Dem Campus Flügel verliehen

12.000 Euro vom Rotary-Club Gera zum Finale einer beispiellosen Spendenaktion

Der Architektenwettbewerb für den Schulcampus Rutheneum ist gesichert. Mit 12.000 Euro vom Rotary Club Gera ist der Schlussstein gesetzt unter die erfolgreiche Spendenaktion des Schulfördervereins des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608. Das Ziel, rund 73.000 Euro aufzubringen, ist damit mehr als erreicht worden. Peter Granderath, Präsident des Rotary Club Gera, überbrachte Schulleiter Dr. Joachim Hensel gestern die freudige Nachricht. Der Club hatte im Frühjahr die Aktion "Wir verleihen dem Campus Flügel" gestartet. Deren Ziel: Mit der Fertigstellung des Schulcampus zu ihm sollen das Stammhaus des Rutheneums am Johannisplatz, das benachbarte ehemalige reußische Regierungsgebäude und ein sich anschließender Ergänzungsneubau gehören möge das Gymnasium mit seinen in Thüringen einmaligen Musikspezialklassen einen neuen Konzertflügel erhalten. Das Motto der Benefizaktion "Wir verleihen dem Campus Flügel" sollte aber auch Bestärkung für das bürgerschaftliche Engagement sein, das sowohl schulisch als auch städtebaulich bedeutsame Projekt nie aus den Augen zu verlieren und zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Zwei Benefizkonzerte widmete der Rotary-Club der Aktion: im Mai in der Johanniskirche, wo die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach gemeinsam mit dem Konzertchor des Goethegymnasiums musizierte, und im September mit der Big-Band der Bundeswehr im Kultur- und Kongresszentrum. Doch was hätten die Erlöse aus den beiden ausverkauften Benefizveranstaltungen genutzt, wenn bereits der Campus auf der ersten Etappe zur Verwirklichung ausgeschieden wäre? Genau das war zu befürchten. Zwar lag das Geld von Bund und Land für den Architektenwettbewerb abholbereit, doch die Stadt Gera ohne Haushalt ist handlungsunfähig. Ohne ihren Eigenanteil in Höhe von 73.000 Euro wären die Fördergelder, die immerhin zwei Drittel der Kosten des Architektenwettbewerbes umfassen, zum Jahresende verfallen gewesen. So startete der Schulförderverein am Abend des Benefizkonzertes mit der Big-Band der Bundeswehr den Spendenaufruf, der binnen vier Wochen reiche Früchte trug. Der Rotary-Club ist gern bereit, sich für diesen Architektenwettbewerb einzubringen. "Was nützt es, wenn wir das Geld für einen neuen Konzertflügel zusammenbekommen, wenn der Campus, seine bauliche Hülle nicht steht", erklärte Präsident Granderath. Und so habe der Vorstand beschlossen, 12.000 Euro bereitzustellen in der Zuversicht, dass dies auch im Sinne der Besucher der Benefizkonzerte ist. Schulleiter Hensel äußerte sich überwältigt angesichts der breiten öffentlichen Unterstützung und dankte allen Spendern. "Schüler haben von ihrem Taschengeld gespendet und Omas von ihrer Rente", sagte er. "Jeder erhält bis Weihnachten einen Patenbrief für den Campus", versicherte er. Der Schulleiter äußerte die Hoffnung, dass Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) aktiv wird, damit die im Stadtratsbeschluss von 2009 verankerte Rückfallklausel nicht greift. Diese sieht vor, dass das ehemalige reußische Regierungsgebäude an den Freistaat zurückgeht, wenn nicht binnen drei Jahren die Fördermittel bereitgestellt werden. Von Finanzbürgermeister Norbert Hein (CDU) und Baudezernent Ramon Miller (SPD) habe Hensel die Zusage, dass nunmehr der Architektenwettbewerb gestartet werden kann.
Bildunterschrift:
Der Rotary Club Gera unterstützt mit 12000 Euro den Architekturwettbewerb für den Campus Rutheneum. Hier Rotary-Präsident Peter Granderath mit Schulleiter Dr. Joachim Hensel vor dem ehemaligen reußischen Regierungsgebäude. (Foto: OTZ/Uwe Müller)
Kommentar:
Sanfte Nötigung - Von Uwe Müller
Es ist selbstverständlich: Schulen werden von Bürgern finanziert. Über Steuern. Außergewöhnlich ist, dass Bürger, die ja bereits braugezahlt haben, ein zweites Mal von ihrem Geld abgeben - und das auch noch freiwillig. So geschehen für den Architektenwettbewerb zum Schulcampus Rutheneum in Gera. Das ist mehr als die staatsbürgerliche Pflicht und verdient höchste Anerkennung. Geras Stadtväter sollten sich nun angespornt sehen angesichts der sanften Nötigung aus der Bürgerschaft. Die Antwort kann nur ein klares Bekenntnis sein, ohne Wenn und Aber dem Campus Flügel zu verleihen. Als vertrauensbildende Maßnahme muss die Rückfallklausel gestrichen werden. Nicht etwa, um nach dem Architektenwettbewerb die Hände in den Schoß legen zu können. Sondern um die Hintertür zu verschließen, durch die man sich 2012 nach gültiger Beschlusslage des Stadtrates vom Campus verabschieden könnte.