage" bescheinigt.

Ein günstiger Umstand also, dass bei Hahns Ankündigung im Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 ein Mitglied der Landesregierung zugegen war. Bauministerin Birgit Keller (Linke) eröffnete den Tag der Städtebauförderung in Gera und ließ sich verschiedene abgeschlossene und geplante städtebauliche Projekte zeigen. So auch das Campus-Vorhaben. "Ein interessantes Projekt, die Frage ist, wie man das schultert", sagte sie und meinte, dass man die demografische Entwicklung im Auge behalten müsse und nicht - auch mit Blick auf ländlich geprägte Gebiete - einen Standort zulasten eines anderen stärken dürfe.

Mit Blick auf die anderen Geraer Gymnasien gab die OB dahingehend Entwarnung. Alle drei städtischen Gymnasien würden gebraucht, die Nachfrage sei ungebrochen hoch. Baudezernent Ramon Miller (SPD) verwies zudem auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept, in dem die Demografie Geras eine wesentliche Rolle spiele. Eine weitere Grundlage sei die Schulnetzplanung, so die Ministerin. In Gera soll der Plan am 21. Mai im Stadtrat behandelt werden.

Mit Wohnblock-Abriss ein Zeichen setzen

Nicht nur finanzielles sondern auch bürgerschaftliches Engagement sei beim Städtebau gefragt, hatte Keller zur Eröffnung des Tages im Baudezernat gesagt. Auch hier fand sie bei dem Campusprojekt Widerhall. Silva Wallstabe, stellvertretende Schulleiterin des Goethegymnasiums, erinnerte an das Engagement des Schulfördervereins, der damals in vier Wochen rund 90.000 Euro für den Architektenwettbewerb gesammelt hatte, dessen Siegerentwurf nun die Grundlage für das Projekt bildet. Nicht nur würden mit dem Projekt die beiden Schulteile zusammengeführt und die Lehr- und Lernbedingungen verbessert, sondern auch ein städtebaulicher Missstand beseitigt, hieß es mit Blick auf die beabsichtigte Sanierung des reußischen Regierungsgebäudes, dem Neubau eines Schulteiles und einer Turnhalle.René Kessler vom Förderverein kam dennoch nicht umhin, an die Ministerin gerichtet festzuhalten: "Wir werden seit zehn?Jahren hingehalten, das Ergebnis ist gleich Null." Er übergab Keller ein Foto des Regierungsgebäudes sowie ein Beutelchen voll mit abgebröckeltem Putz des Regierungsgebäudes.

"Wir hatten schon viele solcher Termine", sagte nach dem Besuch Silva Wallstabe, die dennoch ein gutes Gefühl zurückbehielt. "Am Ende wird es trotzdem immer auf den Eigenanteil der Stadt ankommen", sagt sie. Hier versuche die klamme Stadt alles Mögliche, um Partner und Unterstützer zu gewinnen, erklärte OB Hahn. Erst vorige Woche habe es Gespräche mit der SRH Holding und der Bildungswerk Sachsen GmbH gegeben.
Für Silva Wallstabe wäre es ein gutes Signal an alle, wenn bald mit dem geplanten Abriss des Wohnblocks in der Reichsstraße begonnen würde, um zu zeigen, dass es vorwärts geht. Bis 30. September, so hieß es, soll der Block leergezogen sein.

Drei Milliarden Euro seit 1991 im Freistaat verbaut

In 32 Kommunen in Thüringen wurde der erste Tag der Städtebauförderung mit Aktionen begangen. Drei Milliarden Euro Städtebaufördermittel seien seit 1991 im Freistaat "verbaut" worden, sagte Keller, und der Tag sei Gelegenheit, zu schauen, wo das Geld hingeflossen ist und künftige Mittel hinfließen sollen. In Gera wurde neben dem "Campus Rutheneum" auch über die Umgestaltung des Steinweges, über das Wohn- und Geschäftshaus Schloßstraße 10, den sanierten Gebäudekomplex Florian-Geyer-Straße 4 bis 6, über das IBA-Projekt "Geras starke Mitte", den Sonnenhof, die Integrierte Gesamtschule und einiges mehr informiert.
Der Tag der Städtebauförderung soll künftig jährlich am zweiten Sonnabend im Mai stattfinden.
Bildunterschrift
Tag der Städtebauförderung - Erstmals fand deutschlandweit und auch in Gera der Tag der Städtebauförderung statt, eine gute Gelegenheit, mit Hilfe der Fördermittel Geschaffenes und Geplantes zu präsentieren. Ministerin Birgit Keller eröffnete in Gera den Tag und schaute sich dann in der Stadt um. Foto: Marcel Hilbert