Sprungbrett für Carla

Die 15-jährige Carla Nelson tritt bei den Geraer Songtagen auf, erzählt mit Musik über ihre Gefühle und tanzt zu Techno

Was treibt Dich auf die Bühne?
Ich bin mit der Bühne aufgewachsen, und habe keine Berührungsängste. Ich finde es schön, den Leuten etwas zu geben, was von mir kommt und unberührt ist.

Seit wann machst Du Musik?
Seit ich vier bin. Irgendwann habe ich meine Passion für Gesang entdeckt.

Singer/Songwriter, das ist für viele noch immer das Bild vom Barden mit Latzhose und Nickelbrille - was verbindet Deine Generation damit?
Eine Musik, in deren Texten die eigenen Erfahrungen im Vordergrund stehen. Das ist das Gegenteil von moderner Popmusik mit ihren Standardthemen und ewig gleichen Beats. Die eigenen Interpretationen machen das Songwriting sehr einzigartig, deswegen lässt es sich auch nicht abstempeln.

Wir telefonieren während Du zur Kur bist, Du bist an Diabetes 1 erkrankt. Welchen Einfluss hat die Krankheit auf Deine Musik?
Mit 13 habe ich angefangen, Lieder zu schreiben, vor einem Jahr kam die Diagnose. Ich habe vieles aufgeben müssen, musste mich neu orientieren. Das war nicht nur ein gesundheitliches Problem, sondern auch ein emotionales. Ich denke, ich wäre auch so zum Musikschreiben gekommen, nur nicht so früh. Im Krankenhaus hatte ich auch viel Zeit zum Gitarrespielen und zum Nachdenken. Und ich bin dankbar, dass auf diese Weise so etwas Positives entstanden ist.

Wie geht man als 15-Jährige damit um, so seine eigenen Gefühlen preiszugeben?
Über manche Dinge muss man einfach reden, wenn man alles in sich hineinfrisst, geht man kaputt. Jeder hat seine Art zu kommunizieren, ich habe meinen Weg gefunden.

Was sagen Deine Eltern, Deine Freunde zu Deiner Musik?
Ich erlebe eine riesige Welle der Unterstützung. Musik wird oft als brotlose Kunst hingestellt, aber meine Eltern, die ja selbst Musiker sind, unterstützen mich. Keiner will mir was ausreden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und meine Freunde sind ehrliche Kritiker.

Welche Musik hörst Du selbst am liebsten?
Das ist launebedingt, sehr wenige Songwriter sind darunter. Ich kann mir übrigens auch vorstellen, mal in eine andere Richtung zu gehen.

Dann machen wir es doch so: Was hörst Du, wenn Du Schmetterlinge im Bauch hast?
Led Zeppelin, die Beatles.

Wenn Du wütend bist?
The Fray und Pink

Wenn Du faulenzt?
Neil Young, Rolling Stones.

Wenn Du tanzen willst?
Techno, aber auch Beyonce und Shakira.

Du bist jetzt 15, wie soll es weitergehen?
Ich möchte zwei Sachen machen: Musik, die ist mir in die Wiege gelegt, das habe ich mir nicht ausgesucht. Zum anderen würde ich gern in die soziale Richtung gehen, weil ich sehr gerne mit Menschen arbeite und etwas suche, was ich mir erst erarbeiten muss. Vielleicht kann ich beides kombinieren.

Würdest Du zu einer Castingshow gehen?
Nein, man hört nie wieder was von den Gewinnern. Hier bei der Kur habe ich DSDS erstmals seit Jahren wieder gesehen. Es ist sehr unterhaltsam und die Leute lieben es, das ist in Ordnung.

Weißt Du wohin mit Deinem Talent in einer Stadt wie Gera?
Ich habe Gleichgesinnte gefunden, mit denen ich Theater im Haus der Pioniere spiele oder musikalisch zusammen arbeite wie mit der Rockband The Core. Es ist in Gera vielleicht schwerer, etwas auf die Beine zu stellen, als in einer wirklichen Großstadt, aber es geht.

Fragen: Katrin Wiesner

Bildunterschrift:
Carla Nelson wächst mit zwei Geschwistern in einer Musikerfamilie auf, die Ende der 80er Jahre aus den USA nach Deutschland zog. Vater Peter Nelson ist Kontrabassist am Theater. Carla besucht das Goethegymnasium. Am 30. März, 19:00 Uhr, wird sie im Songtage Sprungbrett, der Bühne für junge Talente, Im Bürgercafe Steinweg auftreten.