Geraer Konzertchor reist nach New York

Der Konzertchor des Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera reist 2015 zum Choral Festival nach New York und sucht noch finanzielle Unterstützung. Doch noch stehen die Weihnachtskonzerte oben an.


Gera Dem Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum wird im Frühjahr kommenden Jahres eine riesige Ehre zuteil und zugleich steht ihm die größte Herausforderung in seiner Geschichte bevor. Neben weiteren drei Chören aus Japan und Amerika sind die Geraer im März zum Choral Festival nach New York eingeladen und werden in der Carnegie Hall, dem traditionsreichen Konzerthaus in Manhattan, singen. "Etwas Größeres und Bedeutenderes gibt es für Chöre nicht", erklärt Rainer Müller , der Leiter der Musikspezialklassen am Goethe-Gymnasium/Rutheneum.

Doch der Auftritt in New York ist noch in die Ferne gerückt, obwohl längst die Vorbereitungen begonnen und vor allem das Reisegeld beschafft werden muss. Vier Lehrer und 56 Chormitglieder fliegen am 14."März nach Amerika - insgesamt kostet das 90"000 Euro. "Wir versuchen die Hälfte über Sponsoren und Spenden einzuwerben und den Eigenanteil für die Schüler vertretbar zu halten", versichert Rainer Müller . Und steht obendrein vor einer weiteren Schwierigkeit: Unter den derzeit 70 Sängerinnen und Sängern, die im Konzertchor sind, muss eine Auswahl getroffen werden. "Wir können leider nicht alle mitnehmen, die Teilnehmerzahl ist begrenzt."

Doch momentan bereiten sich die Chormitglieder intensiv auf die Weihnachtskonzerte vor - das nächste am 14. Dezember in der Johanniskirche ist bereits ausverkauft, doch für das Big-Band Weihnachtskonzert mit dem Konzertchor am 18. Dezember, 19.30 Uhr, im Konzertsaal sind noch Karten an der Theaterkasse erhältlich. Im neuen Jahr warten weitere Kooperationen mit dem Geraer Theater auf die Schüler und parallel laufen die Proben für New York an. "Wir werden die gesamte Leistungsstärke präsentieren und eine Chorliteratur, die neben den Alten Meistern wie Heinrich Schütz über Romantiker auch zeitgenössische Musik wie Hans Schanderls "Traumtänze" abdeckt." Mindestens 20 Minuten muss der Auftritt im Wettbewerb am 17. März dauern, schon tags zuvor sind zwei weitere Auftritte der Geraer Schüler in New York angesetzt.

Im September 1989 wurde am Gymnasium mit zunächst einer Spezialklasse für Musik begonnen. "Aber erst als wir 1994 vierzügig waren, konnte der Konzertchor seine Arbeit aufnehmen", erinnert sich Rainer Müller . Die Leitung des Chores übernahm Christian Frank, 1968 in Gera geboren, später mit Lehrauftrag an der Weimarer Musikhochschule, Bundesjugendchorleiter und selbst als Liedbegleiter, Pianist, Dirigent und als Juror gefragt. Mit eiserner Disziplin, viel Übung und der Christian Franks Erfahrungen entwickelt sich der Konzertchor zu einem der führenden Jugendchöre Deutschlands. Rasch bringen die jungen Sänger von internationalen und nationalen Ausscheiden Gold-, Silbermedaillen und Diplome mit nach Gera, holen Jahr für Jahr die besten Titel, werden 2012 bester europäischer Jugendchor. Noch im selben Jahr werden sie nach Berlin zum Adventskonzert eingeladen, singen vor der Bundesregierung und geladenen Diplomaten. Ihr Können überzeugt die Anwesenden derart, dass sie 2013 erneut zu einem Adventskonzert eingeladen werden - diesmal nach Brüssel vor die Europäische Union. Und wieder können sie mit deutschen Liedern wie "Maria durch ein Dornwald ging" oder "Es ist ein Ros entsprungen", mit englischen, spanischen und französischen Adventsliedern überzeugen - und werden daraufhin nach Amerika gerufen.

Vom Erfolg und der Ausrichtung des Geraer Gymnasiums werden Musik-interessierte Schüler aus ganz Deutschland angezogen. Immerhin legten hier bereits erfolgreiche Musiker den Grundstein für ihre Karriere: Daniel Beilschmidt beispielsweise, 1978 in Zeulenroda geboren, wurde nach dem Abitur am Goethe-Gymnasium/Rutheneum und seinen Studien 2009 in das Amt des Leipziger Universitätsorganisten berufen.

Von den derzeit 620 Schülern des Gymnasiums besuchen 114 die Musik-Spezialklassen. Davon kommen die eine Hälfte aus Gera, die andere aus ganz Deutschland. Um die 60 Prozent von ihnen gehen ihren Weg in der Musik weiter oder studieren Lehramt. Allesamt sind sie gut gewappnet für das weitere Berufsleben, so Rainer Müller , haben gelernt mit Lampenfieber und Leistungsdruck umzugehen. Das wird ihnen auch in Amerika zugutekommen.

Ulrike Kern / 08.12.14 / OTZ
Bildunterschrift
Der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum bei einem Schuljahresabschlusskonzert in der Geraer Salvatorkirche. Dirigiert wird der Chor von Christian Frank, der seit 1994 diese Aufgabe inne hat. Foto: Ralf Runge