In drei Jahren oder nie

Gera packt Schulcampus Rutheneum an - Schulbauprogramm: Erste Gerüste im September

Von Uwe Müller Gera. Das Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 soll am Standort Burgstraße/Johannisplatz/Reichsstraße zusammengelegt werden. Die entsprechende Änderung des Schulnetz- und Schulsanierungsplanes bringt Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) am kommenden Montag in den Hauptausschuss des Stadtrates ein. Die Stadt übernimmt vom Freistaat das leer stehende ehemalige reußische Regierungsgebäude und von der GWB "Elstertal" den Plattenbau Reichsstraße 1a/b. Letzterer soll einem Funktionsneubau für das Gymnasium weichen. Gekoppelt ist der Beschluss zum Rutheneum an die Bedingung, dass vom Freistaat Fördermittel "mindestens in Höhe der geplanten und notwendigen Mehraufwendungen der Stadt Gera gegenüber der Sanierung des Schulstandortes Nicolaiberg 6 bereitgestellt werden". Sollten diese Gelder nicht innerhalb der nächsten drei Jahre kommen, wird der Beschluss unwirksam. Vom Schulcampus profitieren auch andere Geraer Schulen. Die 1,26 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket, die zunächst für den Schulteil Nicolaiberg des Gymnasiums vorgesehen sind, fließen in die Zwötzner und die Bergschule, ins Liebe- und Zabelgymnasium sowie in die Schulturnhalle Otto-Rothe-Straße. Die Erweiterung des Goethegymnasiums am Johannisplatz zum Schulcampus kostet nach Darstellung der Stadtverwaltung 14 Millionen Euro, während die Kosten für die Sanierung des Schulteiles Nicolaiberg mit sechs Millionen Euro angegeben werden. Für den Schulcampus hatten sich Geraer Bürger mit Thüringens erstem Einwohnerantrag engagiert. Die Weichen gestellt wurden in Verhandlungen, an denen Finanzministerin Birgit Diezel, Baustaatssekretär Roland Richwien (beide CDU) und OB Dr. Vornehm beteiligt waren (wir berichteten). Hierbei seien weitere Fördermöglichkeiten in Aussicht gestellt worden. "Wir werden die Landesregierung beim Wort nehmen", bekundete gestern der Rathauschef. Er betonte zugleich, dass bis 2014 an allen Geraer Schulen zeitgemäße Bedingungen geschaffen werden sollen. "Im September werden die ersten Gerüste stehen", kündigte der OB erste Baumaßnahmen für das Schulbauprogramm an. Ebenfalls mit Vertretern der Landesregierung abgestimmt seien die 10,3-Millionen-Euro-Investition in die Gesamtschule Lusan. Fördermittel müssten bis Ende August beantragt sein und hätten im Rahmen des Investitionspaktes 2009 Aussicht auf Erfolg. Zum anderen sollen 2010 zusätzlich zwei Schulen in den Genuss von Städtebau-Fördermitteln kommen: In der Ostschule steht die Sanierung von Fassade, Fenstern und Außenanlagen als erster Bauabschnitt mit einer Gesamtinvestition von 1,3 Millionen Euro auf dem Plan. In der Regelschule Bieblach soll für 575.000 Euro die Fassade in die Kur kommen.
Bildunterschrift: Das Portal des Rutheneums am Geraer Johannisplatz, dahinter das leerstehende ehemalige reußische Regierungsgebäude. Es soll saniert werden für den Schulcampus, der sich auch auf das benachbarte Grundstück Reichsstraße 1a/b, wo ein Funktionsneubau vorgesehen ist, erstreckt. (Foto: OTZ/Müller)
Ein guter Tag für Gera (Kommentar von Uwe Müller)
Von Uwe Müller Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm darf sich beglückwünschen lassen: Er setzt, endlich, den Schulcampus auf die Tagesordnung des Stadtrates. Am 3. September kommt es zum Schwur, nachdem diese Chance im Frühjahr bei der Abstimmung über das Konjunkturpaket vertan blieb. Jetzt ist nicht die Stunde, sich kleinkariert olle Kamellen vorzuhalten: Dass der Stadtrat ja mit großer Mehrheit Schulnetz und Schulbauprogramm beschlossen hatte. Dass der OB zuerst einen Teil des Goethegymnasiums in sein - mittlerweile gescheitertes - Lieblingsprojekt Schulzentrum stecken wollte. Oder zu jammern, das Land habe mit den Millionen geknausert. Jetzt kommen die Absichtserklärungen zum Rutheneum auf den Prüfstand. Es gibt kein Ausweichen mehr. Gelingt der Schulcampus, dann steht Gera in einer Tradition, die Posthumus mit dem Rutheneum begründete.