Fast alle wollen den Campus

Geraer Stadtrat ändert für das Rutheneum Schulnetz und Schulbauprogramm

Von Uwe Müller Gera. Den Grundsatzbeschluss für den Schulcampus Rutheneum hat gestern Abend der Geraer Stadtrat gefasst. Nur SPD-Fraktionschef Armin Allgäuer enthielt sich der Stimme. Vorgesehen ist, das ehemalige reußische Regierungsgebäude zu sanieren und auf dem Nachbargrundstück Reichsstraße 1a/1b einen Funktionsneubau zu errichten. Sollten die Pläne innerhalb der nächsten drei Jahre nicht aufgehen, weil der Freistaat die Fördermittel nicht bereitstellt, wird der Beschluss hinfällig und das Land muss seine Immobilie in der Burgstraße wieder zurücknehmen. Dann bliebe das Goethegymnasium auf zwei Standorte aufgeteilt und würde die letzte Maßnahme im Schulbauprogramm sein, zeigte Linken Fraktionsvize Andreas Schubert die Konsequenzen auf. Falk Müller, der mit Mitschülern den Einwohnerantrag für den Schulcampus auf den Weg und mit vielen Bürgern zum Erfolg gebracht hatte, wunderte sich, wer alles auf den "fahrenden Zug" aufgesprungen ist. "Nur gut, dass ich den Einwohnerantrag selbst geschrieben habe", äußerte er. Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) verwies darauf, dass nun zum Rutheneum die erste Beschlusslage des Rates zum Schulbauprogramm umgesetzt werden soll. Der Rathauschef musste sich aber von Bernd Koob (CDU) den Vorwurf gefallen lassen, dass es ursprünglich sein Wunsch gewesen sei, den Schulteil Nicolaiberg des Goethegymnasiums gemeinsam mit Ost- und Neulandschule in einem neu zu bauenden "Schulkombinat" in der Reichsstraße aufgehen zu lassen. "Jetzt heißt es aber, den Blick nach vorn zu wenden", so Koob, der von einem Beschluss mit - historischer Tragweite sprach - ähnlich wie die Schulgründung 1608 durch Posthumus. Der OB sagte zu, dass unmittelbar nach dem Ratsbeschluss an die Umsetzung gegangen werde. Ende 2009 und dann in jedem Quartal muss er auf Antrag der CDU dem Stadtrat schriftlich berichten. Linken-Sprecher Schubert machte klar, dass es zum Rutheneum keine Sonderlösung geben dürfe, die zu Lasten anderer Schulen gehe. SPD-Fraktionschef Allgäuer verwies darauf, dass die Stadt für das Goethegymnasium aus eigener Kraft 350 000 Euro Planungskosten und fünf Millionen Euro Eigenmittel aufzubringen habe zum 15-Millionen-Projekt. Am ehemaligen reußischen Regierungsgebäude werde zwar ein städtebaulicher Missstand beseitigt, auf dem Nicolaiberg bleibe die Stadt auf einem sitzen. Martina Schmidt ("Arbeit für Gera") erinnerte daran, dass ihre Fraktion vor zwei Jahren den Schulcampus ins Gespräch gebracht habe. "Die Idee stieß auf taube Ohren. Schließlich hat Finanzministerin Diezel den Stein ins Rollen gebracht", so Frau Schmidt. "Falk Müller hat Demokratie-Geschichte in Gera geschrieben", würdigte GrünenSprecher Eugen Weber den Verdienst des Jugendlichen, Thüringens ersten Einwohnerantrag erfolgreich initiiert zu haben. "Und er hat einen Antagonisten, einen 'Schurken' - das ist der OB. Er hatte es gewagt, ihm im Stadtrat das Wort zu verbieten, war kaum zu sprechen für die Leute des Goethegymnasiums, hatte stets eine sauer-töpfische Miene. Dabei hat er gar nicht das Zeug zum Schurken, ist nicht böse, sondern ungeschickt." Die CDU sei , "flink wie nie" eingestiegen. Die SPD habe - nicht zuletzt mit ihren Plakaten. die unförmige Körper mit Sprechblasen darstellten, eine unglückliche Figur abgegeben. "Besser spät als nie" sei aber nun die Entscheidung zum Campus gefallen. Weber mahnte an, mit den Mietern der Reichsstraße 1a/1b zu sprechen. "Sie wollen wissen, wo sie künftig wohnen".
Zitat: Wir sind vielleicht nicht das beliebteste, aber das aktivste Gymnasium in Gera. Wir haben eine Lawine losgetreten. Und ich empfehle es niemand, sich einer Lawine entgegenzustellen. Falk Müller, Schüler des Goethegymnasiums und Initiator des Einwohnerantrages, in Anspielung auf die Rede von OB Dr. Vornehm im Liebegymnasium
Bildunterschrift: Der Geraer Stadtrat stimmt - bei Enthaltung von SPD-Fraktionschef Armin Allgäuer - geschlossen für den Schulcampus Rutheneum. (Foto: OTZ/Uwe Müller)