In Posthumus' Tradition

Das Rutheneum schreibt seit vier Jahrhunderten Geraer Stadtgeschichte

Gera (OTZ/-um-). Schulen verkörpern Stadtgeschichte. Das Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 schreibt Stadtgeschichte. Das geschah vor gut 400 Jahren, als Heinrich Posthumus die Schule gründete. Und geschieht heute, da Jugendliche aus dieser Schule die Kommunalpolitik aufmischten, nicht zusehen wollten, wie mit dem Schulbauprogramm die Teilung des Gymnasiums auf die zwei Standorte Johannisplatz und Nicolaiberg zementiert werden soll und mit ihrem Einwohnerantrag den Weg öffneten für den Schulcampus in der Innenstadt: mit dem Schulhaus Johannisplatz, dem benachbarten ehemaligen reußischen Regierungsgebäude und einem zu errichtenden Funktionsbauauf einem angrenzenden Grundstück in der Reichsstraße. Die Jugendlichen um den Initiator Falk Müller hätten 300 Unterschriften sammeln müssen, um den Einwohnerantrag auf die Tagesordnung des Stadtrates zu setzen. 3047 Geraer trugen sich in die Listen ein. Dass damit die formalen Vorgaben, wonach die Unterzeichner mindestens 14 Jahre alt sein und wenigstens ein Vierteljahr bereits in Gera leben müssen, erfüllt waren, schien außer zu Frage zu stehen. Doch mit einem überwältigenden Stadtratsvotum war die Zulässigkeit festgestellt und durch großen öffentlichen Druck der Beschluss gefasst worden, das Schulbauprogramm in einem wesentlichen Punkt zu korrigieren. In drei Jahren oder nie - denn diese Hintertür ließ der Stadtrat offen - soll der Schulcampus Gestalt angenommen haben: Die Stadt übernimmt vom Freistaat das leerstehende ehemalige reußische Regierungsgebäude und von der GWB Elstertal den Plattenbau Reichsstraße 1a/b. Gekoppelt ist der Beschluss zum Rutheneum an die Bedingung, dass vom Freistaat Fördermittel mindestens in Höhe der geplanten und notwendigen Mehraufwendungen der Stadt Gera gegenüber der Sanierung des Schulstandortes Nicolaiberg 6 bereitgestellt werden. "Früher hatten die Reußen hier das Sagen, wir sind ihr Nachlass", schlägt Falk Müller die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. Wissenschaftlichkeit, Weltoffenheit, Tradition, Aufgeschlossenheit für das Neue und Autorität - diese Werte prägten das Rutheneum zu jeder Zeit in seiner 400-jährigen Geschichte. Das betonte Schulleiter Dr. Joachim Hensel in seiner Festrede zum 400. Schuljubiläum. Humanistische Bildung sei die Grundlage für humanistisches Handeln. Das Gymnasium habe sich zu jeder Zeit als Hort der Toleranz erwiesen, auch während des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Prinz Heinrich XIII. Reuß als Nachfahre des Schulgründers erinnerte daran, dass Heinrich Posthumus die wirtschaftliche Prosperität des Landes begründet habe - mit sichtbaren Auswirkungen bis in unsere Zeit. Er äußerte die Erwartung, dass das Jubiläum des Rutheneums für die Stadt Gera ein Anlass sein möge, sich nachhaltig der Person von Heinrich Posthumus wieder anzunehmen. Dazu gehöre die authentische Aufstellung und Präsentation des Sarkophages in der Gruft und den Fundamenten der ältesten Stadtkirche St. Johannis auf dem heutigen Johannisplatz.
Bildunterschrift: Stolz werden beim Pennetreffen zur 400-Jahr-Feier des Rutheneums die T-Shirts präsentiert. (Foto: OTZ/Angelika Munteanu)