Dem Campus Flügel verliehen

Hunderte hören Konzert von Voigtland Philharmonie und Konzertchor Goethegymnasium

Von Katja Schmidtkte
Gera. Die Stars des Abends kommen - wie es sich eben für Hauptdarsteller gebührt - nicht pünktlich. Doch als der Konzertchor des Goethegymnasiums durch das Kirchenschiff der Johanniskirche nach vorn zur Bühne schreitet, brandet heftiger Applaus auf. Philharmonie-Dirigent Stefan Fraas überlässt Chorleiter Christian Frank den Taktstock. Voll besetzt ist die Kirche im Geraer Zentrum. Vom Schüler über die junge Familie bis hin zum Seniorenpärchen - sie alle sind gekommen, um das gemeinsame Konzert des Chores mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach zu hören. Unter dem Motto "Wir verleihen dem Campus Flügel" hatte der Rotary Club Gera zu dieser Benefizveranstaltung eingeladen. Präsident Uwe Müller sagte, die Förderung der Jugend sei eine der vier Rotary-Säulen. So kommt die Hälfte des Konzerterlöses dem Goethegymnasium zugute. Damit soll ein Konzertflügel finanziert werden. Er soll der Schule übergeben werden, sobald der neue Campus Realität geworden ist. Die zweite Hälfte des Erlöses geht an das Osterlandgymnasium, das Dörffelgymnasium Weida und das Gymnasium Greiz. Wie viel Geld zusammen gekommen ist, konnte Rotary-Präsident Müller gestern noch nicht sagen. Fest steht aber: "Das Konzert war ein voller Erfolg". Für Gänsehaut-Stimmung hat besonders die Interpretation "Cloudburst" von Eric Whitacre gesorgt, in der sich Stimmen, Glöckchen, Fingerschnipsen und Klatschen wahrlich zu einem Gewitter vereinten. Naturgewalten waren auch das Thema im Rahmenprogramm des Konzertes. Weil sie sich nach dem Tsunami 2004 für den Wiederaufbau einer Schule in Sri Lanka engagierten, wurden Jürgen Weerth, deutscher Botschafter a.D., und Dieter Althaus , Ministerpräsident a.D., mit der höchsten Rotary-Auszeichnung geehrt. Weerth bedankte sich im Namen der Kinder von Sri Lanka für die Hilfe aus Gera. "Worte wie Schulreform gibt es in Sri Lanka nicht. Die Schule ist ein Ort des Wollens", sagte er. Ob bewusst oder unbewusst, Jürgen Weerth jedenfalls schlug damit auch einen Bogen zum Goethegymnasium und den engagierten Schülern, die einen neuen Campus nicht nur gewollt, sondern auch dafür gekämpft haben.
Bildunterschrift:
Auch Georg und sein Vater Rocco Herzog gehören zu jenen, die in der vollbesetzten Johanniskirche Gera dem Benefizkonzert des Konzertchores am Goethegymnasium und er Voigtland Philharmonie lauschen. Zu dieser einmaligen musikalischen Konstellation hatte der Rotary Club Gera eingeladen (Foto: OTZ/Katja Schmidtke)
Kommentar:
Prägende Zeiten Von Katja Schmidtke
Schule einmal ganz puristisch verstanden kommt sicherlich aus ohne Konzertflügel, ohne Theater-Arbeitsgemeinschaft, ohne begrünten Innenhof. Doch wir verstehen Schule nicht bloß als Ort, nichtbloß als Lehranstalt, sondern auch und vor allem als eine Zeit, die uns fürs Leben prägt. Besonders Geras Goethegymnasiasten haben im vergangenen Jahr gezeigt, was das konkret heißen kann. Mit dem ersten Einwohnerantrag Thüringens haben sie den Weg geebnet für einen Campus, der die bis dato getrennten Schulteile vereinen soll. Sie haben sich dabei gegen Widerstände durchgesetzt und abseits von Büchern gelernt, wie Demokratie funktioniert. Das wird die Goetheschü]er fürihrLeben prägen. So ist der Konzertflügel, der mit dem Erlös des gestrigen Benefizkonzertes finanziert werden soll eben nicht bloß ein Konzertflügel - sondern auch eine Anerkennung für.das, was sich die Schüler erstritten haben.