Ferien zwischen Schimmel und Staub in Gera

Lehrer des Goethegymnasiums streichen ihr renovierungsbedürftiges Schulgebäude während der Sommerferien.


Gera. Risse ziehen sich durch Wände, Farbe blättert von den Fenstern, Schimmel vermehrt sich im Schulgebäude. Wenn man über den Fußboden läuft, knarrt das Parkett. "Seit mehr als 23 Jahren ist hier nichts gemacht wurden", erklärt Französischlehrer Guntram Wothly.

Unmut über den Zustand der Schule

Dabei sollte das Goethegymnasium in Gera einmal eine der modernsten Schulen Mitteldeutschlands werden. Der Architekturentwurf steht fertig im Eingangsbereich - neben Farbtöpfen, Fenstern und Aluminiumleitern. Passiert ist seit dem wenig. Aufgrund der klammen Kasse der Stadt gibt es kein Geld. Nun entschlossen sich die Lehrer auf einer Initiative von Spanischkollegin Andrea Schiffforst, die Renovierung selbst in die Hand zu nehmen. Innerhalb der sechs Wochen Ferien verzichten die Lehrer auf ihren Urlaub und verbringen den Sommer stattdessen mit Pinseln in der Schule. "In Jena ist jede Schule renoviert", beklagt Guntram Wothly . "Eigentlich ist es Aufgabe der Stadt. Aber in diesem Zustand wollen wir einfach nicht mehr unterrichten." Not macht erfinderisch - Idealismus auch. An kreativen Ideen mangele es nicht, sagt Wothly. Nur die Umsetzung sei ein finanzielles Problem. "In einigen Räumen haben sich auch Eltern engagiert, damit wir Wände streichen können", sagt Wothly. Bei dem Ferienprojekt packe sogar der Hausmeister ehrenamtlich mit an.

Neue Farbe und kleine Reparaturen

Doch nicht nur im Goethegymnasium, auch an anderen Geraer Schulen herrscht Renovierungsbedarf. In zahlreichen Einrichtungen der Stadt werden die Sommerferien für Reparaturen und Instandsetzungen genutzt - nur dass sie nicht in Eigenregie wie im Goethegymnasium umgesetzt werden. Der OTZ liegt eine Liste der geplanten Maßnahmen der Stadtverwaltung vor. In der Musikschule beispielsweise werden der Putz und die Beschichtung am Balkon und im ersten Obergeschoss erneuert, ebenso wie das Geländer der Treppe. Außerdem stehen Klempnerarbeiten an, heißt es. Malerarbeiten im Eingangsbereich werden in der Staatlichen Berufsbildenden Schule Gesundheit/Soziales umgesetzt. Das Lehrerzimmer bekommt einen neuen Fußbodenbelag. Eine Entwässerungsrinne am Schulhof ist ebenso reparaturbedürftig.Im Haus eins der Staatlichen Berufsbildenden Schule Gewerbe werden in der Ferienzeit Sicherheitsmängel am Gebäude beseitigt. An der Regelschule vier in der Rudolstädter Straße sind Reparaturen im Außenbereich geplant. In der Hans-Christian-Andersen-Grundschule werden Malerarbeiten im Flur im ersten Obergeschoss erledigt. Zudem wird der Zaun zum Nachbargrundstück erneuert. Um die Erfüllung von Sicherheitsauflagen ist man in der Otto-Dix-Regelschule bemüht. Hier wird zudem die Eingangstür repariert und die Erfüllung von Sicherheitsauflagen umgesetzt. Der Prallschutz der Turnhalle wird zudem in der Grundschule am Bieblacher Hang erneuert. Auch stehen Instandhaltungsarbeiten auf dem Spielplatz an. Im Staatlichen Regionalen Förderzentrum Am Brahmetal sind der Einbau einer neuen Außentür sowie Mauer- und Putzarbeiten vorgesehen. Eine Akustikdecke im Raum 303 steht auf dem Plan für die Debschwitzer Regelschule. Eine Rampe für Rollstuhlfahrer entsteht in der Regelschule in der Erich-Mühsam-Straße. Sarah Gerlach / 30.07.2014/OTZ
Bildunterschrift
So verbringen Lehrer ihre Ferien: von links: Guntram Wothly, Heidi Garbe, Sybille Thomae und Petra Lange streichen ihr renovierungsbedürftiges Gymnasium. Dafür nutzen sie ihren Urlaub.Foto: Sarah Gerlach