Goethegymnasium bedroht

Warum sich die Geraer CDU gegen Vornehms Pläne für den Nicolaiberg wehrt

Von Uwe Müller Gera. OB Dr. Norbert Vornehm (SPD) sollte die von der Thüringer Landesregierung gebaute Brücke, das ehemalige reußische Regierungsgebäude in der Burgstraße zu sanieren und das Goethegymnasium zusammenzuführen, nutzen. Diesen Appell der Vernunft im Sinne der Schüler, Lehrer und Eltern richtete Bernd Koob (CDU), Mitglied im Schul- und Bildungsausschuss, an den Rathauschef. Er bezog sich auf aktuelle Äußerungen von Thüringens Bau-Staatssekretär Roland Richwien (CDU) gegenüber dieser Zeitung und weiß auch die Unterstützung von Finanzministerin Birgit Diezel (CDU) auf der Seite von Gera. Koob sprach sich gegen überhasteten Aktionismus aus, im Zuge des Konjunkturprogrammes der Bundesregierung und mit Inanspruchnahme von Steuergeldern vordergründig die zwar vordringliche Sanierung des Schulteiles auf dem Nicolaiberg voranzutreiben, in Wahrheit aber die Trennung der Schulteile des Goethegymnasiums zu zementieren. Allein die Schulorganisation für die Bauzeit sei zweifelhaft. Für zwei bis drei Jahre müsse der Schulteil Nicolaiberg in das seit langer Zeit leerstehende Schulhaus des Albert-Schweitzer-Gymnasiums nach Lusan umziehen. "Das sind zehn Kilometer zwischen beiden Schulteilen. Der in den Pausen immer wieder erforderliche Wechsel des Lehrpersonals und der Schüler ist damit unmöglich. Das Goethegymnasium, das älteste Gymnasium in Thüringen, ist damit existenziell gefährdet", so Koob. Der CDU-Stadtrat hält die Schulbaupläne insgesamt für unausgegoren. Selbst nach Sanierung des Schulhauses Nicolaiberg sei die Entfernung zum Haupthaus am Johannisplatz zu groß, um einen effizienten Schulbetrieb zu organisieren. Gar nicht davon zu reden, dass die Klassenräume auf dem Nicolaiberg zu klein seien. Die CDU-Fraktion fordert deshalb erneut die Zusammenlegung des Gymnasiums mit dem Nachbarhaus, dem ehemaligen reußischen Regierungsgebäude. Nach Fertigstellung dieses Hauses könnten die Schüler völlig unproblematisch vom Gebäude Nicolai-berg umziehen und hätten dann optimale Bedingungen. Anschließend könnte die Ostschule in das Gebäude Nicolaiberg umziehen und danach die Schüler des Zabelgymnasiums. Beide Schulen sollen nach Planung der Verwaltung während der Sanierungsphase ebenfalls nach Lusan umziehen. Die Kosten für die Herrichtung des Gebäudes in Lusan, die Umzüge und die Schülerbeförderung während der Sanierungsphase werden in die Millionen gehen, weist Koob auf die Auswirkungen für den Steuerzahler hin.

Bildunterschrift:
Blick auf das Ensemble Goethgymnasium/Rutheneum seit 1608 und ehemaliges reußisches Regierungsgebäude in der Geraer Innenstadt (Foto: OTZ/Uwe Müller)



OTZ-Kommentar von Uwe Müller

Edel, hilfreich, gut
Warum gibt Geras OB Dr. Norbert Vornehm so viel Gas, um die Sanierung des Schulhauses auf dem Nicolaiberg voranzutreiben? Natürlich, weil dort das Goethegymnasium unter miesen Voraussetzungen arbeiten muss. Und das Konjunkturpaket des Bundes die Chance eröffnet, diesen Missstand rasch zu beseitigen. Natürlich gibt es bessere Lösungen - die Zusammenführung beider Schulteile am Johannisplatz. Das wäre zukunftsweisend. Mann könnte unterstellen, dass der Rathauschef die Teilung des Goethegymnasiums auf Ewigkeiten zementieren lassen will - nur weil es der Schuldirektor vor zwei Jahren wagte, offen die Urfassung des Vornehm'schen Schulbauprogramms, das sich mittlerweile als unbezahlbare Illusion erwiesen hat, zu kritisieren. Halten wir es mit dem Namenspatron des Gymnasiums: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut."