Sprache und Musik

Als Traditionsschule der Stadt setzt das Goethe-Gymnasium auch neue Akzente

Von Katja Schmidtke Gera. Aus einem Stapel Bücher zieht Joachim Hensel zielsicher ein Exemplar heraus. Die Geschichte der Schule, seiner Schule, in Buchform. Dr. Joachim Hensel ist nicht nur Leiter der traditionsreichsten Geraer Schule, des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum seit 1608. Auch sein Vater und Urgroßvater haben hier die Schulbank gedrückt. Bei einigen Familien lasse sich der Besuch der Schule über Jahrhunderte zurückverfolgen. Aber nicht nur jenen, die die Traditionslinie ihrer Familien fortführen möchten, legt Hensel den Besuch des Goethe-Gymnasiums nahe. "Wer musisch begabt ist, sich für Musik und Sprachen interessiert, ist hier gut aufgehoben", sagt der Schulleiter. Für die Musik-Spezialklassen bewerben sich junge Leute aus ganz Deutschland, die Hälfte jedoch kommt aus Gera. Der Spezialunterricht beginnt ab Klassenstufe 9. "Aber an ein musisches Klima werden die Schüler schon ab der 5. Klasse herangeführt", sagt Hensel und nennt Konzert- und Orchesterbesuche oder das hauseigene Tonstudio als Beispiele. Ein weiteres Profil hat sich das Goethe-Gymnasium mit der Sprachen-Ausbildung erarbeitet. Schon in den Gründungszeiten wurden drei Fremdsprachen unterrichtet. Das ist bis heute so geblieben. Neben dem Pflichtfach Englisch kann zwischen Französisch, Russisch, Latein und Spanisch gewählt werden. Zur Sprachausbildung gehört für das Kollegium auch das Deutsche. "Wir erproben seit diesem Schuljahr das Projekt ´Pro Lesen´", erzählt Joachim Hensel. Damit soll die Lese- und Schreibkompetenz der Schüler gefördert werden. Von Deutsch über Geschichte bis zu den Naturwissenschaften lernen die Jungen und Mädchen Texte effizient zu lesen, sie inhaltlich zu erfassen und wiederzugeben. Längst erprobt und für ausgezeichnet befunden ist die Stimmung an der Pauke. Regelmäßige Absolvententreffen oder die große Jubiläumssause, die im vergangenen Jahr mit dem rührigen Schulförderverein gestemmt wurden, sind da nur zwei von vielen Beispielen. "Die 400-Jahr-Feier hat gezeigt: Das Goethe-Gymnasium ist ein wichtiger Teil von Gera", sagt Hensel. Das Rutheneum sieht sich durchaus als Traditionsschule, und auch der Begriff der Elite stößt bei Hensel nicht auf Unbehagen. Um geistiges, nicht finanzielles Potenzial gehe es dabei, betont er. Sozial schwache Familien können Unterstützung beim Förderverein suchen. Auf Klassenfahrten muss keiner zuhause bleiben.

Bildunterschrift:
Die Orchesterprobe am Mittwochnachmittag gehört zu den festen terminen am Goethe-Gymnasium. Die Schüler der Spezialklassen erhalten acht Stunden Musikunterricht pro Woche (Foto: OTZ/Schmidtke)


Steckbrief der Schule:

Schüler: 510 Lehrer: 86 Gebäude: Der Unterricht findet in zwei Gebäuden statt. Die Klassen 5 bis 10 werden im Haus 1 am Nicolaiberg unterrichtet, die Klassen 11 bis 13 im Haus II am Johannisplatz. Dieses Gebäude wurde 1887 errichtet und in den vergangenen Jahren grundhaft saniert. Für den Sportunterricht nutzt die Schule die sanierte Halle am Johannisplatz sowie die Ostvorstädtische Turnhalle. Schulbeginn: 8 Uhr, Einlass ab 7.45 Uhr, Aufenthalt für auswärtige Schüler bei schlechtem Wetter ab 7 Uhr. Schulende: 13.30 Uhr für die Klassen 5 und 6, 14.40 Uhr für die Klassen 7 bis 10, bis 19.30 Uhr für die Spezialklassen Schulprofil: drei Fremdsprachen (Wahl zwischen Spanisch, Französisch, Latein, Russisch), Musikklassen Ganztagsschule: 18 Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung Besonderheiten: Jugendarbeit mit dem CVJM, Schulförderverein mit 234 Mitgliedern, Tonstudio Essensanbieter: Wakos, Frühstücksservice Kaiser