Weihnachtskarte aus fünf Schulen

Geraer Elternvertreter sind sich beim Schulbauprogramm einig

Von Uwe Müller Gera. Zur Weihnachtsmannsprechstunde hatten sich gestern nachmittag Geraer Elternvertreter auf dem Märchenmarkt eingefunden. Mit dabei eine große Weihnachtskarte, die Goethe-Gymnasium/ Rutheneum seit 1608, Integrierte Gesamtschule Lusan, Grundschule Langenberg, Berufsschule Technik und Ostschule an Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) adressieren. "Wir wollen, dass endlich die Schulen in Ordnung gebracht werden", erinnert Christina Seidel, Schülerin der 11. Klasse im Rutheneum, an die Zusagen des Stadtrates und des Oberbürgermeisters. Demonstrativ Geschlossenheit zeigen die Elternvertreter. Es soll gar nicht erst der Eindruck entstehen, dass die Schulen sich gegeneinander ausstechen, wenn es um die knappen Finanzmittel geht. Es sei "ein Jahr der enttäuschten Hoffnungen" gewesen, blickt Andreas D. Schulze, Schulelternsprecher des Rutheneums, zurück. Denn alles, was die Stadt für den Campus aufbrachte, wurde finanziert durch Spenden, also durch zusätzliches bürgerschaftliches Engagement. Und ob und wann es einen Haushalt für 2011 gibt, steht momentan auch noch in den Sternen. Nachdem zunächst eine Sonderratssitzung am 23. Dezember angekündigt war, steht der Etat nicht mal auf der Tagesordnung der nächsten turnusmäßigen Sitzung am 20. Januar. Und was im Haushaltentwurf drin ist, lässt wenig hoffen. "Darin sind rund 130.000 Euro für den Kunsthaus-Beauftragten vorgesehen, aber nur 43.000 Euro für die Leistungsphase III zur Verwirklichung des Campus. Angesichts dieser recht über-schaubaren Summe halte ich Zweifel an der erklärten Prioritätensetzung zugunsten der Schulen für durchaus gerechtfertigt", erklärte der Rechtsanwalt. Einmal mehr sehen sich die Befürworter des Einwohnerantrages bestätigt, der die Aussetzung aller Beschlüsse des Stadtrates und seiner Ausschüsse im Zusammenhang mit dem Kunsthaus forderte, solange die Stadt nicht den Eigenanteil für das Schulbauprogramm nachweisen kann. "Wir hoffen, dass es 2011 endlich klare Aussagen für die komplexe Sanierung der Gesamtschule gibt", so ihr Elternsprecher Steffen Reiche-Romuß, der bereits zwei Demonstrationen organisiert hatte. Aus Spargründen nur eine energetische Sanierung an dem Lusaner Schulgebäude durchzuführen, davor warnt er. "Damit bliebe doch in den Klassenzimmern alles beim Alten." Frank Hettig, Elternsprecher der Ostschule, ist enttäuscht, dass die Stadt die Bewerbung als Thüringer Gemeinschaftsschule abgelehnt hat - aus Kostengründen. Theoretisch müsste die von einem SPD-OB geführte Stadt der Gemein-schaftsschule, die die Thüringer SPD in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU durchgesetzt hatte, gewogen sein. Uwe Hentschel, Elternsprecher der Berufsschule Technik, ist froh, dass die jüngste Zeugnisausgabe wenigstens bei der Industrie- und Handelskammer stattfinden konnte. Die Schule ist ausgezogen, doch die Bauarbeiten ruhen. "Ein bedarfsgerechter Unterricht ist zurzeit gar nicht möglich", verweist Hentschel auf den unhaltbaren Schwebezustand. "Wer bei der Bildung spart, untergräbt die Perspektive der Stadt für eine fundierte Zukunft. Ohne Bildung wird auch kein adäquates Interesse an kulturellen Einrichtungen der Stadt bestehen. Zu einer Bildungsförderung gehört auch eine vernünftige Ausstattung der Schulen", appelliert Andreas D. Schulze vom Rutheneum an Vornehm.
Zitat:
"Bitte lassen Sie Ihren warmen Worten nun Taten folgen und setzen Sie das, was Sie zugesagt haben, auch mit aller Kraft um!" Andreas D. Schulze, Schulelternsprecher des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608 Gera
Bildunterschrift:
Christina Seidel, Schülersprecherin des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608, mit der Weihnachtskarte, die Elternvertreter aus fünf Geraer Schulen an Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm senden (Foto: www.otz.de)