Erster Antrag unterwegs

Campus Rutheneum braucht Frördermittel - 2010 geht es dann ums große Geld

Von Uwe Müller
Gera. "Mit Postausgang heute früh wurde der Fördermittelantrag nach Erfurt geschickt", verkündete Bernd Kriebitzsch gestern Nachmittag beim Lokalaugenschein auf dem Nicolaiberg. In dem teilweise bereits baupolizeilich gesperrten Schulhaus des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 wollten Lehrer, Eltern und Schülervertreter Auskunft, wie es nach den Stadtratsbeschlüssen zur Zusammenführung der 402 Jahre alten Lehranstalt am Standort Johannisplatz/Burgstraße/Reichsstraße vorangeht. Wie ein Damoklesschwert schwebt die Drei-Jahres-Frist über dem Rutheneum, binnen der der Campus steht oder eine unerfüllte Vision bleibt. "Die unzumutbaren Zustände bedeuten einen Wettbewerbsnachteil für unser Gymnasium", betont Schulleiter Dr. Joachim Hensel: Das Gebäude auf dem Nicolaiberg ist von Schimmel befallen, Fachkabinette entsprechen dem Stand der 1960-er und 1970-er Jahre, im Winter gibt es Heizprobleme, die Aula ist baupolizeilich gesperrt und wegen des Brandschutzes drückt die Feuerwehr auch nur noch bis 2013 beide Augen zu. Andererseits genießt das Gymnasium mit seinen Musikspezialklassen Alleinstellungsanspruch in Thüringen und dank seines Chores Bekanntheit in Deutschland und international. Fachdienstleiter Kriebitzsch wartete gestern mit einem detaillierten Zeitplan auf: Wenn morgen der Haushalt beschlossen wird, dann sind die ersten 400.000 Euro für den Campus drin. 220.000 Euro wird der städtebauliche Wettbewerb kosten. Zwei Drittel der Summe soll der Freistaat zuschießen dafür ging gestern der Fördermittelantrag raus. Mit einer positiven Antwort wird noch im Mai gerechnet. Dann könnte ein Planungsbüro den städtebaulichen Wettbewerb in die Hand nehmen, der voraussichtlich Anfang August ausgelobt würde. Ins Auge gefasst für den Campus wird auch die Immobilie Florian-Geyer-Straße 15-17. Zusätzlich integriert worden sei der Bau einer Turnhalle. Mitte Oktober, so Kriebitzsch weiter, könnten die Ergebnisse des Wettbewerbes vorliegen, dessen Sieger im November proklamiert würde. Von den dann noch zur Verfügung stehenden Haushaltmitteln für 2010 in Höhe von 180 000 Euro soll die Kostenberechnung erstellt werden Grundlage des Fördermittelantrages für die Gesamtmaßnahme. Für 2011 will die Stadt knapp eine Million Euro für den Campus vorsehen. Gebaut würde dann von 2012 bis 2014. Mit der Entscheidung über den Förderantrag für die Gesamtmaßnahme rechnet Kriebitzsch im April/Mai 2011. Bewilligt der Freistaat das Geld, wäre die Rückfallklausel zu den Akten gelegt unabhängig, ob der Campus steht. Gerechnet wird mit Kosten von 13,7 Millionen Euro, die Fördermittel beziffert Kriebitzsch auf 8,7 Millionen Euro. CDU-Fraktionschef Hans-Jörg Dannenberg sieht nach Gesprächen mit Bauminister Christian Carius (CDU) beste Chancen. "Entscheidend wird sein, ob die zugesagten Fördermittel kommen", betont Linken-Fraktionsvize Andreas Schubert. Für die Gesamtschule seien weniger Fördermittel bereitgestellt worden als beantragt. "So geht es nicht", erklärt Schubert. Dass die Stadt in Langenberg und an der Gesamtschule bereits weiter sein wollte, gab Bildungsausschuss-Vorsitzender Prof. Thomas Weil (SPD) zu bedenken.
Bildunterschrift:
Elternsprecher Andreas R. Schulze und die Stadträte Andreas Schubert (Linke), Prof. Thomas Weil (SPD), Hans-Jörg Dannenberg (CDU), Dr. Harald Frank (FDP) und Martina Schmidt ´(Arbeit für Gera) mit Schulleiter Dr. Joachim Hensel nehmen die schlechten Bedingungen in einem Fachkabinett des Goethegymnasiums im Schulteil Nicolaiberg in Augenschein
Kommentar:
Mit Argusaugen Von Uwe Müller
Schule einmal ganz puristisch verstanden kommt sicherlich aus ohne Konzertflügel, ohne Theater-Arbeitsgemeinschaft, ohne begrünten Innenhof. Doch wir verstehen Schule nicht bloß als Ort, nichtbloß als Lehranstalt, sondern auch und vor allem als eine Zeit, die uns fürs Leben prägt. Besonders Geras Goethegymnasiasten haben im vergangenen Jahr gezeigt, was das konkret heißen kann. Mit dem ersten Einwohnerantrag Thüringens haben sie den Weg geebnet für einen Campus, der die bis dato getrennten Schulteile vereinen soll. Sie haben sich dabei gegen Widerstände durchgesetzt und abseits von Büchern gelernt, wie Demokratie funktioniert. Das wird die Goetheschü]er fürihrLeben prägen. So ist der Konzertflügel, der mit dem Erlös des gestrigen Benefizkonzertes finanziert werden soll eben nicht bloß ein Konzertflügel - sondern auch eine Anerkennung für.das, was sich die Schüler erstritten haben.