Radeln für den Campus

300 Teilnehmer beim Fahrrad-Corso dabei - Kein Gehör vorm Rathaus

Von Reinhard Schulze "Mit unserem Fahrrad-Corso machen wir laufstark deutlich: Wir wollen einen Schulcampus Rutheneum am Johannesplatz", so Dr. Joachim Hensel, Schulleiter des Goethegymnasium Rutheneum seit 1608. Gut 300 Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde waren der Einladung des Schulfördervereins "Goethegymnasium/Rutheneum" gefolgt. Gekommen mit ihren Rädern oder zu Fuß wollten sie ihrer Forderung nach dem Schulcampus Ausdruck verleihen. "Wir sind ganz laut mit dabei", so Marie-Rosalie Schöppe. Zur Verstärkung an ihrer Seite Alisa Schilling (5/1) und Lisa Schrodt (5/2). So manche Unbehaglichkeit an der Schulsubstanz kennen sie aus ihrer Grundschule in Aga. Ihr Wechsel zum Goethegymnasium auf den Nicolaiberg, war für sie wie ein Wechsel vom "Regen in die Traufe". "Gekommen sind wir, weil wir uns dafür einsetzen wollen, dass eine neue Schule gebaut wir", meint Marie-Rosalie. "Oft ist es ganz, ganz laut", ergänzt Alisa und nicht, dass sie etwas gegen das Läuten der Kirchglocken hat, aber die seien schon extrem laut und störend beim Lernen. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir hier ganz schlecht lernen können", bringt Lisa ihr Anliegen auf den Punkt. Mit seinem Rad war Jonas Schimmel gekommen. "Ich finde das gut, dass wir uns heute hier getroffen haben. Ich bin für den Campus. Hoffentlich erlebe ich das noch, so lange ich hier am Goethegymnasium bin", meint der Gymnasialschüler aus der 9M (Musikklasse). Es war die Sorge um gute Lernbedingungen für seine Tochter, die Ulrich Kiethe, Elternvertreter der 8/3 zur Teilnahme am Fahrrad-Corso veranlasste. "Ich möchte mit dazu beitragen, dass das Anliegen nach verbesserten Unterrichtsbedingungen, die schon sehr prekär sind, im Bewusstsein bleibt, damit meine Tochter und all die anderen Schüler künftig unter bessere Bedingungen lernen können. Ich unterstütze das Projekt Schulcampus, das nicht nur ein Gewinn für das Gymnasium ist, sondern für die ganze Stadt." "Dem Corso vornweg fährt ein alte Wartburg Cabrio und mit dem Transparent weisen wir darauf hin, worum es uns geht", so der Schulleiter bevor sich der Corso in Bewegung setzte. Der Fahrrad-Corso führte vom Nicolaiberg über die Große- und Kleine Kirschstraße vor das Rutheneum auf dem Johannisplatz weiter über die Burgstraße zum Kornmarkt über den Stadtgraben zurück zur Nicolaikirche. Lautstark sollte so an das Vorhaben Campus für das Goethegymnasium erinnert werden. Deshalb waren auch Trillerpfeifen, Trompeten, und Trommeln wie auch andere lautstarke Argumente ausdrücklich erwünscht. Ob es nun daran lag, dass die Teilnehmer vielleicht doch zu leise waren oder dass Interesse der Stadt am Campus einfach nur zu gering ist, darüber kann sich jeder selbst seine Gedanken machen. Fakt war jedenfalls, dass die Corso-Teilnehmer vor dem Rathaus angekommen, dort kein Gehör fanden. Und auch die ansonsten so aktiven Radfahrer aus der Politik, die für alles möglich in die Pedalen treten, suchte man an diesem Spätnachmittag vergebens. Dennoch kein Grund zur Resignation für Förderverein und Gymnasium. Man sei gewöhnt sich gegen Vorbehalte und Ablehnungen durchzusetzen und hat auf dem Weg zum Schulcampus schon so manchen Stein aus dem Weg geräumt.
Bildunterschrift
"Radeln für den Campus Rutheneum", so das Motto des kürzlichen Fahrrad-Corsos am Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608, an den sich gut 300 Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde des Goethegymnasiums beteiligt hatten. Foto: Schulze