Das Gepäck nach oben geschleppt

16 Goethegymnasiasten auf der 16. Tour zur Geraer Hütte in den Alpen.

Innervals/Gera. Lange war sie wieder vorausgeplant: die 16. Tour des Rutheneums zur Geraer Hütte. Sie sollte am zweiten Tag nach Schulbeginn starten. Alle 16 Teilnehmer der Klassenstufen 8 bis 13 sowie ihre fünf Begleiter freuten sich darauf. Da kam am 29. August eine eMail von Hüttenwirt Arthur Lanthaler, dass in der Nacht vom 26. zum 27. August eine Mure bisher nicht da gewesenen Ausmaßes oberhalb der Hütte abgegangen ist und die Talstation der Lastenseilbahn komplett zerstört hat. Was das bedeutet, kann jeder ermessen, der schon einmal auf der Hütte war: die "Nabelschnur" oder die Lebensader der Hütte ist damit gekappt. Arthur Lanthalers Mitteilung an die Gruppe lautete: "Ihr könnt gern kommen. Wir haben noch genug Vorräte, um euch zu versorgen, aber euer Gepäck müsst ihr selbst nach oben tragen. Außerdem hat die Mure eine Brücke zerstört, sodass der Aufstieg verlegt werden muss." Was tun? Die verantwortlichen Organisatoren Matthias Bauer und Kerstin Hensel mussten schnell entscheiden. Telefonrundrufe an die Teilnehmer und deren Eltern ergaben einstimmig: Die Fahrt findet statt. Wir packen die Rucksäcke minimalistisch und damit auch den Aufstieg! Nun hatte das Unternehmen Hüttentour einen zusätzlichen Hauch von Abenteuer bekommen. Selbst die Erfahrenen waren gespannt auf das, was sie erwarten würde. Die Fahrt in den drei Kleinbussen zur Touristenrast in Innervals, dem Ausgangspunkt des Aufstiegs, verlief zügig, das Wetter passte und nun wurden die Wanderstiefel geschnürt und das Gepäck auf den Rücken geladen. Keiner zeigte äußerlich Schwäche und stieg tapfer Höhenmeter um Höhenmeter. Wenn die Moral zu sinken drohte, reichte manch aufmunterndes Wort der Begleiter und auch der Blick hinauf zur rot-weißen Fahne, die anzeigte, dass die Hütte näher kam. Dann aber großes Stutzen derjenigen, die schon auf der Hütte gewesen waren: der Weg führte ja am ersehnten Ziel vorbei, getrennt von ihr durch eine Klamm, und stieg immer höher und höher an. Das versetzte der Moral bei fast allen einen gewaltigen Stoß. Endlich war die endgültige Höhe des Weges erreicht und nun musste nur noch zur Hütte abgestiegen werden. Auch das meisterte die Gruppe bravourös und die Ankunft in der Hütte war eine überaus freudige. Der Stolz auf das Geleistete beflügelte auch die schon traditionellen, aber immer sehr beliebten Unternehmungen der Folgetage: den Weg zum Steinernen Lamm, den Aufstieg zum ehemaligen Molybdänbergwerk und weiter zur Alpeiner Scharte sowie die anspruchsvolle Tour zum Olperer Gletscher. Nicht nur nebenbei bekamen die Geraer Gymnasiasten eine Ahnung davon, was Naturgewalten auslösen können und mit welchem Einsatz und wahrlichem Kampfgeist die Betreiber der Hütte, allen voran Arthur Lanthaler, an die Beseitigung der unmittelbaren Schäden ging, um die weitere Existenz der Geraer Hütte und auch die seiner Familie zu sichern. Dank gilt an dieser Stelle den Hüttenwirten Kathrin und Arthur Lanthaler, die die Gruppe trotz schwindender Vorräte köstlich versorgte, dem Autohaus Scholz AVS und der Lebenshilfe e.V. Gera für die Bereitstellung der Busse zu Son-derkonditionen, Herrn Ralf Goedicke ebenso, der seinen eigenen Kleinbus der Tour zur Verfügung stellte, ihn selbst fuhr und auch ein toller Begleiter auf allen Touren war, dem DAV Sektion Gera für die finanzielle Unterstützung, Andreas Flohr als engagierten, fotografierenden Begleiter und Falk Müller, der als ehemaliger Schüler dieser Tour überaus verbunden ist und dieser wieder als Busfahrer, Begleiter, Musiker seinen Stempel aufdrückte.
Kerstin Hensel
Bildunterschrift
Gymnasiasten des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 am Olperer Gletscher oberhalb der Geraer Hütte. Bei der 16. Tour des Gymnasiums waren 16 Schüler und fünf Begleiter mit auf Achse in die Alpen. Foto: Kerstin Hensel