Mit anderen Augen

Zwei Schüler erkunden ihre Heimatstadt: Geschichte und Sehenswürdigkeiten durchstreifen sie mit jugendlicher Frische. Dabei entsteht in Zusammenarbeit von Jugendredaktion des Offenen Kanals mit einer Produktionsfirma ein Film.

Von Katja Schmidtke
Gera. Dass Gera einmal Textilstadt war, Maschinenbaustadt, Bergbaustadt und dereinst zu den reichsten Städten in Deutschland gehörte, das ist für Sophie und Konstantin nur Geschichte. Doch gerade weil sie das nicht kennen, was die Geraer einst zu stolzen Bürgern machte und dessen Fehlen heute zu Arbeitslosigkeit und Frustration führt, haben sie einen unverblümten und leichten Blick auf ihre Heimat. Einen Liebesbeweis auf DVD nannte auch Joachim Hensel, Schulleiter der beiden Goethegymnasiasten, den in diesem Sommer entstandenen Film. "Unser Gera - Schüler erkunden ihre Stadt" ist ein 30-minütiges Porträt, das erstmals am Mittwochabend in der Aula des Goethegymnasiums gezeigt wurde. Erhältlich ist die DVD ab sofort, unter anderem im Stadtmuseum und in der Touristinformation im H35. Die Idee stammt von Karl Bornschein, seit fünf Jahren Leiter der Jugendredaktion im Offenen Kanal Gera. Seitdem schwebe ihm das Thema vor. Angepackt und wegen des Aufwands wieder fallengelassen hat es die Jugendredaktion des Geraer Bürgerfernsehens im vergangenen Jahr. "Mit Drehbuch, Kamera und allem Drum und Dran hat es uns dann doch überfordert", räumt Bornschein ein. Mit Chris Böhme, Inhaber einer Videoproduktionsfirma,holte man sich einen Profi ins Boot. Inhaltlich stand den Filmemachern Stadtarchivar Klaus Brodale zur Seite. Denn nicht nur Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten werden vorgestellt, es geht auch auf einen kurzen Streifzug durch die Geschichte. Von der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt bis zur Bundesgartenschau. Wunderbar komisch sind vor allem die Szenen in der historischen Straßenbahn. Gedreht wurde in einer Woche in diesen Sommerferien. Vor der Kamera standen Konstantin Paul und Sophie Wallstabe. "Ich habe sofort Ja gesagt", erinnert sich Konstantin. Warum? Gera sei eben seine Heimatstadt, und sie sei keine so schlechte Stadt, sagt Konstantin und korrigiert sich sogleich: "Gera ist eine schöne Stadt". Das meint auch Karl Bornschein. "Doch was uns den Boden entzogen hat, war der Wegfall der Industrie nach der Wende. Leider wird das auf die Stadt an sich übertragen und Gera als graue Maus dargestellt." Diese Meinung will Bornschein mit dem Film geraderücken. Er selbst sieht sich dabei übrigens auch als Beispiel: Auch er gehörte zu einem der großen Betriebe, war bei der Elektronik tätig, die Liebe zur Stadt ist ihm im Gegensatz zum alten Beruf aber nicht abhanden gekommen. Sich den Einstieg in das spätere Berufsleben durch Filmprojekte wie diese zu vereinfachen, das hofft die 15-jährige Sophie Wallstabe. Sie möchte später als Moderatorin oder Schauspielerin arbeiten und sammelt derweil schon Erfahrungen als Nachrichtensprecherin im Offenen Kanal. Auch sie hat für das Filmprojekt sofort zugesagt, auch sie lebt gern in Gera. "Die Buga ist selbst jetzt im Winter schön. Außerdem haben wir das Theater, die Eislaufbahn, das KuK, ein Kino und Clubs und Bars", zählt die Zehntklässlerin auf. Doch irgendwann, das steht fest, will auch Sophie mal raus. Die Welt erkunden.
Bildunterschrift
Kameramann Chris Böhme, die Darsteller Sophie Wallstabe und Konstantin Paul sowie Initiator Karl Bornschein (von links) stellen die neue Gera-DVD vor. Foto: Katja Schmidtke