Mit Stimmgabel und Stoppuhr

Während andere ihre Ferien genießen, messen sich die Sänger des Goethegymnasiums Gera in der kommenden Woche bei einem internationalen Chorwettbewerb in Italien

Katja Schmidtke Gera. Während sich am Wochenende die meisten Schüler auf die Ferien einstimmen, heißt es für 50 junge Leute vom Geraer Goethegymnasium: Konzentration, bitte! 50 junge Leute und 18 Mitglieder des Kammerchor-Ensembles Collegium-Rutheneum, darunter auch drei ehemalige Schüler, reisen nach Riva del Garda in Italien. Am Gardasee wird vom 1. bis 5. April das internationale Chortreffen "Concorso Corale Internazionale" ausgetragen. Spitzenchöre aus der ganzen Welt singen dort gegeneinander. "Das ist etwas Großes", sagt Christian Frank, Chorleiter am Rutheneum. Lehrer Ralf Runge scheut den Vergleich zu Olympia nicht. Etwa alle vier Jahre nehmen die Geraer an dem Wettbewerb in Riva teil. In diesem Jahr treten sie mit dem Konzertchor in der Kategorie der gemischten Jugendchöre und mit dem Collegium-Rutheneum in der Klasse der gemischten Erwachsenenchöre an. Die Schüler müssen stimmlich fit sein in vier Epochen, sie singen Werke von Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn Bartholdy, Benjamin Britten und eine Volksliedbearbeitung. Das Collegium wird drei Stücke vortragen. Die Auswahl ist wichtig, denn einerseits müssen die Sänger wirkungs- und anspruchsvolle Stücke vortragen, andererseits dürfen sie sich nicht überfordern, so Christian Frank. "Sogar die Länge ist entscheidend. Wer die Vorgaben nicht einhält, bekommt Strafpunkte", sagt der Chorleiter. Ralf Runge nickt. Außenstehende könnten sich das kaum vorstellen. "Da sitzen Leute mit Stimmgabel und Stoppuhr", erzählt Runge. Der Goethechor will sich durchsetzen und eine Goldmedaille holen. "Wir fahren hin, um eine gute Platzierung zu belegen", sagt Christian Frank selbstbewusst. Nach dem Sieg in der jeweiligen Kategorie messen sich die Gewinner am Ende des Wettbewerbs. Dann wird um den Grand Prix gesungen. Zur Zeit, sagt Chorleiter Frank, ist die Stimmung unter den jungen Leuten gut. Fast ein bisschen zu ausgelassen. Aber zur Generalprobe wisse jeder, dass alles gegeben werden muss. Das haben die Sänger auf vielen nationalen und internationalen Wettbewerben gelernt. Zuletzt war man im tschechischen Plzen und beim Daniel-Elster-Wettbewerb erfolgreich. Falco Renner, heute 25 Jahre alt, war als Goetheschüler bereits zwei Mal in Riva del Garda und verstärkt als Tenor in diesem Jahr das Collegium-Rutheneum. Trotz aller Anspannung hat er die Zeit in Riva stets genossen. "Das Ambiente ist wunderschön", schwärmt er. Dazu der Austausch, das Kennenlernen anderer Chöre, ihrer Stücke und Klangkultur. Was gibt er dem jungen Chor mit dem auf den Weg? Wichtig sei, die Anspannung in den Griff zu bekommen und auf den Punkt konzentriert zu sein. Chorleiter Christian Frank hat da einen Tipp: "Vorm Wettbewerb früh schlafen gehen".
Bildunterschrift
Falco Renner und Christian Frank vor dem Rutheneum in Gera: Der Chor der Schule sowie das Collegium-Rutheneum reisen Anfang April zu einem internationalen Chortreffen nach Italien. (Foto: Katja Schmidtke, OTZ)