Campus für Goethe-Gymnasium jetzt für 2017 angepeilt

Trotz Investitionssperre sollen Fördermittel und Bedarfszuweisungen den Bau zwischen Johannisplatz und Stadtgraben ermöglichen. Gespräche zur Förderung noch im November. Kosten auf 20 Millionen Euro geschätzt.

Gera. Obwohl Gera bis 2023 keine Investitionen stemmen kann, sind sich Campus-Beauftragter und Baudezernent Ramon Miller (SPD) und Sozialdezernentin Sandra Schöneich (parteilos) einig, dass der Campus Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 in den Jahren 2015 bis 2017 gebaut werden könnte. Gegenwärtig schätzt man die Kosten auf 20 Millionen Euro. Davon sollen sechs Teilprojekte realisiert werden, die am Dienstag im Bildungsausschuss des Stadtrates benannt wurden. Dazu gehören der Neubau, dessen Form im Architektenwettbewerb im Vorjahr bestimmt wurde. Außerdem die Sanierung des denkmalgeschützten Regierungsgebäudes, der Abriss des Blocks Reichsstraße 1a und b, der Erwerb des dort frei werdenden Grundstückes von der GWB Elstertal, die Freiflächengestaltung und die Schulausstattung. Eine Turnhalle ist derzeit nicht vorgesehen, erfuhr Ausschusschef Thomas Weil (SPD) auf Nachfrage und nannte dies "ein starkes Stück". Bis zum 11. November 2014, so bekräftigte Miller, solle wie 2009 beschlossen ein umsetzungsfähiges Finanzierungskonzept vorgelegt werden. Dazu solle es noch diesen Monat ein Gespräch im Thüringer Bauministerium geben. Dabei wolle man beraten, wie sich die Förderung für das Vorhaben gestalten kann. Von Vorteil solle dabei die Aufteilung in mehrere Teilprojekte sein. Am Ende solle der Eigenanteil der Stadt nicht größer sein als im ursprünglichen Schulentwicklungsprogramm von 2007 für die Sanierung des Schulhauses am Nicolaiberg vorgesehen. Das wären sechs Millionen Euro. Mit Skepsis hinterfragte Stadtrat Andreas Schubert (Linke) die Finanzierung. Immerhin bleiben geschätzte 14 Millionen Euro, die aus anderen Quellen aufzubringen sind und dürfe die Stadt in den nächsten Jahren keine Kredite aufnehmen. "Wir dürfen über Einzelinvestitionen reden", sagte Sandra Schöneich. Wäre der Nachtragshaushalt am Montag beschlossen worden, wären die 4,5 Millionen Euro Kreditlinie für Schulbauten zu Lasten des Kassenkredits auf der Grundlage von Verpflichtungsermächtigungen in Fortführungsarbeiten an Geras Schulen 2014 geflossen. Weil die Maßnahmen gestreckt werden mussten, stehen noch Arbeiten am sanierungsbedürftigen Nebengebäude der Berufsschule Technik, an der Integrierten Gesamtschule und an der Astrid-Lindgren-Grundschule aus. Diese Verfahrensweise wäre auch für den Campus möglich, sagte sie, obendrein rechne die Stadt mit Bedarfszuweisungen vom Land. Dass der Freistaat zum Campus steht, davon ist der Baudezernent überzeugt. "Er war als Fördermittelgeber für den Architektenwettbewerb im Boot", argumentierte er. Auch die ursprünglich in den Kunsthausankauf geflossenen Fördermittel von 1,5 Millionen Euro sind für den Campus eingeplant. Grundsätzlich geht der Baudezernent von einem Förderanteil von zwei Dritteln aus. Gar 75 bis 80 Prozent seien aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) möglich. Erste Zusagen gibt es schon. So könne der Abriss sogar voll gefördert werden und liege eine Fördermittelzusage über vier Millionen Euro vor. Das sind Städtebaumittel aus dem Bund-Länder-Programm zur Innenstadtentwicklung, erläuterte Fachdienstleiterin Stadterneuerung, Yvonne Thielemann. Denn die Kombination von denkmalgerechter Sanierung und Neubau sei ein wichtiges Städtebauprojekt. "Ich will, dass wir heute sagen können, dass der Campus weiter lebt", erklärte Stadtrat Andreas Kinder und sagte über die Ablehnung von Nachtragshaushalt und Sparpaket am Montag: "Es ist Wahnsinn, was da passiert ist". Die angesprochene Stadtratssitzung habe die Diskussion um den Campus nicht erleichtert, so Miller: "Aber ich sehe keine Notwendigkeit, die Gespräche abzubrechen", sagte er.
Bildunterschrift (oben)
Für den Campus Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 in Gera soll das ehemals reußische Regierungsgebäude (rechts) saniert und mit einem Neubau auf der Abrissfläche des jetzigen Wohnblocks (links) Reichsstraße 1a und b ergänzt werden. Neues Fertigstellungsziel ist nun 2017. Foto: Sylvia Eigenrauch
Bildunterschrift (unten)
Campus Goethegymnasium/Rutheneum in Gera: Neues Fertigstellungszeil ist nun 2017. Foto: Sylvia Eigenrauch