Hoffnungszeichen in Weida: Schüler treffen Sakulowski

Geraer Schüler treffen den Weidaer Künstler Horst Sakulowski in seiner aktuellen Ausstellung in der Geraer Bank.

Gera. "Wenn was schief geht, sollte man sich an den Dingen orientieren, die gelungen sind." Diese Lebensmaxime erzählte der Weidaer Horst Sakulowski gestern Schülern der Klasse 11 M des Goethegymnasium/Rutheneum vor seinen Bildern. Dabei dachte der Künstler auch an den stotternden Pkw am Morgen und den plötzlich abgebrochenen Zahn. Aber eben auch an die von Menschen gemachte Geschichte, die er in seinen Bildern komprimiert und so sein Weltbild aufbaut. Sein "Christophorus", 1987 in Öl auf Hartfaser entstanden, ist ein Beweis seiner Haltung. "Es ist ein Bild der Toleranz, meine Stellungnahme", sagt der 70-Jährige, der die aktuelle Ausstellung in der Geraer Bank als ein Geburtstagsgeschenk versteht. Nicht wie der Dixsche trägt sein Christophorus ein blond gelocktes Kindlein auf der Schulter. Bei ihm schleppt ein politischer Häftling Christus mit letzter Kraft vor sich her. Die Arbeit steht für den antifaschistischen Widerstandskampf der Kirche. Sie steht aber auch dafür, dass Christentum und Kommunismus gleiche Ideale verfolgen, sie steht für das Grundprinzip Hoffnung. Denn ob die Beiden auf dem beschwerlichen Weg ankommen werden, ist nicht klar. Mit "Rettung" und "Menschlichkeit" beschreiben Schüler, was sie in dem Gemälde sehen. Das auf den Christuskörper fokussierte Licht verstehen sie als Zeichen der "Zuversicht". Das Überwinden der Vergangenheit und der Weg in eine verheißungsvolle Zukunft sprechen auch aus dem ebenfalls von der Kunstsammlung Gera zur Verfügung gestellten Gemälde, das vor dem Hintergrund des Bauernkrieges eine Frau mit ungeborenem Kind zeigt. Felix Zöltsch ist von der zupackenden Hand fasziniert, die für ihn "Entschossenheit" bedeutet. Auch im Gesichtsausdruck und dem Farbverlauf lesen die Schüler der Musikspezialklassen "Hoffnung". "Es ist eine Frage des Hinsehens", sagt Sakulowski. Die wenigsten Schüler kennen den Mann, der in den letzten Jahren in Grafiken den Schrei klassifiziert hat. Jonna-Sophie Naujoks ist seinen Arbeiten schon in einer Saalfelder Ausstellung begegnet. In jener Stadt, in der ihre Großeltern wohnen und der Künstler geboren wurde. "Aber die Gemälde habe ich noch nicht gesehen", erzählt die 16-Jährige neugierig. "Es ist jetzt nicht das, was mich besonders ansprechen würde", meint Melissa Heimowski. "Einiges ist eher abschreckend, da ist so viel Tod", meint die 17-Jährige. "Aber es ist wichtig, dass Künstler sich auch damit beschäftigen", sagt Johanna Orlamünder, die sich in Klasse 12 möglicherweise wieder für Kunst entscheidet. So genau weiß sie es noch nicht. Jetzt in der 11. Klasse können die Musikspezialschüler das Fach nicht belegen. Dass sie dennoch die Begegnung mit Kunst erleben, ist ihrem Klassen- und Deutschlehrer Frank Lohse zu verdanken, der mit Horst Sakulowski befreundet ist. Lohse stellt seinen Freund aber nicht unerreichbar auf einen Sockel.

Nach Ausstellungen in Saalfeld, Greiz, Weida, Töppeln und jetzt in Gera bereitet der Weidaer gegenwärtig eine Exposition in Leipzig vor, die Ende Januar starten soll. Und zu seinem 75. Geburtstag hat er jetzt schon einen Ausstellungstermin in Bad Frankenhausen sicher, wo sich sein Lehrer Werner Tübke mit dem Bauernkriegspanorama verewigte."Gera non finito" ist bis 17. Januar in der Geraer Bank, Leipziger Straße 41, zu den Geschäftszeiten zu sehen.
Bildunterschrift
Horst Sakulowski mit Schülern der Musikspezialklassen des Goethegymnasiums Gera bei einem Rundgang durch seine Ausstellung "Gera non finitio" in den Räumen der Geraer Bank eG. Im Hintergrund Foto: Sylvia Eigenrauch