Goethe-Gymnasium in Gera macht Druck wegen Campus-Plänen

OB hat Gespräche zur Finanzierung in Erfurt geführt.

Gera. Schulförderverein, Elternvertretung, Schülervertretung, Schulleitung und Personalrat des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 in Gera wollen wissen, wie es weitergeht mit den Plänen für einen Campus Rutheneum in der Innenstadt von Gera. Zum "15. Jahrestag" des bürgerschaftlichen Engagements für den Campus Rutheneum fragt die Schule nun mit einem offenen Brief an die Oberbürgermeisterin und die Geraer Stadträte nach, "wie sich die Verantwortungsträger in unserer Stadt die bauliche Zukunft und damit die weitere Existenz des traditionsreichen, weit über die Stadt- und Landgrenzen hinaus ausstrahlenden Gymnasiums vorstellen".

Die Schreiber des offenen Briefes erinnern daran, dass der erste Einwohnerantrag Thüringens den Geraer Stadtrat im Jahr 2009 zu einem klaren Bekenntnis für den Campus gezwungen hatte. In Erinnerung rufen sie die Spendenaktion des Schulfördervereins, die den Eigenanteil der Stadt Gera zur Finanzierung des Architekturwettbewerbs für den Campus gesichert hatte. Und sie erinnern daran, dass die Bauarbeiten für den Brandschutz und zur Sicherung des Daches am Schulstandort Nicolaiberg nie durchgeführt wurden, die für Dezember 2012 fest eingeplant waren, weshalb die sichere Beschulung am Nicolaiberg unter den gegebenen baulichen Zuständen nicht mehr lange möglich sei. Die Unterzeichner des offenen Briefes fragen, was getan wird, um die Beschulung für eine Übergangszeit am Nicolaiberg abzusichern. Sie wollen wissen, was mit den über 600 Schülern von Geras größtem Gymnasium wird, wenn der Campus nicht in kürzester Zeit gebaut wird. Sie fragen, wie die Stadt mit den Spezialklassen für Musik umgehen will und wann der Missstand "Altes Stadtschloss" beseitigt wird. Um ihren Fragen Nachdruck zu verleihen, laden sie für den 20. September, um 18.30 Uhr, zu einem Campusempfang im Hofgut ein, um mit den politisch Verantwortlichen in Gera ins Gespräch zu kommen.

Am Montag hatte Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) die Finanzierung für den Campus Rutheneum in Erfurt mit Prof. Olaf Langlotz, Abteilungsleiter Städte- und Wohnungsbau, Raumordnung und Landesplanung im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, erörtert. Im Vorfeld des Gespräches, das langfristig vereinbart worden sei und an dem auch Geras Baudezernent und Campusbeauftragter Ramon Miller (SPD), Martina Schramm, Geschäftsführerin der GWB "Elstertal", und Yvonne Thielemann, Fachdienstleiterin Stadterneuerung, teilnahmen, seien in der Stadtverwaltung verschiedene Varianten zur Umsetzung dieses Schulbauvorhabens diskutiert worden.

Aktuelle Beschlusslage ist, dass die Finanzierung für den Campus bis zum Herbst 2014 stehen muss. Wenn bis zum 11. November 2014 die Fördermittel nicht bereitgestellt werden, wird der Beschluss zur Errichtung des Schulcampus unwirksam. "Die Herstellung zeitgemäßer Lern- und Lehrbedingungen an unseren Schulen bleibt eine Herausforderung von höchster Priorität. Darüber hinaus ist der Campus aus zwei Gründen wichtig: städtebaulich, weil mit der Sanierung des ehemaligen reußischen Regierungsgebäudes das Stadtbild an Attraktivität gewinnt. Und funktional, um den Lehrbetrieb an dem gegenwärtig auf zwei Standorte aufgesplitteten Gymnasium zu optimieren", erklärte OB Hahn.

Erörtert wurde mit Langlotz ein Modell der Darlehens- und Zuschussfinanzierung zur Errichtung des Schulcampus, wobei für einzelne Bausteine der Gesamtinvestition unterschiedliche Finanzierungsquellen angezapft werden sollen. "Damit wollen wir trotz der angespannten Haushaltssituation das Projekt weiter vorantreiben", betonte Hahn. Für Anfang Oktober sei die nächste Gesprächsrunde mit Langlotz vereinbart. Die Planungen für den Campus Rutheneum werde in diesem Jahr fortgesetzt und solle 2014 das ausschreibungsreife Stadium erreicht haben, informierte Baudezernent Miller.

Angelika Munteanu / 04.09.13 / OTZ
Bildunterschrift
Künftiger Campus Goethe-Gymnasium Rutheneum Gera mit Schulgebäude und ehemaligem reußischen Regierungsgebäude.
Foto: Angelika Munteanu