Von Cafe bis Linealspender

Elf Schülergruppen aus Gera und Greiz brüten über virtuellen Geschäftsideen, mit denen sich vor allem Zeit sparen lässt. Die Sparkasse Gera-Greiz gewährt mit dem Gründerpreis-Wettbewerb Einblicke ins Unternehmertum.

Von Sylvia Eigenrauch
Gera. Zeit sparen und Bequemlichkeit erhöhen. Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die meisten der gestern vorgestellten Gründungsideen bringen. Elf Schülergruppen, fünf aus dem Geraer Zabelgymnasium, fünf aus dem Geraer Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 und eine Gruppe aus dem Berufsbildungszentrum Greiz-Zeulenroda, beteiligen sich an der diesjährigen Auflage des Deutschen Gründerpreises für Schüler, den die Sparkasse Gera-Greiz virtuell ausrichtet. Denn Geschäftsräume müssen Alexander Onoprienko, Thang Truong Cong, Felix Nordmeyer und Martin Müller vom Goethegymnasium für ihr "Cupcake Cafe", in dem es Tassenkuchen geben soll, nicht anmieten. "Unsere Lehrerin in Wirtschaft /Recht hat uns motiviert teilzunehmen", sagt Alexander. "Aber wir konnten uns lange nicht auf eine Idee einigen", gesteht Felix. Jene vom Cafe nun sehen sie als "umsetzbar und überlebensfähig". Wie es gelingt, eine Spezialität zu vermarkten, dafür wollen sie Kniffe von ihrem Paten Ingo Nickolaus, dem Mitinhaber vom Österreicher am Markt erhalten. Denn mit Spezialitäten handele auch er. "Emma's Webfond" nennen Matthias Fritz, Dustin Simon, Philipp Lange und Sven Juling von der Greizer Berufsschule ihre Idee eines Lebensmittelmarktes. Eingekauft wird mit dem Smartphone per App, so dass die Waren nur noch abgeholt werden müssen. In einer zweiten Stufe soll es dann auch einen Lieferservice geben. "Ich würde das sogar selber nutzen", gesteht Marian Wischkony, den die Jugendlichen als ihren Firmenpaten gewonnen haben. Der Inhaber der EMR-Technik Greiz soll den Jungs bei der technischen Umsetzung helfen. Für Wirtschaftslehrerin Heidrun Lenz ist das die vierte Gruppe, die sie als Coach betreut. Hat sie anfangs noch selbst viel Zeit investiert, geben sich die in Firmengründungen erfahrenen Jugendlichen jetzt untereinander Tipps. "Motivieren kann keiner so gut, wie die Schüler selbst", gesteht die Lehrerin und sieht bei den Teilnehmern der Gruppe vor vier Jahren tatsächlich Bestrebungen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Noch studieren sie. "Wir wollen die Chance geben, ins Unternehmertum zu schnuppern", verweist Frank Emrich, Vorstandsmitglied der Sparkasse Gera-Greiz auf die Absicht des Planspiels. Dass dabei betriebswirtschaftliche und emotionale Entscheidungen zu treffen sind, das sollen die Schüler vermittelt bekommen. "Mir liegt am Herzen, dass sie auch Werte des Unternehmertums berücksichtigen", meint Emrich und denkt daran, alle Entscheidungen gegenüber der Umwelt, den Kunden und Mitarbeitern abzuwägen. Unter den Zuhörern bei der Ideenvorstellung war gestern auch Dr. Merle Fuchs, die Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung neuer Technologien in Thüringen e. V. und Inhaberin des Geraer Technologie-Contors. Ihre Teilnahme will sie als Signal verstanden wissen, dass sie dieses Üben für Firmengründungen sehr ernst nimmt. Auch wenn kein Cafe Milk & Honey, gekoppelt mit der Vermittlung von Englischkenntnissen, von Goethegymnasiasten eröffnet wird und auch Schulautomaten für Vergessliche, die Bleistift, Lineal oder Geodreieck noch rechtzeitig vor der Leistungskontrolle ausspucken, nicht produziert werden, so vermittele die Arbeit an der Geschäftsidee neue Fähigkeiten. Genannt seien nur Stichworte wie Gruppenarbeit, Berufsqualifizierung, überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft und Termineinhaltung. Wer sich am wackersten geschlagen hat, wird Ende Mai feststehen. Bis dahin, so ermunterte die 22-jährige Sparkassenmitarbeiterin Daniela Schröter, alle neun via Mail gestellten Aufgaben pünktlich zu lösen.
Bildunterschrift
Diese Elftklässler des Geraer Goethegymnasiums/Rutheneum planen ein Cupcake Cafe und verteilten gestern selbst gebackene Muffins. Zum Team gehören (von links) Alexander Onoprienko, Thang Truong Cong und Felix Nordmeyer (rechts). Als Paten gewannen sie Ingo Nickolaus (2.von rechts).(Foto: Sylvia Eigenrauch)