55.000 Euro in zehn Tagen

Spenden für den Campus Rutheneum mobilisiert - Wird Bürgerengagement ignoriert?

Von Uwe Müller Gera. Die Geraer Bürgerschaft will den Campus Rutheneum retten. Sie springt für die klamme Kommune ein, damit der Architektenwettbewerb für das Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 stattfinden kann. Bund und Land übernehmen je ein Drittel der Kosten. Für die Stadt Gera, der in der haushaltlosen Zeit die Hände gebunden sind, sammelt der Förderverein der traditionsreichen Schule Geld. Ziel ist, die 73.348 Euro selbst aufzubringen, damit kein Zeitverzug entsteht und bereits bereitgestellte Gelder nicht verfallen. Beim Benefizkonzert des Rotary-Club Gera mit der Big-Band der Bundeswehr hatte der Schulleiter des Rutheneums, Dr. Joachim Hensel, am Dienstagabend vergangener Woche an die Spendenbereitschaft der Geraer appelliert. Sein Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden. Innerhalb von zehn Tagen liegen nunmehr Spendenzusagen in Höhe von 55.000 Euro vor. Von zehn bis 10 000 Euro reichen die Spendenbeträge. "Bis zum 29. Oktober wollen wir das Geld zusammenbekommen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen. Jeder Euro, auch der kleinste Betrag, zählt und wird dankbar entgegengenommen", erklärte Hensel gegenüber unserer Zeitung. Banken, Firmen, Privatleute haben sich spontan bereitgefunden, dem Campus unter die Arme zu greifen. Hensel versicherte sich beim Landesverwaltungsamt und bei Geras Finanzbürgermeister Norbert Hein (CDU), dass die eingeworbenen Spendengelder tatsächlich dem Architektenwettbewerb zugute kommen dürfen. Denn dass die Mittel im allgemeinen Haushalt der Stadt untergehen oder der Förderverein aus bürokratischen Vorschriften heraus nicht für die Stadt in die Bresche springen darf, das will man unter allen Umständen ausschließen. "Wir haben die Zusicherung von Herrn Hein und von der Fördermittel-Bewilligungsbehörde", sagte Hensel. Er weiß aber auch, dass der Architektenwettbewerb nur ein erster, wenn auch wichtiger Schritt auf dem Weg zum Campus ist. "Wir möchten sowohl das Land als auch die Stadt in die Pflicht nehmen", so der Schulleiter. Von Galeria-Kaufhof hat er etwa die Zusage, dass von jedem verkauften Gera-Monopoly zwei Euro dem Campus zugute kommen - macht aufgerundet 2500 Euro aus. "Ich war zuerst skeptisch, dass wir den städtischen Eigenanteil aufbringen können", gesteht Hensel. Doch der fulminante Start der Aktion lässt keine Zweifel zu: Das Geld kommt zusammen. Ob die Stadt Gera den Campus überhaupt bauen kann und will, das steht unterdessen auf einem anderen Blatt. In einer schriftlichen Erklärung von Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) zur aktuellen Haushaltlage heißt es: "Überdies kann der mit viel Engagement von Schülern, Lehrern und Eltern erreichte Beschluss, einen Schulcampus für das Goethegymnasium zu schaffen, nicht verwirklicht werden...". Der Rathauschef relativierte gestern Nachmittag mündlich vor der Presse und den Fraktionsspitzen des Stadtrates diese Aussage - und setzte sie in die Möglichkeitsform. Da das Schulbauprogramm, das über Darlehen finanziert werden sollte, nun ohne Kredite auskommen muss und zuerst die Grundschule Langenberg, die Berufsschule Technik und die Integrierte Gesamtschule gebaut werden sollen, könnte es für das Goethegymnasium eng werden. Denn dort läuft die Drei-Jahres-Frist, binnen der der Campus angepackt werden muss - und ein Drittel ist schon verstrichen. "Dieses alles könnte ins Leere gehen", erklärte der Oberbürgermeister gestern mit Bezug auf die aktuellen Initiativen von Schülern, Lehrern, Eltern und Förderern des Campus.
Bildunterschrift:

Fest verschlossen: das Tor zum ehemaligen reußischen Regierungsgebäude bleibt bis auf weiteres für den Campus Rutheneum zu (Foto: OTZ/Uwe Müller)