Geraer Rathaus ruht beim Rutheneum Porträt

Schulförderverein vermisst in der Stadtverwaltung die Begeisterung für den Campus

Gera. Der Förderverein des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 springt für die finanzklamme Stadt in die Bresche und hat mit Spenden den kommunalen Eigenanteil zum Architektenwettbewerb für den Campus gesammelt. Da Bund und Land zu ihren Geldzusagen stehen, braucht es nur eines: guten Willen im Rathaus. "Im Augenblick tun wir uns schwer mit der Stadtverwaltung", sagte Dr. Harald Frank im OTZ-Lesergespräch. Dorthin war der FDP-Stadtratsfraktionsvorsitzende als Vertreter des Fördervereins für das Goethegymnasium/Rutheneum gekommen. Weil es der Stadt ohne bestätigten Haushalt an Geld für den städtebaulichen Architektenwettbewerb zum Schulcampus am Johannisplatz fehlt, hatte der Förderverein die Spendensammlung. Die nach der bisherigen Rechnung notwendigen 74.000 Euro waren im Herbst binnen kurzer Zeit zusammen. "Vor 14 Tagen waren wir beim Baudezernenten, um den Vertrag mit der Stadt zu unterzeichnen, aber es war nichts vorbereitet", schilderte aus dem Publikum Frank. Für den Förderverein stelle sich die Frage: Was wird, wenn der Architektenwettbewerb teurer wird als die vorgesehenen insgesamt 220.000 Euro? Soll der Verein dann für die Nachbesserung in Haftung genommen werden? Frank verlangt von der Stadtverwaltung, dass für den Architektenwettbewerb "die kaufmännische Bremse reingelegt" wird. Was dabei gespart werde, könne für Folgeprojekte nach dem Wettbewerb verwendet werden. Der Fördervereinsvertreter hofft nun, dass in dieser Woche in puncto Vertrag mit der Stadt noch etwas geschieht. Aber er vermisst in der Stadtverwaltung die Begeisterung für den Campus. Das wies Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) aus dem Podium von sich. Das Geld sei im Haushalt 2010 eingeplant gewesen, nun aber nicht verfügbar, weil er von der Rechtsaufsicht nicht genehmigt wurde. Zudem bestehe Geras Schulbauprogramm aus 22 Teilen, davon sei das Goethegymnasium einer. "Wir sind nicht angetreten, mit dem Rutheneum andere auszustechen", erwiderte Frank, "dass die Langenberger Grundschule beispielsweise wichtiger ist, sehen wir ein." Aus Sicht des CDU-Kreisvorsitzenden und Bürgermeisters Norbert Hein sind im Vertragsentwurf "Haftungsfragen ein technisches Detail", das sich klären lasse. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Armin Allgäuer vermutet, dass mit dem Schulbauprogramm zu große Hoffnungen geweckt wurden. Für die Berufsschule Technik und die Integrierte Gesamtschule hätten sich gleichfalls die Eltern eingesetzt. Und das ehemalige reußische Regierungsgebäude neben dem Goethegymnasium sei in seinem jetzigem Zustand nicht als Schulgebäude geeignet. Dass aber für den Campus im Jahr 2012 der Bagger kommen werde, bezweifelt er. Die Finanzierung sei in der mittelfristigen Investitionsplanung vorgesehen, sagte Finanzbürgermeister Hein. Die Förderung komme in Jahresscheiben bis 2014. Die Stadt müsse ab 2012 "signifikante Summen zur Verfügung stellen". Wenn das Geld da sei, werde er der erste sein, der dafür ist, dass der "städtebauliche Missstand am Johannisplatz verschwindet", sagte Allgäuer. Der Oberbürgermeister sicherte zu, dass er über Verlängerung oder Aufhebung der Drei-Jahres-Frist für den Campus verhandeln werde. Diese war im September 2009 vom Stadtrat beschlossen worden als Ultimatum, dass die Fördermittel vom Freistaat in den nächsten drei Jahren bereitgestellt werden müssen.
Bildunterschrift:
Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608, im Hintergrund ehemaliges reußisches Regierungsgebäude (Foto: OTZ)