Proben mit Placido Domingo: Goethegymnasium-Chor einziger deutscher Chor in New Yorker Carnegie Hall

Viele Spender ermöglichen dem Konzertchor des Goethegymnasium ihre USA-Reise. 20.000 Euro kommen vom Chemiewerk Bad Köstritz, dessen Hauptgesellschafter selbst Wahl-New-Yorker ist.


Gera. Er wohnt gleich um die Ecke, sagt Kurt Leopold. Im wahrsten Sinne des Wortes. In zwei Minuten sei er von seiner Wohnung zur Carnegie Hall gelaufen. Seit 1976 lebt der Hauptgesellschafter des Chemiewerks Bad Köstritz nun schon in New York. Und als er über einen früheren Mitarbeiter des Chemiewerks erfuhr, dass der Konzertchor des Goethegymnasium/ Rutheneum seit 1608 die große Chance hat, in dem weltberühmten Konzerthaus in Manhattan, "gleich um die Ecke", aufzutreten, wurde er aktiv.

Als einziger deutscher Chor neben zwei Chören aus den USA und einem aus Estland wurde der Geraer Konzertchor von der Agentur World Projects zum 15. New York Choral Festival eingeladen. Kurt Leopold und seine Mitgesellschafter entschlossen sich, das musikalische Abenteuer der 60 jungen Sängerinnen und Sänger sowie vier Erwachsener mit einer Spende des Chemiewerks von 20?000 Euro zu unterstützen. Er wollte etwas zurückgeben an die Region.

"Das hat uns umgehauen", sagt Rainer Müller, Leiter der Musik-Spezialklassen an dem Geraer Gymnasium, der Kurt Leopold gestern nach vielen Telefonaten erstmals persönlich traf. "Wir können uns gar nicht genug bedanken", betont Müller. Die Zusage über die hohe Zuwendung habe man in einer Zeit "der intensiven Sponsorensuche" erhalten. Immerhin kostet die gesamte Reise für alle Mitwirkenden über 100 000 Euro.

50 292 Euro - über diese stattliche Spenden- und Sponsoring-Summe freuen sich die Chormitglieder und Verantwortlichen. "Ich bin begeistert", sagte Schulleiter Joachim Hensel: "Dadurch ist es uns möglich, wirklich allen Kindern diese einmalige Chance zu ermöglichen." Statt 1700 Euro pro Kopf liege der Eigenanteil so nur noch bei 700 Euro. Hensel lobte dahingehend auch den Förderverein, der seinerseits rund 15 000 Euro für den fünftägigen New-York-Ausflug beisteuerte.

Daneben hätten auch die US-Botschaft in Deutschland, die Thüringer Staatskanzlei, die Sparkasse Gera-Greiz, die Geraer Bank und viele Privatpersonen und Freunde des Chores mit finanziellen Zuwendungen diese Reise ermöglicht, sagt Rainer?Müller. Er reist schweren Herzens nicht mit, wie er sagt.

Gestern Nacht ging die Reise von Frankfurt/Main aus los und wenn am heutigen Sonnabend in New York die Mittagszeit anbricht, landen die Geraer auf dem John F. Kennedy International Airport. Die ersten Proben und Workshops folgen am Sonntag und am Montag geben die Geraer Gymnasiasten im ­Alter von 16 bis 19 ihre erste gesangliche Kostprobe beim Konzert in der Stadtkirche von Manhattan, bevor am Dienstag mehrere Höhepunkte auf die Geraer warten. Als ob der große Auftritt am Abend in der Carnegie Hall nicht schon Ehre genug sei, wird die Generalprobe in einem weiteren namhaften Kulturtempel abgehalten, der Metropolitan Opera. In der "Met" proben sie dann mit keinem Geringeren als Placido Domingo - eine Gelegenheit, die ebenfalls auf Kurt?Leopold und seine Kontakte zur Met zurückgeht, so Müller.

"Erfreut" und selbstverständlich auch aufgeregt ist Julienne Brembach. Die 19-Jährige hat zwar schon einige Konzerte bestritten, aber auch für sie ist die Carnegie Hall etwas ganz besonderes. "Das Sprungbrett war sicher unser Auftritt in Brüssel", sagt sie. Ob nun der Auftritt in New York ebenfalls ein Sprungbrett wird, könne man aber nicht daraus ableiten. In jedem Fall ist es eine Ehre. Und erfülle auch die Stadt Gera mit Stolz, sagt Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos). Nicht umsonst sei der Konzertchor schon vor einiger Zeit zum "Botschafter der Stadt" ernannt worden. Von ihrer Konzertreise berichten wollen die Chormitglieder regelmäßig und zeitnah auf der Internetseite des Gymnasiums, sagt Rainer Müller . Kurt?Leopold ist nicht auf die digitalen Eindrücke angewiesen. Er reist am Montag zurück in seine Wahlheimat und wird dabei sein, wenn die Geraer in New York auf die Bühne treten. Ist ja schließlich gleich um die Ecke.

Marcel Hilbert / 14.03.15 / OTZ
Bildunterschrift
Konzertchor des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 bei der öffentlichen Generalprobe am 12. März 2015 vor der Abreise nach New York, Auftritt in der Aula des Gymnasiums im Rahmen der Konzertreihe Rutheneum in concert .Foto: Christiane Kneisel