Was wird aus dem Campus?

Gera hat noch 12 Wochen Zeit für Finanzierungskonzept für Goetheschul-Campus


Gera. Der Musik-Campus zwischen Johannisplatz und Reichsstraße ist jenes der zehn Geraer Projekte für die Internationale Bauausstellung Thüringen 2023 (IBA), für das die meiste Vorarbeit geleistet wurde.

Die Idee von der vereinten Schule inmitten der Stadt gibt es seit 2009. Mit dem Architektenwettbewerb von 2011 hat der Baukörper, der sich an das alte Regierungsgebäude anschließen soll, auch schon eine Form. Ungeklärt ist aber noch immer die Finanzierung. Steht ein umsetzungsfähiges Finanzierungskonzept bis zum 11. November 2014 nicht, fällt die Immobilie zurück an das Land Thüringen.

Eine Fristverlängerung der 2009 angelaufenen dreijährigen Frist um weitere zwei Jahre hatte das Thüringer Liegenschaftsmanagement im Auftrag des Freistaates mit Schreiben vom 26. Januar 2011 der Stadt gewährt. Der Stadtrat beschloss auf dieser Grundlage am 26. Mai 2011 die siebente Ergänzung des Beschlusses zum Schulnetz- und Schulsanierungsplan: "Der Beschluss wird ungültig, wenn die Fördermittel ... nicht bis zum Ablauf des 11. November 2014 bereitgestellt werden".

Beim OB-Treffpunkt zum Projekt Campus am 10. September 2013 bekannte sich Viola Hahn (parteilos) unüberhörbar zu diesem Großprojekt. Dennoch bekam sie die Ungeduld der Eltern zu spüren, die heute nicht viel mehr wissen.

Inzwischen wurde das Haushaltssicherungskonzept bis 2023 beschlossen, das der Stadt Investitionen untersagt. Der im April für 2014 beschlossene aber noch nicht genehmigte Stadthaushalt verbietet die Beauftragung von Planungsleistungen. "Doch ohne sie gibt es keine gesicherte Basis für ein Finanzierungskonzept", sagt Baudezernent Ramon Miller (SPD).

Deshalb beschränkt sich die Stadt auf das, was sie tun kann - ohne Geld. So ist der Campus neben der Ostschule eines von zwei Leitprojekten im Schulbereich innerhalb des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2030 (Isek). Auch die Bewerbung als IBA-Projekt ist ein Ringen um Aufmerksamkeit. Ein Hilferuf. "Es ist unsere Chance, ein Signal an das Land zu senden", sagt Ramon Miller, der sich von dort Geld erhofft. Auf insgesamt 22 Millionen Euro schätzt er die Kosten, die für die Sanierung des Reussischen Regierungsgebäudes von 1722 und für den benachbarten Schulneubau, einschließlich Turnhalle, benötigt werden. Zugesagt sind der GWB Elstertal die komplette Förderung des Abrisses des Mittelganghauses an der Reichsstraße, das noch dieses Jahr fallen könnte. Im Moment werde geprüft, ob auf dem frei werdenden Baufeld der Neubau der Turnhalle vorgezogen werden könne. "Aber auch das entscheidet sich damit, ob das Gesamtvorhaben finanzierbar ist", beschreibt Ramon Miller das Treten auf der Stelle.

Bislang sind für den künftigen Campus 160 000 Euro für den Architekten-Wettbewerb geflossen. Dieses Geld hatte der Förderverein aufgebracht. Weitere 30 000 Euro für Gutachten und Projektbegleitung entstammen der Stadtkasse.

Das Außergewöhnliche, das das Vorhaben zum IBA-Projekt qualifizieren könnte, sehen Schule, Förderverein und Stadt in vier Punkten. Zum einen ist es die Art der Entstehung der Idee mit dem Einwohnerantrag von 2009, zum anderen die Musikspezialklassen, die ein Alleinstellungsmerkmal in Thüringen darstellen und für Internationalität sorgen, außerdem die gut ausgebildeten Absolventen, die für die Stadt und ihre 406-jährige Schule stehen und baulich die Offenheit hin zur Stadt.

Aktuell zählt das Gymnasium 589 Schüler. Von den 108 Schülern der Thüringer Musikspezialklassen sind 57 als Gastschüler in Gera angemeldet.
Bildunterschrift
Baudezernent und Campusbeauftragter Ramon Miller stellt das Konzept zum IBA Projekt Musik-Campus vor. Eingereicht wurde es von der Stadt Gera. Foto: Sylvia Eigenrauch