Gänsehaut-Gefühl

Filmpremiere am Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608: Rückblick mit Ausblick

Von Uwe Müller Gera. Mit tosendem Applaus feierten Schüler, Absolventen und Lehrer sowie Freunde des Rutheneums gestern Abend die Filmpremiere "Rutheneum seit 1608 - Eine Schule voller Geschichten". Da kam Gänsehaut-Gefühl auf, spürte doch das Publikum, dass vor ihren Augen mehr als nur ein Dokumentarfilm über 400 Jahre Filmgeschichte abgespult wurde. Sondern dass sie - nicht Zuschauer oder Statisten, sondern als Akteure - mittendrin sind in der Handlung und in diesem Jahr selbst Geschichte geschrieben haben mit dem Einwohnerantrag. Und Falk Müller ist nicht nur der Autor des Filmes, sondern auch des besagten Einwohnerantrages, mit dem der Stadtrat gezwungen wurde, seine Haltung zum Goethegymnasium zu überdenken und den Weg zu ebnen für den Schulcampus. Der humanistische Geist von Schulgründer Posthumus ist zurückgekehrt, auch wenn die politischen Erben derer, die zu DDR-Zeiten sein Denkmal entfernen ließen, längst noch nicht aufgegeben haben. Wer das Rutheneum und seine Tradition begreifen will, der muss den Film gesehen haben. Er schlägt über mehr als vier Jahrhunderte den Bogen von der Gründungstat des Heinrich Posthumus in die Gegenwart mit der 400-Jahr-Feier und der Perspektive, den Campus Rutheneum - er umfasst das Schulhaus am Johannisplatz, das benachbarte ehemalige reußische Regierungsgebäude und einen Funktionsneubau in der angrenzenden Reichsstraße - zu errichten. "Früher hatten die Reußen hier das Sagen. Wir sind ihr Nachlass", sieht Falk Müller, Schüler der Musikspezialklassen, das Gymnasium fest verwurzelt in einer Tradition. Neben der Dokumentarfilm-Premiere wurden gestern Abend Ausschnitte aus der vierteiligen DVD-Produktion mit Mitschnitten der 400-Jahr-Feier des Rutheneums aufgeführt. "Wer hätte vor 400, wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir in drei, vier Jahren den Campus haben werden", äußerte sich Falk Müller fasziniert von der fulminanten Entwicklung der letzten Monate: "Auf unserer Festmeile am 3. Oktober 2008 steckte die Campus-Diskussion noch nicht mal in den Kinderschuhen." Schulleiter Dr. Joachim Hensel lobt die Filme als wertvolle Zeitdokumente. "Unsere Nachfahren werden es danken." Seine Verbindung zum Gymnasium bringt der Lehrer auf eine einfache Formel: "Das Rutheneum ist mein Lebensinhalt. "Wo die Weltpremiere für unseren Film sein sollte? Natürlich in der Otto-Dix-Stadt Gera. Autor Falk Müller
Bildunterschrift: Filmpremiere gestern Abend für "Rutheneum seit 1608 - Eine Schule voller Geschichte". Autor Falk Müller überreicht das Drehbuch an Dr. Joachim Hensel, Schulleiter des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608. (Foto: OTZ/Uwe Müller)