Als Posthumus weg war

Absolventen des Goethegymnasiums erinnern sich 50 Jahre nach ihrem Abitur

Von Uwe Müller
Gera. Fünfzig Jahre Abitur waren für Absolventen des Goethegymnasiums Anlass, aus allen Teilen Deutschlands nach Gera zu reisen und ihre alte Wirkungsstätte am Johannisplatz zu besuchen. Schulleiter Dr. Joachim Hensel führte die ehemaligen Pennäler durch das Schulhaus und Sieghard Zitzmann ließ die Orgel erklingen. Erinnerungen wurden nicht nur beim Betrachten des Penne-Videos wach. Im Klassenraum wurde die alte Sitzordnung wiederhergestellt; in die Wiedersehensfreude mischte sich dabei auch das Gedenken an die zwischenzeitlich verstorbenen Klassenkameraden. An einen spektakulären Vorfall aus ihrer Schulzeit erinnern sich alle. Sie waren im elften Schuljahr, als eines Morgens das Posthumus-Denkmal auf dem Johannisplatz fehlte. Den Anblick des leeren Sockels werde er nie vergessen, so Dr. Heino Rosner. "Das sorgte für großen Aufruhr, es gab harte Diskussionen - und wir waren alle sehr enttäuscht", weiß er noch zu gut. Es sei ein Glücksumstand gewesen, dass der damalige Kunstlehrer Rudolph Engel die erzürnten Schüler zurückgehalten hat und sie zur Besonnenheit aufrief. Dietmar Peip kann sich an dessen Worte noch gut erinnern: "Jungs, macht Euch nicht unglücklich", warnte er davor, sich mit den SED-Oberen anzulegen. Die damaligen Schüler bewegt noch heute, dass sie bei ihrem Lehrer in diesen Stunden eine völlig neue Seite kennengelernt haben. Er habe als unscheinbar und zurückgezogen gegolten. Danach begriffen sie, dass er ein lange verkannter Künstler war, der den Lehrerberuf nur zum Broterwerb ausübte. Obwohl ein halbes Jahrhundert aus dem Goethegymnasium raus, sind die Absolventen von 1960 immer noch aufs engste mit ihrer Schule verbunden. So nehmen sie regen Anteil an der Diskussion über die Zukunft des Rutheneums. Dass Falk Müller, gegenwärtig Schüler der 13. Klasse, im vergangenen Jahr einen erfolgreichen Einwohnerantrag organisierte, damit die Teilung des Gymnasiums in die beiden Standorte Nicolaiberg und Johannisplatz nicht zementiert und stattdessen eine zukunftsweisende Campus-Lösung mit dem ehemaligen reußischen Regierungsgebäude geschaffen wird, dafür empfinden die ehemaligen Schülerinnen und Schüler Hochachtung und Respekt. "Es ist wunderbar, dass es jetzt endlich klappt", hofft Karla Fürle aus Gera. Wohlwissend, dass längst noch nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt sind. Dem Campus Flügel zu verleihen, ist im doppelten Wortsinne Anliegen eines Benefizkonzertes, das der Rotary Club Gera am 9. Mai veranstaltet. Schulleiter Dr. Hensel nutzte das Wiedersehen mit den ehemaligen Abiturienten, sie neugierig zu machen auf diese Veranstaltung und für die Teilnahme zu werben.
Informationen zum Benefizkonzert am 09. Mai:
Die Vogtlandphilharmonie Greiz-Reichenbach und der Konzertchor des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 Gera gestalten am Sonntag, 9. Mai, 17 Uhr, ein Benefizkonzert in der Johanniskirche Gera, das der Rotary Club Gera veranstaltet. Unter dem Motto "Wir verleihen dem Campus Flügel" soll der Grundstein gelegt werden für einen neuen Konzertflügel, den das Rutheneum bei der Einweihung seines Campus erhält. Gefördert werden auch Schulprojekte im Osterlandgymnasium Gera, Dörffelgymnasium Weida und Gymnasium Greiz. Karten zum Preis von 12 Euro im Goethegymnasium Gera am Johannisplatz, im OTZ-Pressehaus Johannisstraße Gera, in Brendel's Buchhandlung und in der Gera-Tourist-Information Heinrichstraße.
Bildunterschrift:
Absolventen des Abiturjahrganges 1960 des Goethegymnasiums Gera gemeinsam mit den heutigen Schulleiter Dr. Joachim Hensel vor dem Schulhaus am Johannisplatz (Foto: OTZ/Uwe Müller)