Zum letzten Mal im großen Chor in Gera

Für Johanna Korell aus Hainichen und Elisa Steingrüber aus Reichenbach geht die Zeit am Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera dem Ende zu.

Schkölen. Harmonielehre, Gehörbildung, Klavierunterricht - fast fünf Jahre lang haben sich Johanna Korell aus Hainchen und Elisa Steingrüber aus Reichenbach in den vergangenen Jahren intensiv mit Musik beschäftigt. Wenn am Dienstag, 16."April, der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum in der Barockkirche Schkölen auftritt, werden die beiden jungen Sängerinnen aus der Region allerdings das letzte Mal dabei sein. Wie zwei weitere 13-Klässler aus dem Saale-Holzland-Kreis, die ebenfalls die Spezialklasse für Musik der Geraer Schule besucht haben, werden sie dieses Jahr ihr Abitur ablegen und scheiden deshalb nach dem Auftritt aus dem Chor aus. "Es soll noch einmal etwas ­Besonderes werden", sagt Elisa Steingrüber. Denn nach den zahlreichen Auftritten, die den Chor bis nach Italien und Ungarn führten, sei es schon außergewöhnlich, vor Nachbarn, Verwandten und anderen Leuten aus der Heimatregion zu singen. "Viele wissen ja gar nicht, dass es diesen Chor überhaupt gibt und haben sich ­gewundert, wo wir immer ­waren." Manche Bekannte der Familie hätten sie seit Jahren nicht gesehen. Zum Beginn des Schuljahres 2008/09 waren Elisa Stein­grüber und Johanna Korell an das Rutheneum gewechselt. "Ich bin zuvor an das Gym­nasium in Eisenberg gegangen", berichtet Johanna Korell. "Allerdings habe ich auch schon seit dem sechsten Lebensjahr die Musikschule besucht." Unter anderem erlernte sie das Vio­linen-, Akkordeon- und Klavierspiel. "Nach der achten Klasse wollte ich dann in eine andere Stadt und neue Leute kennenlernen", erklärt sie ihren Wechsel nach Gera. Auch für Elisa Steingrüber begann die Musiklaufbahn schon im Kindesalter. "Mein Vati ist Mitglied im Männerchor Reichenbach und hat schon immer auch mit mir gesungen." Später spielte sie Keyboard und nahm Gesangsunterricht. Die Entscheidung für die Musikklasse am Rutheneum fiel auf Grund von "Entzugserscheinungen". An ihrer Schule in Hermsdorf habe ein halbes Jahr lang das Fach Musik nicht auf dem Lehrplan gestanden. Für die beiden jungen Frauen war die Zeit in der Musikklasse eine wichtige Erfahrung. "Wir haben viel erlebt und waren mit anderen zusammen, die sich ebenfalls für Musik interessieren", so Elisa Steingrüber. Ins­besondere die Auseinandersetzung mit klassischen Werken habe zu einem viel ausgeprägteren Verständnis für die Kompositionen geführt. "Wir haben aber natürlich auch andere ­Musik gehört", betont die Reichenbacherin. Eine zentrale Rolle spielte immer der Gesang. "Wenn man selbst singt, werden die Emotionen viel deutlicher spürbar, die in einem Stück stecken", meint Johanna Korell. Das bedeute auch, sich immer wieder auf die neuen Stücke einzulassen und sich ihre Grundstimmung zu erarbeiten. "Das ist oft ein langer Prozess, der auch mit Krisen einhergeht - aber das Ergebnis ist immer ein Geschenk", so die Sängerin. Vor allem aber mache das Singen viel Spaß. "Gerade auch, wenn man sich im Chor mit 70 anderen zusammen darauf einlässt." Zum Konzert in Schkölen wird viel klassische, aber auch moderne Chormusik zu hören sein. Auf dem Programm stehen unter anderem Stücke von Johann Hermann Schein und Benjamin Britten. "Es umfasst also die musikalische Entwicklung von der Renaissance bis zur ­Moderne", erklärt Elisa Steingrüber. Hinzu kommen beispielsweise die "Traumtänze" von Hans Schanderl. "Das ist ein sehr rhythmisches Stück, zu dem wir auch eine Choreo­graphie erarbeitet haben." Zudem gibt es Orgel-Zwischenspiele und Moderationen. Nach dem Auftritt in der Barockkirche haben die 13-Klässler des Rutheneums noch zwei Wochen Schule, denen eine kurze Abschlussfahrt nach Leipzig folgt. Dann stehen die Abiturprüfungen an. "Die Besonderheit ist, dass bei uns unter anderem auch die Musikgeschichte und das instrumentale Können dazu gehören", sagt Johanna Korell, die ab Herbst Zahnmedizin studieren will. Elisa Steingrüber strebt den Beruf der Grundschullehrerin an. "Musik soll für uns ein schönes Hobby bleiben und kein bloßer Konkurrenzkampf", erklärt sie dazu. Das Konzert mit dem Konzertchor des Rutheneums am Dienstag in der Barockkirche in Schkölen beginnt 18.30 Uhr.
Oliver Will, OTZ
Bildunterschrift
Johanna Korell aus Hainchen (links) und Elisa Steingrüber aus Reichenbach singen im Konzertchor des Rutheneums Gera. Am 16. April werden sie in der Barockkirche in Schkölen mit ihm auftreten. Foto: Oliver Will