Falk brennt für den Schulcampus

Über einen Gymnasiasten, der in Gera für Diskussionsstoff sorgt

Von Erika Baumann Das hätte sich Falk Müller vom Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 noch vor Wochen nicht träumen lassen: Am 17. November wird er im Flieger nach Indien sitzen. Eingeladen ist er zu einem Jugendkongress in der Stadt Chennai, die zu den größten des Landes gehört. Dort will er anlässlich des 20. Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention, die auf der Tagesordnung u.a. die großen Themen Bildung und Kinderarmut hat, über Schülermitbestimmung in Deutschland reden, sogar in Englisch. Dafür auserkoren hat ihn Eugen Weber von den Grünen, den gute Kontakte zum Verein "Bürger Europas" verbinden. Nur 18 Jugendliche aus der ganzen Republik werden in Indien dabei sein und wie Falk überdies Gespräche mit Jugendlichen in Schulen und Universität sowie Hilfsorganisationen führen, etwas vom Land und seinen Sitten kennenlernen und auch Slums besuchen. Wenn der Name Falk Müller fällt, dann wissen nicht nur Schüler und Lehrer des Goethegymnasiums bestens Bescheid. Der 19-Jährige aus der 13. Klasse (Musikspezialklasse) hat sich einen Namen gemacht. Ja, Falk ist genau derjenige, der bereits im Mai dieses Jahres für die Errichtung eines Schulcamps für das Goethegymnasium von sich reden machte. Mutig trat er im Stadtrat für das Vorhaben ein und stellte als erster Bürger Thüringens dafür einen Einwohnerantrag, der erfolgreich auf den Weg gebracht wurde. Schüler und Lehrer waren und sind an seiner Seite, diesem Vorhaben zum Erfolg zu verhelfen. "Binnen neun Tagen haben er und seine Mitstreiter erreicht, was bis dahin dem Stadtrat nicht gelungen war, nämlich ein Zukunftsprojekt für Gera auf die Beine zu stellen", unterstreicht auch Tanja Litzmann aus Aga, die ebenso den Gymnasiasten nominierte. Kurzer Rückblick: Nach jahrelangem Widerstand gab Geras Stadtrat erst im September diesen Jahres der Zusammenführung des Goethegymnasiums am Standort Johannisplatz grünes Licht. Das wird zurecht als historische Entscheidung gewertet. Möglich geworden durch das hohe Engagement von Falk Müller und allen, die das Projekt unterstützen. 300 Unterschriften waren für den Einwohnerantrag nötig. Am Ende waren es sogar über 3000. Eine Resonanz, die zeigt, wie nicht nur er für den Campus regelrecht brennt, betont der bescheidene Gymnasiast. Warum er so vehement und auch gern die erste Geige im Chor vieler Instrumente beim großen Ziel spielt, trotz karg bemessener Freizeit unter anderem als Sänger im Konzertchor und Geiger im Kammerorchester des Rutheneums und Engagement im Bürgerfernsehen des Offenen Kanals, erklärt er so: Wenn man Spaß an der Musik hat, mit der Schule zufrieden ist und Möglichkeiten hat, mit Kammerorchester und Konzertchor Erfahrungen bei Wettbewerben auch international machen zu dürfen, dann entsteht ganz logisch ein enges Verhältnis zur Schule, auf die man stolz ist. Vor allem sei es Schulleiter Dr. Joachim Hensel gewesen, der es geschafft habe, die Schulgemeinde zu begeistern, als es um die 400-Jahr-Feier des Gymnasiums ging. "Er war es, der uns die Augen öffnete, was das Rutheneum für uns und die Stadt bedeutet", erinnert sich Falk. "So viel Energie steckt an, und der Begeisterungsfunke ist schnell auf mich übergesprungen, alles dafür zu tun, unsere traditionsreiche Schule langfristig zu erhalten. Nur mit dem Campus lassen sich die Bedingungen für Schüler und Lehrer und die Qualität des Unterrichts entscheidend verbessern." Falk ist sich sicher: Hätte sich die Schule nicht so reingekniet in die Sache, dann gebe es die heutige Entscheidung nicht. Nun müssten den Worten die Taten seitens der Stadt folgen. Es könne nicht sein, meint der 19-Jährige, dass noch immer die Campus-Initiative von der Schule ausgeht. "Aber wir werden nicht locker lassen, wollen, dass wir ständig auf den neustesten Stand gehalten und in die Planungen einbezogen werden." Falk denkt auch, dass die altehrwürdige Bildungseinrichtung nicht die ihr zustehende Rolle im Marketinkonzept der Stadt spielt, mit dem sie wuchern könne. Schließlich sei sie schon ein großer Faktor im geistig-kulturellen Leben Geras. Doch jetzt packt Falk erst einmal die Koffer für seine Indienreise. Zum Jugendkongress wird er über seine Erfahrungen über Basisdemokratie am Beispiel des Campus-Projekts berichten. Und das es sich lohnt, sich einzubringen und zu kämpfen. Dass er in den vergangenen Wochen und Monaten derart ins Rampenlicht geriet, fast eine gewisse Prominenz erlangt hat in seiner Heimatstadt, mache ihn eher verlegen. Da hätten viele andere schon fast ihr ganzes Leben uneigennützig gerackert. Und er fange ja gerade erst an, winkt er bescheiden ab. Wenn er sein Abitur nächstes Jahr in der Tasche hat - die Lehrer stellen ihm auf Grund seiner guten schulischen Leistungen eine ausgezeichnete Reifeprüfung in Aussicht - will er auf keinen Fall den Kontakt zu seinem Gymnasium abreißen lassen. Auch wenn er dann zunächst Zivildienst leisten will, bevor er beruflich in die Film- oder Medienbranche einsteigen möchte. Bis zur Einweihung des Campus will Falk mit anderen Mitstreitern das Vorhaben begleiten, vor allem mit der Kamera. "Jetzt wird es ja erst richtig spannend."
Bildunterschrift: An dieser Stelle wird der neue Campus stehen, freut sich Falk Müller vom Goethegymnasium. Er und die Schule haben sich für diese Vorhaben am Standort Johannisplatz stark engagiert. (Foto: Erika Baumann)