Mit Postkarten an Althaus die Musikklassen gerettet

25 Jahre Spezialausbildung am Geraer Goethe-Gymnasium/Rutheneum


VON MATTHIAS BENKENSTEIN
GERA. Wenn es für Rainer Müller eine Gemeinsamkeit zwischen 1989 und 2014 gibt, dann ist es der Mangel an Musiklehrern: Es war kurz vor der Wende, als das Ministerium für Volksbildung den Geraer Musiklehrer Müller damit beauftragte, einen Spezialbereich für Musik im Bezirk Gera aufzubauen. Also machte sich der Mittdreißiger, der bereits in einer Fachkommission für Musik tätig war, mit der damaligen Internatsleiterin auf nach Potsdam, Zwickau oder Wernigerode, wo es schon musikalische Spezialklassen gab. Nach erfolgreicher Hospitation und Bericht an die Volksbildung dauerte es nicht lange, bis Rainer Müller zum Leiter der neuen Einrichtung in Gera wurde.

25 Jahre später blickt der heute 60-Jährige stolz auf eine erfolgreiche Geschichte zurück. An diesem Wochenende wird das Jubiläum der Musikspezialklassen des Geraer Goethe-Gymnasiums/Rutheneums in würdigem Rahmen gefeiert. Höhepunkt ist ein Festkonzert für jedermann am Sonntag, 15.30 Uhr, im Konzertsaal des Theaters Gera. Dabei werden auch viele der eingeladenen Ehemaligen aktiv mitwirken. Eine Besonderheit der Geraer Schule ist, dass das Abitur hier erst in der 13. Klasse abgelegt wird. "Das soll die Schüler entlasten", sagt Rainer Müller. Vorher hätten sie teilweise einen Zwölf-Stunden-Tag gehabt. Heute haben sie ab Klasse 11 neben den üblichen Fächern wie Mathe, Deutsch und Englisch sieben bis zehn Stunden Musik in der Woche - teils in extrakleinen Gruppen oder als Einzelunterricht für Klavier, Gitarre oder Gesang. Der Lehrplan umfasst außerdem Musikgeschichte, Musiktheorie oder Gehörbildung.

Begabte Schüler aus Thüringen und anderen (Bundes-) Ländern werden ab der 9. Klasse in der besonderen Einrichtung aufgenommen. Die Aufnahme wird durch ein Gespräch geregelt Dabei muss der Schüler ein selbstgewähltes Lied Vorsingen und seine theoretischen Kenntnisse unter Beweis stellen. Beendet wird das Aufnahmegespräch durch ein Instrumentalvorspiel. Etwa 500 Schüler haben die Spezialklassen des Goethe- Gymnasiums/Rutheneums bereits absolviert.

In der Anfangszeit, kurz vor der Wende, seien der Schule ihre musikalischen Pennäler noch vorgesetzt worden, erinnert sich Rainer Müller. Doch hätte sich dieses Prinzip durch den Lauf der Geschichte schnell überholt. Brenzlig wurde es ab da nur noch einmal im Schuljahr 1993/94, als die Refinanzierung des Internats durch das Land gefährdet war. "Das hätte auch das Aus für die Spezialklassen bedeutet", sagt, der Leiter. Kulturminister war damals der spätere Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), der bald sehr viel Post aus Gera und Umgebung bekommen sollte. "Schüler, Lehrer und die Bevölkerung schrieben innerhalb von zwei Tagen 1500 Postkarten an Althaus", sagt Müller. Tenor: Die Spezialklassen für Musik sind ein notwendiger Teil der Thüringer Schullandschaft. Gleichzeitig gab es Kundgebungen und Benefizaktionen. Es dauerte nicht lange, bis aus Erfurt Grünes Licht kam. Per Gesetz wurde die Gefahr für die Geraer Einrichtung abgewendet "Wir waren selbst überrascht, dass das plötzlich so schnell ging", erinnert sich Müller.
Bildunterschrift
Die Anfänge vor 25 Jahren. Die Geraer Ausbildung dient dazu, musisch begabten Schülern eine intensive Betreuung auf den verschiedensten Gebieten der Musik zu geben. Foto: Goethe-Gymnasium/Rutheneum