Redaktionsschluss bei Gera - Echo

Die 93. Ausgabe der Hörzeitung für Mitglieder der Geraer Kreisorganisation des Blinden- und Sehbehindertenverbandes ist fertig. Sie bietet 80 Minuten Information und Unterhaltung. Gymnasiasten spielen eigenen "Krimi" ein.

Gera. Wer ist der Mörder von Aschenputtels Vater? Ein spannendes, auf die Gegenwart umgeschriebenes Krimi-Märchen von drei Gymnasiastinnen des Geraer Goethe-Gymnasiums ist Teil der taufrischen Ausgabe der Hörzeitung "Gera-Echo". Seit 1994 gibt die Kreisorganisation Gera des Thüringer Blinden- und Sehbehindertenverbandes sechs Mal im Jahr diese akustische Zeitung für ihre 86 Mitglieder heraus, die nicht nur in Gera, sondern auch in Wünschendorf, Bad Köstritz, Ronneburg und Kleinsaara auf die nunmehr 93. Ausgabe warten. "Unser Gera-Echo ist ein ehrenamtliches Geschäft," verweist Kreisvorsitzende Claudia Großmann auf viel persönliche Zeit, die Sehende wie Kerstin Weisenstein und blinde und sehbehinderte "Redakteure" für die Produktion einsetzen. Kerstin Weisenstein, gelernte Köchin, hat ein Kochbuch mit einfachen, preiswerten Gerichten in Braille-Schrift entwickelt. Die nächste Kochveranstaltung am 24. Februar im Frauen- und Familienzentrum Gera mit einem Menü daraus wird in der aktuellen Hörzeitung ebenso angekündigt wie das monatliche Treffen am ersten Montag, die Zusammenkünfte von Frauen- und Sportgruppe, das Vorlesen sowie die Sprechzeiten in der Geschäftsstelle. Wie bei einer Zeitung wird den Geburtstagskindern gratuliert, untermalt mit Musik. Und es gibt wichtige Verbandsinformationen. So zu Hilfsmitteln oder Reisen, die zur Messe für Sehbehinderte und Blinde nach Frankfurt am Main führen oder in die Bundeshauptstadt Berlin zum Louis-Braille-Festival anlässlich des 100. Jubiläums des Deutschen Blindenverbandes. Einer der sechs Wandertage im Jahr führt in die Stasi-Unterlagenbehörde in Gera. Griffbereit neben dem Mikrofon liegt die Ostthüringer Zeitung. Claudia Großmann bezeichnet sie "als wichtige Informationsquelle, denn viele ältere blinde Menschen nutzen kein Internet und können die Tageszeitung nicht lesen." So stellt man interessante Nachrichten wie den Kampf um den Erhalt des Marktkaufes oder neue städtische Baumaßnahmen zusammen. "Ein Kessel Buntes" bietet leichtere Hörkost. Linda-Sophie Großmann, Victoria Jussupov und Juliane Schmieder bereichern die Zeitung mit ihrem Krimi-Hörspiel frei nach den Brüdern Grimm. "Wir schreiben unsere Seminarfacharbeit über den Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen", erzählen die Mädchen, die ihren Ferientag ganz der Endfertigung der Hörzeitung widmen. Noch zwei putzige Gesellen sitzen im Aufnahmestudio: Die klugen Raben Gerda und Gerd, die Maskottchen des "Gera-Echo", die Flüstertüten vor den Schnäbeln halten. Wer sie für eine Spende in der Geschäftsstelle des Blinden und Sehbehindertenverbandes am Geraer Nicolaiberg 5 A erwirbt, unterstützt das Erscheinen der Hörzeitung. Auch das Überspielen und Kopieren auf 55 CDs und 15 Kassetten braucht noch seine Zeit, bis die Zuhörer dann endlich erfahren, was in Gera so passiert und wer der Mörder von Aschenputtels Vater ist.
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Aufnahme der Hörzeitung Gera-Echo in der Geschäftsstelle des Blinden und sehbehinderten Verbandes Gera. Von links: Kreisvorsitzende Claudia Großmann, Kerstin Weißenstein, Linda-Sophie Großmann und Viktoria Jussupov.
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Gera und Gerd, die Maskottchen des "Gera-Echo" und Woll-Kreationen von Kerstin Weisenstein. (Fotos: Elke Lier)