Klares Bekenntnis in Gera zu Campus und Zeitplan

Reges Interesse am OB-Treffpunkt zum Projekt "Campus Rutheneum". Weitere Gesprächsrunde am Freitag in einer Woche.

Gera. Ein "klares Bekenntnis" der Oberbürgermeisterin zum Großprojekt "Campus Rutheneum" in der Geraer Innenstadt, gerade vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Lage der Stadt: Das war es offensichtlich, was viele der Gäste beim "OB-Treffpunkt" am Dienstagabend zu den Campus-Plänen für das Goethe-Gymnasium/Ru­theneum seit 1608 im Rathaussaal hören wollten. Und sie bekamen es von Viola Hahn (parteilos) zu hören, auf Nachfrage auch ein zweites Mal.

Die vielen Zuhörer erfuhren außerdem, dass für die OB der Stichtag 11. November 2014, an dem die Finanzierung für das Projekt laut eines einstimmigen Stadtratsbeschlusses von 2009 vorliegen muss, alternativlos ist. Schulleiter Joachim Hensel wollte wissen, was ist, wenn es nicht bis dahin klappt. Viola Hahn meinte, es müsse klappen. Auch als Schulelternsprecher Andreas Schulze anmerkte, dass Probleme auch 2014 auftreten könnten und er "unruhig" werde, da es keinen Plan B gebe, hielt Hahn an ihrem "sportlichen Ziel" fest. Sie wolle die Frist nicht vorzeitig verlängern, um nicht den Druck aus der Angelegenheit zu nehmen.

Die Gretchenfrage aber war: "Wo bekommt die Stadt das Geld her?" Aus dem städtischen Haushalt jedenfalls nicht, bemerkte die Oberbürgermeisterin. Die einzige Möglichkeit sei, über verschiedene Teilförderungen ein Förderprojekt zu schaffen, sagte Baudezernent Ramon Miller (SPD). Sozusagen ein Mix aus europäischen, aus Bundes- und Landes-Mitteln, aus zinslosen Darlehen, aber für den Eigenanteil wohl auch aus Krediten. Viola Hahn gehe davon aus, dass der Stadtrat diese Kredite bewilligt. "Oder sehen Sie das anders?", fragte sie in die Runde, in der auch einige Stadträte Platz genommen hatten. "Ja", lautete es aus Richtung des Linken-Stadtrates Günter Domkowsky. Er persönlich, wenn auch nicht generell gegen das Projekt, sei wenig optimistisch, was die Finanzierung anbetrifft.

Angesprochen auf den "desaströsen" baulichen Zustand am Gymnasiumstandort Nicolaiberg , sagte Hahn, dass für die Übergangszeit Brandschutzmaßnahmen und eine Dachsanierung dort bereits in Auftrag gegeben wurden. Laut Schulleiter Hensel sollte das bereits zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 passieren, geschehen sei aber nichts. Das, antwortete Baudezernent Miller, habe mit dem diesjährigen Haushalt zu tun. Im Herbst 2013, so Miller, werden die Arbeiten stattfinden.

Um ein Zeichen zu setzen, dass es vorwärts geht mit dem Campus Rutheneum schlug Michael Uhlig, Vorsitzender des Fördervereins des Goethe-Gymnasiums, vor, bereits jetzt mit dem Leerzug des Plattenbaus an der Reichsstraße zu beginnen. Zumal kurz zuvor Viola Hahn für den Abriss des Baus eine 100-prozentige Förderung ansprach. Unter dem Verweis, dass das ganze finanzierungsabhängig sei, dass hier noch Einnahmen erzielt würden, und dass die GWB "Elstertal" ohnehin nicht länger als ein Jahr brauche, um den Block leer zu bekommen, wurde der Vorschlag aber abgebügelt. Ebenso wie der, mit dem Alten Stadtschloss zu beginnen. "Ich fange dort an, wo ich als erstes Geld bekomme", sagte Viola Hahn , die bereits vor der Fragerunde bemerkte: "Ich kann die Ungeduld verstehen, sie sind jahrelang hingehalten worden."

Michael Uhlig äußerte schließlich noch seine Bedenken, dass die Denkmalschützer dem Projekt Probleme bereiten könnten. "Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ist hier zwingend zu beteiligen", sagte Ramon Miller, der dahingehend ebenfalls einen mühsamen Prozess erwartet. Allerdings, so wurde deutlich, werde der Denkmalstatus auch als Chance begriffen. Etwa, um hier die Reußen-Särge wieder öffentlich zugänglich zu machen oder auch, um wieder ein Denkmal für den Schulstifter Heinrich Posthumus Reuß zu errichten. Man müsse alles probieren, so Oberbürgermeisterin Viola Hahn . Sie werde weiter mit aller Kraft versuchen, bei der Landesregierung die nötigen Zusagen für das Projekt zu bekommen, habe Anfang Oktober den nächsten Termin dazu in Erfurt.

Am 20. September, dem Freitag in einer Woche, soll es um 17 Uhr eine Kundgebung der Campus-Befürworter vom Johannisplatz zum Hofgut geben, wo dann ein weiteres Campus-Gespräch stattfinden soll.

Marcel Hilbert / 12.09.13 / OTZ
Bildunterschrift
Joachim Hensel, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608, nutzt die Fragerunde zum OB-Treffpunkt. Foto: Marcel Hilbert