300 Unterschriften nötig

Geraer Goethegymnasiasten kämpfen um die beste Zukunftslösung für ihre Schule

Von Uwe Müller Gera. Am Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 machen Unterschriftenlisten für einen Einwohnerantrag die Runde. Beinahe ohnmächtig hatten Schüler, Eltern und Lehrer zusehen müssen, wie die Teilung des ältesten landesherrschaftlichen Gymnasiums Thüringens in die zwei Standorte am Johannisplatz und auf dem Nicolaiberg mit dem Schulnetz- und Schulbauprogramm zementiert werden soll. Obwohl durch das Konjunkturpaket des Bundes und Signale aus der Landesregierung die Chance auf eine große Lösung eröffnet scheint. Mit ihrem Einwohnerantrag wollen die Goethegymnasiasten erreichen, dass der Stadtrat sich ihrer Schule erneut annehmen muss. "Die Schüler kommen sich als Spielball der Politik vor. Man muss den Eindruck gewinnen, dass es gar nicht mehr um die Sache geht", so Falk Müller aus der Klasse 12M. Und lässt durchblicken, dass viele Schüler der Oberstufe am 7. Juni Erstwähler sind - und für ihre Wahlentscheidung zum Stadtrat durchaus die Position der Listen zum Goethegymnasium maßgeblich ist. Der Einwohnerantrag muss schriftlich an die Stadt gerichtet und von mindestens 300 Einwohnern unterzeichnet sein. Unterschriftsberechtigt sind Einwohner, die am Tage der Unterzeichnung seit mindestens drei Monaten in der Stadt ihren Aufenthalt und das 14. Lebensjahr vollendet haben. Über die Zulässigkeit des Einwohnerantrages entscheidet der Stadtrat. Ist er zulässig, so hat der Stadtrat innerhalb von drei Monaten nach Eingang über die Angelegenheit zu beraten und zu entscheiden, er soll hierbei Vertreter des Einwohnerantrages hören. "Es geht darum, was die bessere Lösung für unser Gymnasium darstellt - es ist der Umbau des ehemaligen Regierungsgebäudes", ist Theresa Szallies (Klasse 10/2) überzeugt. Wenn ein Teil des Gymnasiums ab Januar 2010 nach Lusan verlegt würde, um den Nicolaiberg zu sanieren, sei der Schulbetrieb schwer zu organisieren und würden womöglich Eltern ihre Kinder nicht für das Goethegymnasium anmelden. "Mit der jetzigen Lösung macht sich die Otto-Dix-Stadt lächerlich", betont Falk Müller. Die Jugendlichen rechneten durch; danach ist ihr Schulcampus nicht nur die bessere, sondern für die Stadt auch die kostengünstigere Lösung. Für die Renovierung des Schulteiles Nicolaiberg, so wie von der Stadtratsmehrheit beschlossen, werden sechs Millionen Euro veranschlagt, bleiben nach Abzug von 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II 4,7 Millionen Euro. Allerdings würde diese Rechnung noch zu belasten sein durch zwei Umzüge vom Nicolaiberg in die Ausweichschule nach Lusan und zurück sowie durch Fahrtkosten für Lehrer und Schüler. Für Renovierung, Um- und Anbau am alten Regierungsgebäude setzen die Jugendlichen 14 Millionen Euro an, abzüglich 9,33 Millionen Euro signalisierte Zwei-Drittel-Förderung des Landes sowie eventuell 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II - blieben nur 3,37 Millionen Euro Belastung übrig. Plus Zusatzkosten, diesmal aber nur eines Umzuges, nämlich vom Nicolaiberg in die Burgstraße. Für Falk Müller steht fest: Die Lösung mit dem ehemaligen reußischen Regierungsgebäude ist die beste für das Goethegymnasium und für das Stadtbild. Ein Schulcampus im Stadtzentrum würde nicht zuletzt dafür sorgen, dass junges Leben im Herzen der Stadt pulsiert. Kommentar Zitat: "Wir setzen alle unsere Hoffnungen auf die Stadtratsfraktionen." Falk Müller, Klasse 12M, Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608

Bildunterschrift:
Gehören zu den Initiatoren des Einwohnerantrages für das Geraer Goethegymnasium: Theresa Szallies (Klasse 10/2) und Falk Müller (12/M), hier vor dem ehemaligen reußischen Regierungsgebäude. Das denkmalgeschützte Haus könnte mit einem Anbau und dem bestehenden Hauptgebäude der neue Campus für das Rutheneum werden. (Foto: OTZ/Uwe Müller)



OTZ-Kommentar von Uwe Müller

Farbe bekennen
Für direkte Demokratie hat sich in Gera ein breites gesellschaftliches Bündnis fünf Jahre engagiert und Unterschriften gesammelt. Nun ist sie da, die direkte Demokratie - seit 7. Mai erst mit allen Instrumenten. Und Jugendliche aus dem GoethegJannasium/Rutheneum seit 1608 greifen gleich zu. Sie glauben, dass es eine bessere Perspektive gibt für ihr Gymnasium, als vom aktuellen Schulnetz- und Schulbauprogramm festgeschrieben. Ihr Unmut schlägt nicht etwa in die vielzitierte Politikverdrossenheit um, sondern in Zivilcourage. Die Art und Weise, wie mit ihrem Einwohnerantrag umgegangen wird, wird für sie eine Lehrstunde der Demokratie. Vor allem sorgen die Jugendlichen für Transparenz. Denn was wirklich dran ist an den Ankündigungen aus der CDU-Landesregierung, das zu prüfen scheute die rotrote Ratsmehrheit bisher. Beim Einwohnerantrag heißt es, Farbe zu bekennen - für alle Seiten.