Riesenchance für den Goetheschul-Campus in Gera

Schulelternvertreter teilen den Optimismus der Stadtverwaltung. Für Geras Linke sind zu viele Fragen offen


Gera. Der Geraer Stadtrat soll am 20. November einen Grundsatzbeschluss fassen. Der Campus Goethe-Gymnasium Rutheneum seit 1608 soll demnach kommen. Aktuell schätzt die Stadt Gera die Finanzierung von knapp 22 Millionen Euro als realistisch ein. Ein genauer Fertigstellungstermin wird nicht genannt. Die Finanzierungsübersicht endet aber 2018.

Offenbar zweifeln das aber Stadträte an. Diese Woche enthielten sich im Bildungsausschuss Nina Wunderlich und Andreas Schubert (beide Linke) ihrer Stimme. Im Bauausschuss stimmte einer der beiden Vertreter der Linken dagegen, der andere enthielt sich.

Linke Stadträte hegen Skepsis
Andreas Schubert will jetzt ganz genau wissen, "wie begründet die realistische Realisierungschance ist". Er erinnerte, dass die Stadt bis heute nicht in der Lage sei, eine Planung zu beauftragen und befürchtet, dass die Stadträte in drei Jahren wieder knobeln, wie es weiter geht. "Das können wir den Lehrenden und Lernenden nicht zumuten", meinte er.

Yvonne Thielemann, Fachdienstleiterin Stadterneuerung streute Optimismus. Der begründet sich aus neuen Förderprogrammen, wie sie sagte. So habe die Stadt am 22. September 2014 den Campus für die Förderung aus dem Bundesprogramm "nationale Projekte des Städtebaus" des Bundesbauministeriums an das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung eingereicht. Eine 90-prozentige Förderung ist hier in Aussicht gestellt. Die Entscheidung des Fördermittelgebers sei für Ende des Jahres angekündigt. Daneben kündigte das Thüringer Bauministerium gegenüber der Stadt weitere Alternativen an. Zum einen handelt es sich um das neue Programm "ZukunftsSchulen" zum anderen um das Städtebauförderprogramm der neuen Förderperiode von 2014 bis 2020 aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre).

Außerdem gibt es vorsichtige Zusagen des Fördervereins, der Stadt Gera wieder bei den Eigenmitteln unter die Arme zu greifen. Den Architektenwettbewerb hatte der Verein schon möglich gemacht. Nun würde er sich wieder engagieren. Sogar private Investoren hätten signalisiert, sich einzubringen, sagte gestern Schulelternsprecher Andreas Schulze auf OTZ-Anfrage. Er bezeichnete das Förderprogramm des Bundes als "Riesenchance" und hat schon einmal durchgerechnet. Wenn die Zusage zu der 90-prozentigen Förderung käme, würden selbst bei einer Investition von 22 Millionen Euro weniger Kosten auf die Stadt zukommen als die Sanierung des Schulgebäudes am Nicolaiberg verschlungen hätten. Dort waren sechs Millionen im Gespräch. Jetzt wären es nur 2,2 Millionen Euro, so Schulze. "Ich höre nicht auf zu kämpfen und bin zuversichtlich, dass es einen Campus geben wird", sagte er. Er erklärte gestern aber auch: "Wir würden keinen Stadtrat verstehen, der den Grundsatzbeschluss nicht unterstützt".

2015, so die Auskunft aus dem Rathaus, sollen die Arbeiten mit dem komplett geförderten Abriss der Reichsstraße 1a und b begonnen werden. Noch liegt die Fristverlängerung zum Kauf des ehemaligen Reußischen Regierungsgebäudes nicht vor.
Sylvia Eigenrauch OTZ
Bildunterschrift
Im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport am 10. November: die Stadträte Nina Wunderlich, Andreas Schubert und Thomas Weil mit den Fachdienstleitern Yvonne Thielemann und Michael Max (von links). Foto: Sylvia Eigenrauch