3047 Unterschriften an den OB

Initiatoren des Einwohnerantrages für den Schulcampus übergeben Listen

Von Uwe Müller Gera. Eine Abordnung aus dem Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 hat gestern die Unterschriftenlisten für den Einwohnerantrag zum Schulcampus bei Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm (SPD) überreicht. Die Übergabe fand auf Wunsch des Rathauschefs unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit 3047 Unterschriften haben die Initiatoren des thüringenweit ersten Einwohnerantrages die gesetzlich vorgeschriebene Hürde locker genommen. 300 Unterschriften wären nötig gewesen. "Wir können stolz sein, dass wir es geschafft haben", so Sophie Wallstabe aus der Klasse 6/1. Viele derer, die noch keine 14 Jahre alt sind und daher noch nicht unterzeichnen durften, haben beim Unterschriftensammeln geholfen. Über das einstündige Gespräch beim OB äußerten sie sich enttäuscht. "Ich fühle mich veralbert. Er hat um die Sache rumgeredet und versucht, das Gespräch in die Länge zu ziehen", so Jonathan Kühn (Klasse 6/3). "Einerseits findet er den Schulcampus eine tolle Idee, hat uns aber erklärt, dass die Landesregierung das nicht finanziert. Dann sagte er, dass feststeht, dass wir aus dem Nicolaiberg raus müssen", so Sophie Wallstabe. " Alles hat er auf die CDU geschoben", berichtet Peter Hausigk (Klasse 7/2). "Dass die Stadt nicht einmal einen Versuch unternommen hat, einen Fördermittelantrag zu stellen, zeigt doch, wie unglaubwürdig die Schuldzuweisungen des OB sind", befindet Falk Müller; der Zwölftklässler gehört zu den Initiatoren des Einwohnerantrages. "Nach dem Gespräch mit Dr. Vornehm sind wir genauso schlau wie zuvor. Aber mit den vielen Unterschriften der Geraer, die in kurzer Zeit gesammelt wurden, wissen wir, dass der Schulcampus keine kranke Vision ist. Gera will den Schulcampus", ist sich Falk Müller gewiss. Schulleiter Dr. Joachim Hensel, der gestern ebenfalls im gelben T-Shirt des Rutheneums erschienen war, weiß: "Wir werden noch kämpfen müssen." CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jörg Dannenberg erklärte, seine Partei habe bereits 2007 Anträge für die Zusammenführung des Goethegymnasiums gestellt. "Leider hatten wir für eine gute Idee keine Mehrheit", betonte er. Nunmehr sei der Stadtrat gefordert, die Beschlüsse zum Schulnetz und zum Schulbauprogramm vom November 2008, die die Teilung des Gymnasiums auf mehrere Standorte zementieren, aufzuheben. "Wenn das Land uns verbindlich erklärt, dass es die Mehrkosten trägt, verschließen wir uns nicht einer sinnvollen Lösung", so Fraktionssprecher Andreas Schubert (PDS/Linke).

"Der OB hat uns nicht mal in die Augen geschaut."
Sophie Dietsch, Schülerin, Klasse 6/1, Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608
Bildunterschrift: SPD-Stadträtin Sigrid Müller diskutiert auf dem Geraer Johannisplatz mit Jugendlichen über den Einwohnerantrag zum Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608. (Foto: OTZ/Uwe Müller)
Goldene Brücke (Kommentar von Uwe Müller)
Eine goldene Brücke könnten sich die Geraer Stadtväter bauen, um den Einwohnerantrag zum Schulcampus Goethegymnasium mit Leben zu erfüllen. Sie müssten nur zu dem zurückfinden, was sie am 28. Juni 2007 selbst beschlossen haben. Damals hieß es: Das am Schulteil Johannisplatz in der Burgstraße angrenzende frühere reußische Regierungsgebäude, zuletzt Hygieneinstitut, soll saniert und für das Gymnasium genutzt werden. Da damit noch nicht ausreichend Raumkapazitäten für das Rutheneum geschaffen wären, müsste ein Funktionsanbau angefügt werden - auf dem Grundstück, wo jetzt der Plattenbau u.a. mit städtischen Verwaltungsräumen steht. Damals hatte sich das Goethegymnasium erfolgreich gewehrt. teilweise in einem neuzubauenden Schulzentrum aufzugehen. Muss jetzt das Rutheneum dafür büßen, anstatt neue Lösungen auf den Prüfstand zu stellen?